Der Landestag der Psychologie 2012

Permanent standby - über Nutzen und Nachteile neuer Arbeitsformen - ein Rückblick

Am sonnigen Morgen des 7. Juli begrüßte die Landesgruppen-Vorsitzende Ute Steglich die Anwesenden zum ersten Landestag der Psychologie in Baden-Württemberg – hatte doch der Landesgruppen-Vorstand sich entschieden, den bisherigen Landespsychologentag mit einem neuen Namen zu versehen. Dennoch gab es viel Bewährtes unter der Überschrift „Permanent standby – über Nutzen und Nachteile neuer Arbeitsformen“: Es war bereits die 12. Veranstaltung dieser Art in Baden-Württemberg, die zudem an dem schon mehrfach gewählten Ort des Haus des Sports „SpOrt“ im Stuttgarter Neckarpark stattfand und wie auch in der Vergangenheit nach einem Einführungsvortrag insgesamt neun Workshops im Angebot hatte.

Dabei wollte der Landesgruppenvorstand nicht nur die Chancen und Risiken beleuchtet sehen, die sich aus der neuen Arbeitswelt und dem daraus resultierenden ständigen „Bereitschaftsmodus“ ergeben. Es ging dem Organisationsteam darüber hinaus auch darum, welche Möglichkeiten für das Handeln von Psychologinnen und Psychologen entstehen. 80 Anmeldungen resultierten aus den Einladungen und der Öffentlichkeitsarbeit der vorangegangenen Wochen.

Die Einführung in den Tag erfolgte mit Prof. Nicola Marsden von der Hochschule Heilbronn. In ihrem Vortrag „Nicht mit dir und nicht ohne dich – gemeinsam online“ wurde erörtert, welche Aspekte für das Gelingen von Online-Kommunikation förderlich sind.

Die Referentinnen und Referenten der nachfolgenden Workshops zeigten wieder einmal die große Bandbreite psychologischer Perspektiven auf neue Arbeitsformen auf. Dr. Klaus Wölfling, psychologischer Leiter der Ambulanz für Spielsucht (Universitätsmedizin Mainz) beleuchtete in seinem Workshop die Computer- und Internetsucht, stellte das Störungsbild und anhand von Therapiemitschnitten den psychotherapeutischen Behandlungsansatz vor.

Einer anderen Sucht widmete sich Dr. Stefan Poppelreuter aus Bornheim mit seinem Workshop „Von Süchtigen und Tüchtigen – Arbeitssucht und ihre Folgen“. Er präsentierte den Anwesenden wissenschaftliche Erkenntnisse und Ergebnisse zum Phänomen der Arbeitssucht und stellte individuelle und organisatorische Maßnahmen zu Prävention und Intervention vor.

Die Gesundheitspsychologin Julia Scharnhorst stellte die Resilienz von Organisationen ins Zentrum ihres Workshops. Wie es kommt, dass einige Unternehmen Krisen frühzeitig erkennen und sogar gestärkt aus diesen hervorgehen, andere hingegen vom Markt verschwinden, war Thema in ihrem ersten Workshop.

In ihrem zweiten Workshop „Immer nur Lächeln? Stressfaktor Emotionsarbeit“ erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Interventionsmöglichkeiten, um die Belastung durch Emotionsarbeit möglichst gering zu halten.

Dr. Stephanie Bauer von der Forschungsstelle für Psychotherapie am Universitätsklinikum Heidelberg diskutierte mit den Anwesenden die Chancen und Grenzen von sogenannten E-Mental Health Interventionen, also Interventionen, die über Internet, Handy oder PC vermittelt werden.

Anja Baethge und Dr. Thomas Rigotti forschen an der Universität Leipzig zu Arbeitsunterbrechungen. Ihr Workshop „Der fragmentierte Arbeitstag – Wie Unterbrechungen wirken und was Sie dagegen tun können“ informierte über Forschungsbefunde zu Konsequenzen von Arbeitsunterbrechungen und bot den Anwesenden die Möglichkeit, Wege zur Reduktion und zum optimierten Umgang mit Unterbrechungen zu erarbeiten.

Der zweite Workshop „Die Spannung steigt! Zwischen Flexibilitätsanforderungen und  bedürfnissen“ drehte sich um Flexibilitätsanforderungen an Beschäftigte (z. B. in Form von Erwartungen an ständige Erreichbarkeit, Mobilität und lebenslanges Lernen) und Ideen zum Umgang mit diesen Anforderungen auf betrieblicher und individueller Ebene.

Roland Raible, Psychotherapeut aus Wangen, lud unter dem Titel „Psychotherapie als System-Reset? Oder. Welche Hilfe brauchen Menschen, die in der Arbeitswelt krank werden?“ zur Diskussion ein. Wie können Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten einerseits das individuelle Leiden beachten, andererseits das soziale Problemfeld nicht aus den Augen verlieren? Welche ethische Position nehmen sie dabei ein?

Der Sportpsychologe Prof. Dr. Ralf Brand von der Universität Potsdam zeigte aus einer weiteren Perspektive mögliche Präventionsmaßnahmen für Beschäftigte auf: In seinem Workshop „Wenn immer nur das Siegen zählt: Psychologie im Handlungsfeld Leistungssport“ berichtete er über die sportpsychologische Arbeit mit Leistungssportlern.

Zusätzlich zu den Workshops gab es für die Tagungsteilnehmerinnen und –teilnehmer weitere Informationsangebote: die Informationstische des BDP und der DPA, die Büchertische des Deutschen Psychologen Verlags und der Landesgruppe mit Literaturempfehlungen der Referentinnen und Referenten sowie der Infotisch der Wirtschaftsdienst GmbH boten reichlich Gelegenheit zum Stöbern und Unterhalten. Ebenfalls mit einem Stand vor Ort präsentierte sich die AG Betriebliches Lernen vom Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen der Universität Ulm.

Zusätzlich hatte der Landesgruppenvorstand zwei Premieren auf dem Programm: In der Mittagspause lud er mit „Willkommen im BDP“ neue und interessierte Mitglieder ein, den BDP und sein Leistungsangebot im persönlichen Gespräch mit Birgit Weinmann und Thordis Bethlehem näher kennen zu lernen. Ein anderes Treffen zum Austausch unter den Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung (PPiA) wurde gemeinsam mit der PiA-Vertreterin Kerstin Lutz initiiert.

Die Evaluation ergab eine große Zufriedenheit mit dem Tagungsort, der Organisation sowie der Wahl von Themen und Referentinnen und Referenten (Gesamtnote 1,79 auf der Schulnotenskala), die Themenvorschläge werden schon jetzt für den nächsten Landestag der Psychologie gesichtet. Die Tagung endete um 16:15 Uhr, BDP-Mitglieder waren im Anschluss zur Mitgliederversammlung geladen.

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LG Baden-Württemberg

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