Was Patienten wirklich brauchen

Psychologen werfen kritischen Blick auf Gesundheitsversorgung in Deutschland

Am 12. Juli 2014 findet in Stuttgart der diesjährigen Landestag der Psychologie statt. Er wird veranstaltet von der Landesgruppe Baden-Württemberg des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) und steht unter dem Motto „Gesünder durchs Leben mit Psychologie“. In einer Presseerklärung des Vorstands heißt es dazu:

Hauptthema des Landestages ist eine bessere, an den tatsächlichen Bedürfnissen der Patienten orientierte gesundheitliche Versorgung über die gesamte Lebensspanne. Zu sehr stehe derzeit die quantitative Versorgung bzw. Unterversorgung in ländlichen Gebieten im Fokus politischer Überlegungen. Diese verkürzte Betrachtungsweise lässt viele Dimensionen der gesundheitlichen Versorgung unberücksichtigt. Wir schauen kritisch auf die etwa 1,7 Millionen von Kindern und Jugendlichen, die an Asthma leiden und zum großen Teil nicht in den Genuss von Schulungen kommen, die den Konsum von Notfallmedikamenten einschränken und das Leben mit der Krankheit für die Betroffenen und ihre Eltern erleichtern könnten. Wir nehmen die alarmierende Zunahme von Diabetes bei jungen und alten Menschen in den Blick, die es durch bessere flächendeckende Prävention einzudämmen gilt, statt sich mit Alibi-Modellprojekten zu begnügen und im Übrigen auf immer neue noch teurere Medikamente zu setzen. Wir  schauen angesichts der demografischen Entwicklung auf eine wachsende Zahl sehr alter Diabetes-Patienten, für die das Selbstmanagement der Krankheit zum Problem geworden ist und für die spezifische Angebote gebraucht werden. Kritisch wenden wir uns auch den Pseudohilfen für Frauen in den Wechseljahren zu, die Regale in Drogerien, Apotheken und Buchläden füllen, den Herstellern Profit bringen, für die Frauen jedoch nicht gesundheitsfördernd sind. Und wir beschäftigen uns mit falschen Altersbildern in der Gesellschaft, die zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden können: Wer Alter mit einer fast automatischen Zunahme von Erkrankungen und Beschwerden verbindet hat weniger Chancen gesund zu bleiben und andere gesund zu machen, begünstigt Krankheit statt Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Gleichzeitig registrieren wir die wachsende Bereitschaft von Arbeitgebern, in betriebliche Gesundheitsförderung zu investieren und stellen in diesem Kontext Employee Assistance Programs vor.

Sieben Jahre nach Veröffentlichung des alarmierenden BDP-Berichts zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ziehen wir anhand aktueller Zahlen eine traurige Bilanz. Bis heute treten bei knapp 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen Auffälligkeiten des Erlebens und Verhaltens auf. Bei einem bedeutenden Teil von ihnen muss eine chronische Störung angenommen werden. Die Empfehlungen des BDP von 2007 (von der Verbesserung der Früherkennungssysteme bis zur Implementierung präventiver Angebote und psychologischer Unterstützung bei der Entwicklung eines gesunden Schulklimas) sind weitgehend unbeachtet geblieben.

Es wäre dennoch falsch, den Kollaps des Gesundheitswesens zu prognostizieren. Mit neuen Konzepten und differenzierten, regionalen, alters- und geschlechtsspezifischen Lösungen ist eine Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau möglich. Psychologinnen und Psychologen sowie Psychotherapeuten können dazu wirkungsvoll beitragen. Um diesen spezifischen Beitrag kreisen Referate und Workshops beim Landestag, der Wissenschaftler und Praktiker mit dem Ziel zusammenführt, den Beteiligten bestimmte Fehlsteuerungen im Gesundheitssystem bewusst zu machen und Wege aufzuzeigen, wie sie selbst zur Verbesserung der Situation beitragen können. Er bietet damit die Chance, bereichert durch neue Erkenntnisse und Inspiration wieder in den Arbeitsalltag an Universitäten, in Kliniken und Praxen zurückzukehren.

Die Veranstaltung im SpOrt Stuttgart ist öffentlich. 

Ansprechpartner:
Thordis Bethlehem

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LG Baden-Württemberg

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