PM: Neue Managementtechniken können die Gesundheit von Mitarbeitern schädigen

Psychologen sehen Gefahren für die psychische Gesundheit von Arbeitnehmern

Anlässlich des Tages der Seelischen Gesundheit (10. Oktober) warnt der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) vor der unkritischen Anwendung produktivitätssteigernder Management-Konzepte, die die psychische Belastung von Mitarbeitern erhöhen und krank machen können. „Uns ist bewusst, dass alle Management-Konzepte der Gewinnmaximierung dienen sollen und nicht entwickelt wurden, um Menschen gesünder oder glücklicher zu machen“, erklärt Julia Scharnhorst, Expertin für Gesundheitspsychologie im BDP. So hilfreich manche Management-Konzepte in diesem Sinn auch sein mögen, so hätten sie für Mitarbeiter und mittelfristig auch für das Unternehmen eine Kehrseite. Dies sei vor dem Hintergrund aktueller Zahlen der Krankenkassen zur Zunahme psychischer Erkrankungen und erhöhter Fehlzeiten wegen psychischer Beschwerden sehr ernst zu nehmen.

Als Beispiel nennt Scharnhorst die Orientierung auf kontinuierliche Leistungssteigerung, ablesbar an Quartals- oder Jahresergebnissen. Menschen ließen sich aber nicht grenzenlos produktiver machen. Außerdem führe permanenter Zeit- und Erfolgsdruck dazu, dass Erholungspausen oder Fortbildungen eher als lästige Übel erscheinen, die den nächsten guten Quartalszahlen nur im Wege stehen. Die reine Orientierung an schnellen Ergebnissen und Produktivitätssteigerungen führe oft zu quantitativer Überforderung und auch zu einem Stillstand bei der Weiterentwicklung der Qualifikation. Zudem bleibe die betriebliche Gesundheitsförderung auf der Strecke, weil diese sich erst mittel- bis langfristig auswirkt.

Belastend sein kann aus Sicht der Gesundheitspsychologen auch das Führen mit Zielen, wenn sich Mitarbeiter und Chef dabei nicht auf Augenhöhe unterhalten, die Führungskraft die Ziele vorgibt und der Mitarbeiter sich nicht zu widersprechen traut. Das Gleiche gelte – so Julia Scharnhorst – für Pseudopartizipation, bei der die Mitarbeiter in Besprechungen mitdiskutieren dürfen, am Ende aber doch das gemacht wird, was der Chef von vornherein geplant hatte. Dies untergrabe auf Dauer die Motivation und den Spaß an der Arbeit und kann zu Krankheiten führen.

Kein Managementkonzept, betont Julia Scharnhorst, könne an sich als gesundheitsschädlich eingestuft werden, weder Arbeitszeitplanung im Schichtbetrieb ohne Einbeziehung der Beschäftigten, noch häufiges Wechseln der Führungskräfte in Abteilungen oder andere im Interesse wachsender Produktivität getroffene Maßnahmen. Schädlich würden sie erst bei schlechter Umsetzung. So sei es durchaus positiv zu bewerten, wenn die Führungskraft durch „Management by walking around“ engen Kontakt zu ihren Mitarbeitern schafft und ihnen bei Problemen hilfreich zur Seite steht. Wird daraus aber durch das Auftauchen des Chefs zu völlig überraschenden Zeitpunkten ein Gefühl von Überwachung und permanenter Kontrolle, so sei das für Mitarbeiter sehr belastend.

Abschließend geht die BDP-Gesundheitsexpertin auf das derzeit sehr beliebte Outsourcing ein. Aus Management-Sicht mache dies Sinn, weil es die Personalkosten senkt. „Für die Mitarbeiter geht aber die Bindung an das Unternehmen verloren, die Loyalität sinkt.“ Die Kränkung, vom Mutterunternehmen „abgestoßen“ zu werden und auch noch weniger zu verdienen, könne ebenfalls stark psychisch belasten.

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