Die Vermeidung der digitalen Kluft

In der Debatte um Digitalisierung scheint es nur zwei Lager zu geben: Diejenigen, die mehr Digitalisierung in allen Lebensbereichen fordern und diejenigen, die vor den noch nicht gänzlich abschätzbaren Neben- und Folgewirkungen warnen. Im aktuellen BDP-Bericht „Mensch und Gesellschaft im digitalen Wandel“ widmen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der psychologischen Technikfolgenabschätzung.

Durch die freie und kostenlose Verfügbarkeit von Informationen war die Hoffnung groß, dass die Digitalisierung zur Auflösung sozialer Ungleichheiten beitragen würde. Allerdings haben sich auch neue „digitale Klüfte“ aufgetan. Die Digitalkompetenz deutscher Erwachsener liegt zwar leicht über dem OECD-Durchschnitt, jedoch weisen ältere Erwachsene, länger nicht Erwerbstätige sowie Migrantinnen und Migranten der ersten Generation vergleichsweise niedrigere Digitalkompetenzen auf.

In der Altersgruppe 52 bis 65 Jahre sind 75 Prozent der Befragten allenfalls im Stande, einfache und vertraute Anwendungen (z.B. E-Mail oder Webbrowser) zu nutzen. Circa 40 Prozent dieser Altersgruppe können höchstens auf einem rudimentären Level computerbasierte Aufgaben lösen, bei denen die Aufgabenstellung klar definiert ist und nur wenige Schritte erforderlich sind.

Zu digitaler Kompetenz gehören nicht nur rein technische Fähigkeiten zur Anwendung von Hard- und Software. Vielmehr erfordern Digitalkompetenzen auch kognitive Grundfähigkeiten, wie etwa Lesekompetenz, numerisch-mathematische Kompetenz aber auch die Fähigkeit zum kritischen Denken.

„Aus psychologischer Perspektive erscheint es wichtig, den Individuen den Zugang zur Technik zu erleichtern und neben der Kompetenz zur Nutzung auch zielgruppenspezifisch Methodenkompetenzen  zur Recherche, zur Bewertung von Informationen und der Belastbarkeit von Quellen zu vermitteln“, erklärt BDP-Präsident Prof. Dr. Michael Krämer.

Zur Verringerung der digitalen Kluft sind neben Investitionen in digitale Bildung in Schulen auch verstärkt Angebote in der Fort- und Weiterbildung von Erwachsenen nötig. Die Digitalisierung wird zuweilen als Naturgewalt wahrgenommen, die über uns hereinbricht. Dabei ist die Digitalisierung ein Prozess, dessen Ausgestaltung in unserer Hand liegt. Die Politik ist in diesem Prozess als übergeordneter Struktur- und Richtungsgeber gefordert.

„Mehr denn je sind psychologische Kompetenzen und Dienstleistungen gefragt, wenn Digitalisierung gelingen soll. Bedarfe sehen wir vor allem im Umgang mit Verunsicherung und Teilhabechancen und der Unterstützung von Organisationen und Beschäftigten zur Gestaltung des Wandels.“

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