Mehr Transparenz statt psychologischer Tricks

Psychologen diskutieren über das Spannungsfeld zwischen Manipulation und Selbstbestimmung

Am 11. Juli 2015 findet in Stuttgart der diesjährige Landestag der Psychologie statt. Veranstalter sind die Landesgruppe Baden-Württemberg des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) und der Landesfachverband des Verbandes der Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im BDP. In einer Presseerklärung der Vorstände heißt es dazu:

Ein selbstbestimmtes Leben zu fördern ist ein wichtiges Anliegen von Psychologinnen und Psychologen. Unserem Berufsstand wird auf diesem Gebiet eine besondere Expertise zugeschrieben. Deshalb und aus Gründen der Aktualität haben wir das Thema „Zwischen Manipulation und Selbstbestimmung“  für den Landestag in diesem Jahr gewählt.

70 Prozent der Deutschen zweifeln laut einer Studie von infratest dimap unter tausend repräsentativ Befragten bereits an der Wahrhaftigkeit politischer Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen. Viele weichen im Glauben an eine selbstbestimmte Informationsauswahl auf Informationen von Personen und Quellen im Internet aus, denen sie mehr vertrauen. Eine Prüfung der Fakten findet in diesem Raum jedoch nicht statt; seriöse Recherchen und üble Propaganda verbreiten sich mit dem gleichen Anspruch auf Wahrheit im gleichen Tempo.

Manipulation und Verlust von Selbstbestimmung gibt es aber nicht nur im Bereich der Information. Wir werden uns beim Landestag, unterstützt von Experten aus Wissenschaft und Praxis, aktuellen Entwicklungen stellen und manipulative Techniken bis hin zur Selbstmanipulation auch in Politik und Wirtschaft sowie auf weiteren Gebieten aufdecken.  Dazu gehört der kritische Blick auf die Gefahr der Manipulation in der eigenen Arbeit. Es ist uns ein Anliegen auf den schmalen Grad hinzuweisen, der häufig zwischen einer Beratung  aus professioneller Distanz und manipulativer Beeinflussung liegt – sei es beim Coaching oder im Gespräch mit einem Schwerkranken über seinen Wunsch nach Sterbehilfe.

Wir beleuchten die Herangehensweise sowie die psychologischen Methoden und Verfahren bei durchaus selbstbestimmter Leistungssteigerung im Leistungssport und in Führungsetagen von Unternehmen und Institutionen im Unterschied zu grenzwertigen Methoden bei der Performance-Optimierung. Kritisch widmen wir uns auch dem Mythos von der seit Jahrzehnten wachsenden Freiheit und Selbstbestimmung von Frauen durch medizinischen Fortschritt - von der Pille bis zum Social Freezing.

Auch selbstbestimmtes Sterben wird ein Thema beim Landestag sein. Den Bundestag, der in diesen Wochen über Gesetzentwürfe zur Sterbehilfe entscheiden soll, rufen wir dazu auf, einen Entwurf zu beschließen, in dem das Selbstbestimmungsrecht dem deutschen Grundgesetz gemäß leitend ist und nicht die Ethiken einzelner Berufsgruppen und Religionen.

Und nicht zuletzt beschäftigen wir uns mit den Versuchungen, der die Politik beim Nudging erliegen mag. Thematisiert wird die Frage, welches  Menschenbild dieser Methode des „Anstupsens“ von Bürgern im vermeintlich eigenen und gesellschaftlichen Interesse zugrunde liegt und ob es tolerierbar ist, wenn Politik ihre Ziele mit den gleichen Mitteln zu erreichen versucht, mit denen das Kaufverhalten von Kunden subtil gesteuert wird. Bildung, Aufklärung und Transparenz sind aus unserer Sicht weitaus geeigneter und nachhaltiger in ihrer Wirkung.

Die Veranstaltung im SpOrt Stuttgart ist öffentlich. a

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LG Baden-Württemberg

Wir unterstützen alle Psychologinnen und Psychologen in ihrer Berufsausübung und bei der Festigung ihrer professionellen Identität. Dies erreichen wir unter anderem durch Orientierung beim Aufbau der beruflichen Existenz sowie durch die kontinuierliche Bereitstellung aktueller Informationen aus Wissenschaft und Praxis für den Berufsalltag.

Wir erschließen und sichern Berufsfelder und sorgen dafür, dass Erkenntnisse der Psychologie kompetent und verantwortungsvoll umgesetzt werden. Darüber hinaus stärken wir das Ansehen aller Psychologinnen und Psychologen in der Öffentlichkeit und vertreten eigene berufspolitische Positionen in der Gesellschaft.

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen