Workshop "Psychologen fördern ehrenamtliches Engagement" - Sektionsbeitrag zum BDP-Kongress, 02.11.2001

Die Sektion GUS veranstaltete zum UNO-"Jahr der Freiwilligen", um mit PsychologInnen die gesellschaftlichen Perspektiven zur Förderung des ehrenamtliches Engagements sowie professionelle Tätigkeitsmöglichkeiten zu erörtern.

Dr. Rudolf Günther referierte Forschungsergebnisse zur ausgeprägten Bereitschaft von Bürgern zum freiwilligen Engagement: 34% sind ehrenamtlich aktiv, weitere 20% wären dazu bereit, wenn sie die Möglichkeiten sähen; er erläuterte ihr Motivstreben zu guter sozialer Einbindung, sozialer Anerkennung, persönlichem Wachstum, Abenteuerfreude und Bereitschaft zu ethischer Selbstverpflichtung.

Aus der Umfrage der Sektion GUS unter PsychologInnen zu ihren Aktivitäten im und fürs Ehrenamt berichtete Rudolf Günther: PsychologInnen betätigen sich – neben ihrem berufspolitischen Engagement – vor allem als aktive Eltern im Schulbereich, z.B. in Elternbeiräten, und im sozialen Bereich und nutzen ansonsten sehr viele verschiedene Möglichkeiten zu ehrenamtlichen Aktivitäten; dabei setzen aber nur 25% der Befragten gezielt professionelles Wissen in ihren Ehrenamtsaktivitäten ein. Auch unter PsychologInnen gibt es „Multifunktionärs“-Persönlichkeiten, die sich in mehreren Bereichen ehrenamtlich engagieren. Bei den Interviews unter PsychologInnen wurde deutlich: Ehrenamtliches Engagement wird  durch Modelllernen in der Familie, durch den frühen Beginn ehrenamtlicher Aktivitäten in Kindheit und Jugendzeit, durch eine humanistische Ethik, seltener auch durch die Bewältigung kritischer Lebensereignisse gefördert. Ihre fachlichen Kompetenzen setzen PsychologInnen vor allem in folgenden Bereichen einsetzen: in der individuellen Betreuung von Ehrenamtlern (z.B. Supervision), in der Fortbildung und in der Beratung von Organisationen, die mit ehrenamtlichen HelferInnen arbeiten.

Gerlinde Dingerkus erläuterte aus ihrer professionellen psychologische Arbeit in einer vom Land NRW finanzierten Ansprechstelle für Hospizarbeit Aspekte der fachlichen Betreuung von ehrenamtlichen HospizhelferInnen, vor allem selbsterfahrungsbezogene Fortbildungsseminare zur Förderung geeigneter Helfer-Haltungen, Supervisionen für Ehrenamtliche sowie für die Organisationen im Feld der Hospizarbeit.

Hartwig Wennemar schilderte lebhaft seinen persönlichen Werdegang zu vielfältigen ehrenamtlichen Aktivitäten und stellte dabei eindrücklich seine persönliche Balance zwischen selbstbezogener Zufriedenheit und altruistisch-ethischer Verpflichtung zu zuverlässigem und professionell gesteuertem Einsatz dar. Er berichtete über seine psychologische Betreuung von Laienhelfern im psychiatrischen Bereich sowie über die wichtige Aufgabe dabei, zwischen ‚Profis’ und ‚Ehrenamtlern’ zu vermitteln.

Dr. Uwe Fischer referierte aus einem europäischen Forschungsprojekt zur gemeindenahen Suchtprävention über Motivationen und psychologische Aspekte der Motivationsförderung im ehrenamtlichen Bereich. ‚Ehrenamtler’ fühlen sich demnach vor allem dann motiviert und unterstützt, wenn sie bei den von ihnen betreuten Menschen ‚gut ankommen’, dadurch persönliche Erfolge wahrnehmen, sowie fachliche und emotionale Unterstützung erleben. Er strich folgende professionellen Aufgaben und Kompetenzen von PsychologInnen in dem Tätigkeitsfeld heraus:

  • Aufgaben in Organisationen: Gruppen ehrenamtlicher HelferInnen aufbauen und betreuen, Organisationsberatungen, Evaluationsmaßnahmen;
  • Fortbildungen mit Inhalten und Methoden planen und durchführen;
  • Betreuung / Supervision von ehrenamtlichen HelferInnen;
  • Forschungen durchf�hren.

Im abschließenden Plenumsgespräch, von Maximilian Rieländer moderiert, wurden einige Aspekte weiter diskutiert. Als ‚Orte’ für Tätigkeiten von PsychologInnen wurden benannt:

  • die BDP-Senioren-Akademie mit ihren Angeboten für EinsteigerInnen in den Psychologenberuf,
  • Aufbau und Arbeit in Freiwilligen-Agenturen für Vermittlungs- und Unterstützungsaufgaben,
  • Stiftungen, u.a. zur Durchführung von Ehrenamts-Projekten.
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