Keine Kürzungen bei Psychotherapie – Sicherung der psychotherapeutischen Versorgung psychisch erkrankter Menschen

BDP-Delegiertenkonferenz verabschiedet einstimmig Resolution gegen umfassende Kürzungen in der Psychotherapie.

Pressemitteilung zur DK-Resolution

Berlin, 28.04.2026: Die auf Empfehlung des GKV-Spitzenverbandes vom Bewertungsausschuss im März 2026 beschlossenen und bereits zum 1. April in Kraft getretenen Honorarkürzungen um 4,5 % sowie von der Finanzkommission geplanten weiteren Kürzungen bei psychotherapeutischen Leistungen werden vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) scharf kritisiert. Der Verband fordert die Rücknahme der Kürzungen und langfristige Sicherung der psychotherapeutischen Versorgung psychisch erkrankter Menschen in Deutschland.

Besonders vor dem Hintergrund der langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz bei steigenden gesamtgesellschaftlichen Belastungen sind die Kürzungen überhaupt nicht nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass bereits jetzt die „sprechenden Medizin“, zu der die Psychotherapie gehört, das Schlusslicht bei der Vergütung bildet und nur 0,7 Prozent der GKV-Gesamtausgaben ausmacht. 

Kommen nun die vorgeschlagenen umfangreichen Kürzungen der Finanzkommission Gesundheit hinzu und werden damit die bisher extrabudgetierten vergüteten Leistungen in die morbiditätsbedingte Gesamtleistung (MGV) zurückgeführt, werden Therapieplätze künftig nicht mehr nach medizinischer Notwendigkeit, sondern nach verfügbarem Budget vergeben. Zudem sollen Zuschläge wegfallen, die als Anreiz für Kurzzeittherapien eingeführt wurden.

In ihrer Gesamtheit stellen die Maßnahmen und Vorschläge einen Frontalangriff auf die Versorgung psychisch erkrankter Menschen dar. Die Sparmaßnahmen untergraben die wirtschaftliche Grundlage psychotherapeutischer Praxen und provozieren damit eine Reduzierung des Angebots, was einer Diskriminierung psychisch erkrankter Menschen gleichkommt. Besonders in Zeiten multipler Krisen tragen gut ausgebildete Psychotherapeut*innen zu einer Stärkung der mentalen Gesundheit und Resilienz in der Bevölkerung bei und entlasten auf diese Weise weitere Sozialsysteme (z. B. durch weniger Krankentage oder Frühverrentung). Jeder in Psychotherapie investierte Euro rechnet sich um den Faktor zwei bis vier. Doch dafür bedarf es einer betriebswirtschaftlich rentablen Planungssicherheit für psychotherapeutische Praxen, die sich an realen Ausgaben orientiert.

Was es zusätzlich braucht, ist eine ganzheitliche Betrachtung der psychotherapeutischen Versorgungssituation. Konzepte liegen seit langem vor. Die „Psychotherapeutische Sprechstunde“ ist ein erprobtes Steuerungsinstrument. Eine echte Verbesserung wäre die sektoren- und fachbereichsübergreifende Verzahnung (ambulante und stationäre Versorgung).

Der BDP fordert die Politik auf, die Honorarkürzungen zurückzunehmen, die Vorschläge zu weiteren Leistungskürzungen zurückzuweisen und eine angemessene psychotherapeutische Versorgung psychisch erkrankter Menschen in Deutschland sicherzustellen. Für langfristige Lösungen braucht es einen fairen und transparenten Dialog mit Berufsverbänden und Praktizierenden. 

Ihre Ansprechpartnerin:
Bettina Genée
Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Phone: +49176 58868222
Mail: presse@bdp-verband.de

Hier geht es zur DK-Resolution.

Veröffentlicht am:
Kategorien:
Pressemitteilung
Ambulante Versorgung
Schlagworte:
VPP
Psychotherapie

Wir unterstützen alle Psychologinnen und Psychologen in ihrer Berufsausübung und bei der Festigung ihrer professionellen Identität. Dies erreichen wir unter anderem durch Orientierung beim Aufbau der beruflichen Existenz sowie durch die kontinuierliche Bereitstellung aktueller Informationen aus Wissenschaft und Praxis für den Berufsalltag.

Wir erschließen und sichern Berufsfelder und sorgen dafür, dass Erkenntnisse der Psychologie kompetent und verantwortungsvoll umgesetzt werden. Darüber hinaus stärken wir das Ansehen aller Psychologinnen und Psychologen in der Öffentlichkeit und vertreten eigene berufspolitische Positionen in der Gesellschaft.

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen