Noch 34 Tage bis zum Landestag der Psychologie

Die Psychotherapie wird digital

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Gesetzgeber hat es entschieden: Die Telematikinfrastruktur (TI) soll alle Beteiligten im Gesundheitswesen miteinander vernetzen. Das Ziel besteht darin, die Online-Kommunikation der einzelnen Akteure nur noch über TI laufen zu lassen. Wer sich verweigert, büßt 1 % seines Honorars ein. Roland Raible, Psychotherapeut aus Wangen im Allgäu, gehört dazu. Er ist kein Querkopf, sondern ein Psychotherapeut, der mit den Daten seiner Patienten seit jeher sehr verantwortungsvoll umgeht. Das beginnt mit der Begrüßung an der Tür, bei der er den Namen von Patienten nicht erwähnt, geht weiter mit Terminanfragen per E-Mail, die er neutral beantwortet und freundlich um Anruf bittet. Internetgestützte Online-Beratung oder gar -Therapie gehören nicht zu seinem Angebot. Beim Landestag sucht er den kollegialen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen zum Thema
Die Psychotherapie wird digital. – Nee, echt? Ja, muss ich jetzt …

Bei Roland Raible bleibt das Smartphone meistens ausgeschaltet. Ein Technik-Verächter? Mitnichten. Dieser Mann will selbst steuern können, wann und wie er erreichbar ist, nutzt technische Geräte, wenn er sie braucht. Und er beschäftigt sich intensiv mit technischen Entwicklungen, um informiert zu sein und auf dieser Basis begründete Entscheidungen fällen zu können. „Kopf in den Sand, weil einem das alles zu viel wird, ist keine Lösung“, sagt er. So hat er sich von Google&Co. verabschiedet und sich für einen Browser entschieden, der ihm als User mehr Schutz bietet.

Internetgestützte Interventionstechniken werden auch künftig nicht zu seinem Therapieangebot gehören. Das hat nichts mit mehr oder weniger Technik-Affinität zu tun, sondern mit seiner Vorstellung von Psychotherapie. Letztere finde für ihn in der zwischenmenschlichen Begegnung statt, sagt er. Mit Sorge beobachtet Roland Raible die immer stärker werdende Dominanz der Verhaltenstherapie (VT) an den Universitäten, weil sie Forschung, Weiterentwicklung, Lehre und letztlich auch das Selbstverständnis künftiger Psychotherapeuten beeinflusst.

„VT begünstigt internetbasierte Interventionen, weil sie eine hohe Affinität zur Manualisierung hat und oft sehr störungsspezifisch gearbeitet wird“, so seine Einschätzung. „Gestalttherapie oder Psychoanalyse eignen sich dafür nicht.“ Doch Raible ist auch Realist: „In Baden-Württemberg läuft bereits ein Versuch mit Telemedizin. Früher oder später wird schon allein wegen der Gesundheitsversorgung in ländlichen Räumen die Beratung von Patienten über Skype kommen, auch für Psychotherapeuten, wird unsere Profession doch immer stärker in das medizinische Gesundheitssystem integriert.“

Freuen Sie sich auf eine interessante Diskussion mit ihm und vielen Kolleginnen und Kollegen, die sich den neuen Herausforderungen einerseits stellen, andererseits nicht kopflos einem Trend folgen wollen.

Bis dahin alles Gute
Ihr Vorstand der Landesgruppe Baden-Württemberg

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LG Baden-Württemberg

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