BDP erschüttert über Tat in Stade

Pressemitteilung

Der Verband sieht hier ein strukturelles Problem und spricht sich für eine von der Politik gesteuerte gesamtgesellschaftliche Strategie für mehr Vertrauen und Respekt in Einrichtungen öffentlicher Versorgungsstrukturen aus.

Berlin, 02.07.2026: Die mutmaßlich mit einem Sorgerechtsstreit in Zusammenhang stehende Tat am 29. Juni 2026, bei der ein 45-jähriger Mann in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade mit einer Schusswaffe acht Mitarbeitende der Mutter-Kind-Einrichtung tödlich verletzt hat, sorgt bundesweit für Entsetzen. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) verurteilt die Tat von Stade, unser Mitgefühl gilt den Opfern und Angehörigen. 

„Bei den Opfern handelt es sich um Mitarbeitende einer Jugendhilfeeinrichtung, deren vorrangige Aufgabe die niedrigschwellige und unmittelbare Unterstützung von Familien in Not ist. Als Verband empfinden wir es als besonders erschütternd, dass hier Menschen zur Zielscheibe werden, die sich jeden Tag unter teilweise schweren Bedingungen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen einsetzen und sich um deren Wohl kümmern“, betont BDP-Präsidentin Thordis Bethlehem.  

Im Zusammenhang mit Gewalttaten der vergangenen Jahre auf Mitarbeitende von Rettungsdiensten, Feuerwehr, Altenheimen und ähnlichen Einrichtungen beobachtet der BDP eine zunehmende Gewaltbereitschaft gerade auch gegenüber Repräsentanten sozialer und öffentlicher Dienstleistungen und sieht mit Sorge den damit einhergehenden schleichenden Prozess einer zunehmenden Respektlosigkeit und aggressionsbereiten Haltung gegenüber Mitarbeitenden von Einrichtungen staatlicher Versorgungsstrukturen. Strafrechtliche Einzelmaßnahmen sind dabei nur ein erster Schritt zur Eindämmung dieser Entwicklungen. 

Auch Sicht des Verbandes sind Politik und Zivilgesellschaft gefragt. Was es braucht, ist ein gesellschaftlicher Diskurs und eine Strategie für mehr Vertrauen und Respekt allgemein sowie gegenüber Personen der öffentlichen Versorgung. Alle Bürger, aber vor allem auch sie, haben Anspruch auf Respekt und ein Leben in Sicherheit. 

Um eine Verunsicherung in der Bevölkerung zu vermeiden und die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden, ruft der BDP zur Besonnenheit auf. Die Verbreitung von Falschnachrichten kann Betroffene aus dem direkten Umfeld der Tat und der entsprechenden Einrichtung gefährden sowie die gesellschaftliche Meinungsbildung negativ beeinflussen. Mutmaßungen zu den Hintergründen der Tat sowie damit einhergehende mögliche Bewertungen und Stigmatisierungen von Bevölkerungsgruppen sind in diesem Zusammenhang nicht hilfreich.

Der Verband macht darauf aufmerksam, dass solche Gewalterlebnisse für Betroffene und deren Umfeld einschließlich Zeugen zu schwerwiegenden psychischen Folgen wie Trauma- und Belastungsfolgestörungen mit Depressionen oder Angststörungen führen können. Mit Blick auf mögliche Spätfolgen sind eine psychosoziale Akuthilfe im direkten Anschluss sowie weiterführende Notfallhilfe besonders wichtig. 

Sie stellen ein niedrigschwelliges Angebot im Umgang mit Emotionen wie Trauer und Angst dar und können Angehörige und weitere Betroffene bei der Bewältigung solcher Erlebnisse unterstützen. Gerade auch im Hinblick auf die Situation für die verbleibenden Mitarbeitenden und Unterstützungssuchenden der betroffenen Jugendhilfeeinrichtung ist die professionelle psychosoziale Versorgung von besonderer Bedeutung.  

Ihre Ansprechpartnerin:
Bettina Genée
Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Psychologie in Krisen
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