PM: Ein wichtiger, aber nur ein erster Schritt

BDP begrüßt Entscheidung für mehr Schulpsychologen in NRW

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) begrüßt die Entscheidung des Landes Nordrhein-Westfalen, im kommenden Jahr 25 weitere Stellen für Schulpsychologen zu schaffen. Der Ausbau der schulpsychologischen Versorgung wird damit in NRW systematisch fortgesetzt. Seit 2007 ist die Stellenzahl um 110 aufgestockt worden. Diese Entwicklung ermöglichte unter anderem die Fortbildung auf dem Gebiet der Krisenintervention und den Einsatz von 19 Schulpsychologinnen und -psychologen aus dem Netzwerk Krisenintervention NRW nach dem Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden.

"Leider kann man auch nach der Entscheidung in NRW bundesweit noch nicht von einem Trend sprechen", beklagt BDP-Präsidentin Carola Brücher-Albers. Jedes Bundesland setze bei ähnlich komplizierter Haushaltslage andere Prioritäten, und an vielen Stellen werde noch immer nicht erkannt, dass eine Investition in die Schulpsychologie zur Lösung vieler Probleme an Schulen beitragen, persönliches Leid mindern und letzten Endes sogar Geld sparen kann.

Niedersachsen steht an letzter Stelle der 16 Bundesländer, was die Relation zwischen Schülern und Schulpsychologen bzw. Lehrern und Schulpsychologen betrifft. Aber auch aus Bayern kamen dieser Tage alarmierende Nachrichten. Für 40.838 Auszubildende an Münchens berufsbildenden Schulen steht dort nur ein Psychologe zur Verfügung.
Der BDP forderte die Stadt auf, mindestens zehn Vollzeitstellen für Diplom-Psychologen einzurichten, um in Krisenfällen angemessen reagieren zu können. Dass die Situation bei den bayrischen Realschulen weit besser ist, könne über diesen Missstand nicht hinwegtäuschen, so Brücher-Albers.

Es sei nicht nachzuvollziehen, weshalb gerade für Jugendliche in der Ausbildung, also im Stadium der Identitätsentwicklung, keine Notwendigkeit für psychologische Unterstützung bei psychischen Problemen gesehen werde, hatte der BDP in einem Schreiben an die Stadt betont.

Im Superwahljahr 2009 ruft der Verband dazu auf, künftige Abgeordnete auch daran zu messen, wie sie zu den seit Jahren bestehenden Forderungen der Kultusministerkonferenz stehen, wonach 2010 ein Schulpsychologe maximal für 5000 Schüler zuständig sein soll. "Bis dahin sind es nur noch wenige Monate, und nichts deutet darauf hin, dass dieses nicht einmal besonders hohe Ziel - verglichen mit anderen europäischen Ländern - erreicht wird", erklärt Brücher-Albers. So erfreulich die Nachricht aus NRW sei, so wenig tröste sie darüber hinweg, dass anderswo noch immer Stellen abgebaut oder nicht wieder besetzt werden oder dass geglaubt wird, man könnte Psychologen durch Beratungslehrer oder Sozialarbeiter ersetzen statt die unterschiedlichen Kompetenzen beider Berufsgruppen gezielt zu nutzen. NRW gehe mit gutem Beispiel voran. "Zwar macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, aber dennoch ermutigen uns solche politischen Entscheidungen in unserem Bestreben, endlich Anschluss an die skandinavischen Staaten zu gewinnen und mittelfristig (bis 2015) eine Relation von 1:1000 zu fordern."

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