Insight Into: Krisenchat

Am 15.07.2026 war Juliane Pougin zu Gast bei unserem neuesten Insight. Juliane ist Juristin und Psychologin und verantwortet bei Krisenchat Deutschland die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der psychosozialen Beratung sowie innovative digitale Ansätze in der Krisenintervention.

Zum Einstieg erzählte Juliane uns, vor welchem Hintergrund das Angebot Krisenchat überhaupt entstanden ist. Etwa 18% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden an einer psychischen Erkrankung, gleichzeitig herrscht oft Unwissen über eigene Rechte und verfügbare Hilfsangebote, die zudem selten zielgruppengerecht sind. Junge Menschen nutzen heute beispielsweise das Internet statt des Telefons, um Hilfe zu suchen. Genau hier setzt die Vision von Krisenchat an: Es soll allen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Not helfen und ihnen ein offenes Ohr bieten.

Anschließend ging Juliane ausführlich auf die konkrete Arbeitsweise von Krisenchat ein. Das Angebot richtet sich an unter 25-Jährige bundesweit und bietet über WhatsApp und einen eigenen Webchat einen sicheren, niedrigschwelligen Raum für Sorgen und Gefühle. Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe durch die Vermittlung passender Anlaufstellen, nicht der Ersatz persönlicher Begegnungen. Die Beratung ist professionell, kostenlos, rund um die Uhr verfügbar und vertraulich, da Handynummern pseudonymisiert und Daten anonymisiert ausgewertet werden. Seit dem Launch 2020 wurden knapp 220.000 Beratungen durchgeführt, aktuell über 3.700 pro Monat, bei einer durchschnittlichen Dauer von rund 60 Minuten. Mehr als 400 Berater*innen sind aktiv, davon etwa 350 ehrenamtlich, und doch reicht die Kapazität bei Weitem nicht aus: Samstagabends können etwa nur rund 45% der Anfragen direkt beantwortet werden.

Einen weiteren Schwerpunkt legte Juliane auf die inhaltlichen Aspekte der Beratungsarbeit. Zu den häufigsten Themen bei Krisenchat zählen Informationen zum psychosozialen System, Suizidalität, Stress/Überforderung, selbstverletzendes Verhalten und depressive Symptomatik. Für sensible Fälle stehen eigene Fachteams für Kindeswohl, Suizid/Selbstverletzung und Gewalt bereit, ergänzt durch ein umfassendes Kinderschutzkonzept und eine detaillierte Einarbeitung.

Zum Abschluss wurden auch die Herausforderungen digitaler Beratung thematisiert. So gibt es beispielsweise eine Diskrepanz zwischen Bedarf und Kapazitäten und in der aktuellen politischen Situation führt die rückläufige Förderung dazu, dass Verträge nicht verlängert und Anträge abgelehnt werden.

Wir danken Juliane Pougin herzlich für die spannenden Einblicke in die Arbeit von Krisenchat sowie allen Teilnehmenden für ihr Interesse und ihre Zeit!

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