Neue S3-Leitlinie Schizophrenie: Flexiblere Optionen für die Behandlung von Menschen mit Schizophrenie
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat zusammen mit anderen Fachgesellschaften und Organisationen die S3-Leitlinie Schizophrenie aktualisiert.
Die aktuelle Version ist das Ergebnis eines umfassenden Revisionsprozesses, der die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Erfahrungen von Betroffenen und Angehörigen. berücksichtigt und markiert einen wichtigen Schritt in der Versorgung: Sie erweitert die medikamentösen, psychotherapeutischen und psychosozialen Möglichkeiten und eröffnet damit neue Perspektiven für Betroffene.
Die neue Leitlinie umfasst 154 Empfehlungen zu Diagnostik und Behandlung. Vier Empfehlungen wurden neu hinzugefügt, 145 wurden nach Überprüfung aktualisiert. An der Arbeit haben sich 41 Fachgesellschaften, Verbänden sowie Angehörigen- und Betroffenen-Organisationen beteiligt. Der BDP wurde von Inge Neiser (Sektion Klinische Psychologie) und Dr. Johanna Thünker (Sektion VPP) vertreten.
Die aktualisierte Leitlinie empfiehlt für eine wirksame Behandlung einen ganzheitlichen Behandlungsansatz, wobei die Kombination von Antipsychotika, kognitiver Verhaltenstherapie, weiteren psychotherapeutischen Verfahren sowie psychosozialen Interventionen von zentraler Bedeutung ist.
Wesentliche Neuerungen der Leitlinie
- Individualisierte Pharmakotherapie
- Neue Psychotherapien
- Psychosoziale Interventionen
Individualisierte Pharmakotherapie
Mit den neuen Empfehlungen werden die Behandlungsmöglichkeiten für Patient*innen, die auf eine Einzelmedikation nicht ausreichend ansprechen, erweitert.
Neue Psychotherapien
Die Leitlinie stärkt den Stellenwert der Psychotherapie in der Behandlung der Schizophrenien. Neu aufgenommen wurden unter anderem traumafokussierte Verfahren, die Patient*innen mit komorbider Posttraumatischer Belastungsstörung wirksam unterstützen können, sowie moderne Verfahren der achtsamkeitsbasierten Psychotherapie. Zudem wurden erstmalig digitale Ansätze wie die Avatar-T Therapie zur Behandlung von auditiven Halluzinationen in die Empfehlungen aufgenommen, auch wenn die Evidenz hier noch begrenzt ist.
Psychosoziale Interventionen
Neben Psychotherapie und Pharmakotherapie betont die Leitlinie auch die Wichtigkeit psychosozialer Interventionen. Dazu zählen unter anderem Bewegungstherapien und die konsequente Einbindung der Angehörigen.
Die besondere Problematik des gleichzeitigen Drogen- oder Alkoholkonsums wird in der Leitlinie nicht mehr im Detail behandelt. Hierzu wird derzeit eine separate S3-Leitlinie erarbeitet, die der DGPPN zufolge voraussichtlich Ende des Jahres erscheint.
Schizophrenien gehören zu den besonders schweren psychischen Erkrankungen. Etwa ein Prozent der Bevölkerung erkrankt im Laufe des Lebens daran. Die Erkrankung geht mit erheblichem persönlichem Leid und einem hohen Risiko für soziale und berufliche Beeinträchtigungen einher; Menschen mit einer Schizophrenie sterben durchschnittlich 15–20 Jahre früher als die Allgemeinbevölkerung. Ohne eine Behandlung steigt das Risiko, dass Betroffene sich selbst gefährden und auch die Wahrscheinlichkeit für Gewalttaten ist erhöht – insbesondere, wenn zusätzlich Substanzen wie Alkohol oder Drogen konsumiert werden.
Daher sind eine frühzeitige Erkennung und eine konsequente leitliniengerechte Behandlung von Menschen mit Schizophrenie wichtig, damit Komplikationen und das Leid für die Betroffenen selbst und für andere minimiert werden können.
Links und Downloads
• S3-Leitlinie Schizophrenie– Living Guideline Leitlinien-Details - die Leitlinie auf MAGICApp 15.10.25
• S3-Leitlinie Schizophrenie AWMF-Reg.-Nr. 038 - 0095 die Leitlinie Schizophrenie auf der Website der AWMF | 15.10.25
Inge Neiser
Dr. Johanna Thünker
