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Tagung der Schweizerischen Graphologischen Gesellschaft am 06.11.2015

   06.11.2015

Tagung der Schweizerischen Graphologischen Gesellschaft (SGG) "Die Schrift und das Schreiben" am 06.11.2015 in Zürich, Jubiläumstagung zum 65-jährigen Bestehen, mit Referat von Renate Joos über "Schülerschrift und Lebensentscheidung"

Informationen zur Tagung mit den Abstracts der Tagungsbeiträgen im Bulletin SGG Nr. 108 der SGG

Renate Joos: "Schülerschrift und Lebensentscheidung"  - Abstract zum Tagungsbeitrag 

Scribo, ergo sum: Statt „Ich schreibe, also bin ich“ übersetzen wir: „Wie ich schreibe, so bin ich!“ In einer Zeit, in der von Eltern Diagnosen gestellt und auf Elternwunsch jede Menge Therapien von Ärzten verschrieben werden, eine kind- und situationsgerechte Pädagogik jedoch kaum noch gefragt ist, kann die zutreffende Beurteilung von Schülerschriften lebensentscheidend sein.

Fast die Hälfte aller Jungen und beinahe ein Drittel aller Mädchen bekommt in Deutschland zwischen dem ersten Lebenstag und dem 15. Lebensjahr eine Therapie. In den Jahren zwischen 2003 und 2014 hat sich die Zahl der Fünf- bis Zehnjährigen, denen irgendwann eine Therapie verschrieben wurde, handgreiflich erhöht: bei den Jungen um 40%, bei den Mädchen um 46%.

Keine Frage: Entwicklungsprobleme können die gesamte spätere Entwicklung eines Kindes bestimmen und seinen Lebensweg massiv beeinträchtigen. Aber haben wirklich so viele Kinder so ernsthafte Probleme? Ist Kindheit Störung oder Krankheit? Der Mediziner Dr. Michael Hauch hat seinem 2015 erschienenen Buch den Titel gegeben: „Kindheit ist keine Krankheit. Wie wir unsere Kinder mit Tests und Therapien zu Patienten machen.“

Eine individuelle Beurteilung, wie sie die Handschriftdiagnostik leisten kann, gibt wertvolle Einblicke in den Entwicklungsstand und die Eigenart eines Kindes. Die Handschrift eines Kindes oder Jugendlichen gibt Hinweise auf Stärken und Schwächen, auf Ressourcen und Bedürfnisse. Auch darauf, wie ein nicht immer normgerechtes Verhalten eingeordnet werden kann. Häufig ließe sich verhindern, dass Eltern verunsichert und Jugendliche in ihrer Anlage missverstanden und mit unnötigen Therapien belastet werden. Anhand von Schriftbeispielen soll gezeigt werden, dass sich ein auffälliges Kind trotz aller Befürchtungen normal entwickelt, wenn es verstanden wird und seine Eltern in ihren Sorgen entlastet werden.