Noch 20 Tage bis zum Landestag der Psychologie

Risiken und Chancen, Verantwortung und Notwendigkeit von Digitalisierung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Digitalisierung – menschenzentriert, ethisch und sozial – geht das überhaupt? Und wenn ja, wer sind die, die sich darüber Gedanken machen, wie es gehen könnte? Eine von denen, die das tut, und zwar nicht im stillen Kämmerlein sondern an der Fachhochschule Bielefeld und in Kooperation mit dem Arbeiter-Samariter-Bund NRW e.V. (ASB NRW e.V.), ist Dr. Birte Schiffhauer.

Während die technologische Forschung für die Industrie 4.0. schon seit Jahren boomt, hinkt die zu Disruption und all ihren Aspekten einschließlich Digitalisierung in Organisationen des Sozialwesens hinterher. Birte Schiffhauer hat den Nachholbedarf früh erkannt. Dass es nicht bei der Erkenntnis blieb, sondern viel mehr daraus wurde, verdankt sie u.a. dem NRW-Landesprogramm „Karrierewege FH-Professur“, bei dem man teils an der FH arbeitet, teils in der Praxis. Ihre praktische Arbeit erledigt sie beim Arbeiter-Samariter-Bund NRW e.V.. Dieser hatte bereits 2015 ein Konzept zur Verbandsentwicklung erarbeitet und dabei die Digitalisierung als Querschnittsthema für die eigene Zukunft entdeckt. So fanden Wissenschaft und Praxis zusammen. „Entscheidend war für mich, dass der ASB mit mir in der Schwerpunktsetzung übereinstimmte; mir ging es nicht um innovative Technologien, sondern um ethische und soziale Aspekte bis hin zur Ablehnung einzelner Technologien, wenn sie sozial oder ethisch nicht vertretbar sind“, sagt Birte Schiffhauer. Dazu liegt jetzt ein in der Zeitschrift Archiv für die Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit veröffentlichter Beitrag von ihr vor, in dem es um

Risiken und Chancen, Verantwortung und Notwendigkeit von Digitalisierung

geht. Verantwortung meint in diesem Fall nicht nur die gegenüber Mitarbeitenden der eigenen Organisation (in diesem Fall dem ASB NRW e.V.), sondern auch gegenüber den Adressaten ihrer Arbeit. Psychologen und Psychologinnen sind aus Schiffhauers Sicht prädestiniert, sich mit den diversen auf uns zukommenden Mensch-Maschine-Interaktionen zu befassen. Das sagt eine, die selbst sehr interdisziplinär studiert hat – Sozialwissenschaften und Psychologie im Bachelor, dann Systems Biology of Brain and Behaviour, und die später als User Experience Researcher bei der VW-Tochter Carmeq auch mit InformatikerInnen zusammengearbeitet hat. Bedürfnisanforderungen zu evaluieren, bevor man innovative Technologien entwickelt – das erscheint ihr wichtig, und auch dafür brauche es Psychologinnen und Psychologen.

„Bei meiner wissenschaftlichen und praktischen Arbeit geht u.a. um gesundheitliche Auswirkungen von Digitalisierung, um beispielsweise emotionale Erschöpfung, Burnout, Konflikte zwischen Arbeit und Familie, Entgrenzung von Arbeit und Freizeit sowie Verdichtung von Arbeit und mehr unbezahlte Arbeit“, sagt die Wissenschaftlerin. Sie ist froh, dass die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eigenen Verlautbarungen zufolge in die gleiche Richtung denken: Digitale Technologien sollen den Menschen dienen statt die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben.

Birte Schiffhauer freut sich auf inspirierende Gespräche mit den Teilnehmenden des Landestages am 13. Juli 2019 in Stuttgart, und wir freuen uns auf eine interdisziplinär denkende und agierende Referentin.

Über weitere Programmpunkte werden Sie per E-Mail und natürlich auf unserer Webseite laufend informiert. Dort können Sie sich auch gleich anmelden.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Vorstand der Landesgruppe Baden-Württemberg 

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