Für effektive Verbesserungen der Startchancen von Kindern in Deutschland braucht es die gesetzliche Verankerung der Psychologie
Pressemitteilung
BDP-Stellungnahme zum Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) zur Verbesserung der Startchancen von Kindern und zur Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung (Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz - SCQEG)
Berlin, 22.10.2026: Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) begrüßt den Vorstoß der Bundesregierung zur Einführung einer bundeseinheitlichen Gesetzgebung zur systematischen und chancengleichen Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen. Mit dem SCQEG ist der Weg frei für eine bundesweite Verbesserung von Qualitätsstandards in der frühkindlichen Entwicklung. Beim vorliegenden Gesetzentwurf sieht der Verband allerdings bei wesentlichen Aspekten noch Nachbesserungsbedarf vor allem im Hinblick auf die verbindliche Integration psychologischer Expertise und Unterstützungsleistungen.
Positiv bewertet der BDP die Pläne zur Einführung bundeseinheitlicher Regelungen zur Feststellung und gezielten Förderung von Kindern in Bezug auf individuelle Kompetenzen und Fähigkeiten mit Hilfe standardisierter Verfahren bereits im Vorschulalter. Auch die geplante Aufstockung von Unterstützungsleistungen in Einrichtungen mit besonderem Förderbedarf ist ein wichtiger Schritt, um soziale Ungleichheiten auszugleichen. Gleiches gilt für die Pläne für einen reibungslosen Wechsel zur Schule durch eine bessere Vernetzung der Bildungseinrichtungen in Bezug auf die Diagnostik- und Fördermaßnahmen.
Für eine echte Verbesserung der Startchancen von Kindern und Qualitätsentwicklung sieht der BDP jedoch in wesentlichen Bereichen Nachbesserungsbedarf.
Was im Entwurf zum Startchancengesetz zur frühkindlichen Entwicklungs- und Bildungsförderung weitgehend fehlt, ist der Einbezug psychologischer Expertise. Gerade eine niedrigschwellige psychologische Grundversorgung macht mit Blick auf die Startchancengerechtigkeit einen entscheidenden Unterschied. Aus diesem Grund fordert der Verband die strukturelle Verankerung psychologischer Expertise im SCQEG.
Der BDP empfiehlt den kontinuierlichen Ausbau eines bundesweiten psychologischen Beratungs- und Unterstützungssystems in Form eines Fachdienstes für frühkindliche Bildungseinrichtungen sowie die Einbeziehung evidenzbasierter psychologischer Expertise bereits bei der Entwicklung und Qualitätssicherung standardisierter Verfahren für die Prävention, Diagnostik und Fördermaßnahmen sowie deren Monitoring und Evaluation.
Gerade Psycholog*innen können durch ihre Einbeziehung in eine multiprofessionell aufgestellte fachliche Infrastruktur zur Prävention, Beratung und Bewertung von komplexen Situationen und Entwicklungsverläufen sowie bei der Unterstützung von Kindern, ihren Familien und Fachkräften in Bildungseinrichtungen einen maßgeblichen Beitrag leisten. Dies gilt besonders für Einrichtungen in herausfordernden sozialen Lagen sowie auch für den Übergang von Einrichtungen der frühkindlichen Entwicklung und Bildung zur Schule und weiteren Bildungseinrichtungen. Hier bedarf es einer strukturellen Verzahnung mit schulpsychologischen Angeboten.
Für die altersgerechte Förderung von frühkindlichen Kompetenzen und Fähigkeiten eignen sich aus Sicht des BDP vor allem ganzheitlich angelegte Ansätze wie der Early Excellence-Ansatz, der bereits erfolgreich in vielen Kindergärten in Deutschland praktiziert wird und Kindern eine individuelle Entwicklung und Bildung in geschützten Räumen ermöglicht.
Kinder haben ein Recht auf Bildungsfairness und psychisches Wohlbefinden – von Anfang an. Der BDP appelliert an die Vertretenden in der Politik, eine entsprechende politische Grundlage für die systematische Verankerung psychologischer Expertise in der frühkindlichen Entwicklungs- und Bildungsförderung zu schaffen. Für die Umsetzung sollten Bund und Länder gemeinsame Qualitätsstandards, Aufgabenprofile, Qualifikationsanforderungen sowie eine bedarfsgerechte Personalausstattung und dauerhafte Finanzierung bereitstellen.
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