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Aufruf: Erzählungen positiver Erfahrungen

Der Arbeitskreis (AK) befasst sich seit Jahren mit den psychologischen Aspekten von Inklusion, Integration und Vielfalt (Diversität). In seinem Positionspapier hat er beschrieben, welche Beiträge seitens der Berufsgruppe hierfür leistbar sind.

Unter Berücksichtigung des kontinuierlichen Wandels und aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen tagte der Arbeitskreis am 13. Februar 2021, um sein Selbstverständnis weiter zu entwickeln und konzeptionelle Aufgaben sowie Jahresthemen festzulegen.

Risiken für Stigmatisierung, Diskriminierung oder Beeinträchtigung ob aufgrund der Herkunft oder individueller Entwicklungsvoraussetzungen werden auch als Chancen gemeinsamen Lernens verstanden. Neben der Herausforderung, allen Menschen eine uneingeschränkte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen, sollen Geschichten der Überwindung von Hürden und Schwierigkeiten Beispiele geben für eine andere Sicht auf Normalität und eine Quelle der Inspiration zur Erweiterung des eigenen Horizonts darstellen.

Von Integration und Schätzen der Vielfalt soll erzählt werden!

Der AK wird an dieser und weiteren öffentlichkeitswirksamen Stellen Erzählungen positiver Erfahrungen platzieren. Er wird sich im Hinblick auf das 75-jährige Bestehen des Verbands in diesem Jahr auch kritisch mit der eigenen Geschichte und Gegenwart befassen. In regelmäßigen Abständen werden Sie auf die Facetten von Heterogenität und Inklusion aufmerksam gemacht.

Stellen Sie sich eine Organisation vor. Eine Gruppe von Menschen, die ein gemeinsames Ziel verfolgt. Jede Person bringt ihre eigene Stärke ein. Und wo diese begrenzt ist, wird sie von der Erfahrung einer anderen Person kompensiert. Dieses Team vertraut einander.

Fühlen Sie sich inspiriert! Teilen Sie Ihre Geschichte mit uns (inklusion@bdp-verband.de)! Erfahren Sie selbst, wie wirksam Dazugehören ist! Lassen Sie uns gemeinsam eine gelingende Zukunft gestalten!

 

Aufschlag

Da flieht diese junge kurdische Familie im Jahr 2015 aus dem Irak. Auf dem Weg nach Deutschland übersteht sie einen Autounfall und auch die gefährliche Bootsfahrt über das Mittelmeer.

Die Eltern absolvieren für ein halbes Jahr einen Deutschkurs. Der Vater findet Arbeit. Die Mutter bleibt Zuhause. Ihr Aufenthalt vor Ort wird anerkannt. Alle sind sozial- und krankenversichert.

Die Kinder, damals ein und zwei Jahre alt, wachsen hier auf. Sie besuchen den Kindergarten, lernen Deutsch und schließen Freundschaften.

Inzwischen ist die elterliche Beziehung nach einigem „ON“ und „OFF“ wohl endgültig zerbrochen. Der Vater zieht ein paar Häuser weiter, so dass die Kinder ihn regelmäßig besuchen können. Verkraftet hat er die Trennung noch nicht.

Der ältere Sohn zeigt verschiedene Entwicklungsauffälligkeiten. Er kann sich selbst in seiner Muttersprache nicht angemessen äußern. Im Umgang mit der Mutter wird immer wieder von Aggressivität berichtet.

Umfassende sozial-pädiatrische Untersuchungen zeigen benigne EEG-Auffälligkeiten. Sowohl grob- als auch feinmotorisch bleibt sein Entwicklungsstand weit hinter den Normen zurück. Aufgrund seiner aktuellen Lern- und Leistungsvoraussetzungen empfiehlt sich ein schulischer Förderort mit dem Schwerpunkt „geistige Entwicklung“. Das notwendige Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs nach der schulischen Ausbildungsordnung wird durchlaufen. Aktuell besucht er dort die zweite Klasse und gehört zu den besten seines Jahrgangs.

Die Mutter ist trotz ihrer sprachlichen Einschränkungen sozial gut integriert. Eine sozial-pädagogische Familienhilfe steht ihr ebenfalls zur Seite. Sie begleitet sie in Ämtergängen und bei Arztbesuchen. Dennoch fühlt sie sich unsicher und wirkt gegenüber Autoritäten hörig.

Der Junge wird auf Empfehlung des sozial-pädiatrischen Zentrums in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Institutsambulanz vorgestellt. Eine Versorgung soll dem Bedarf, der noch konkret zu ermitteln ist, entsprechend angeboten werden.

Diese Geschichte wird so 2021 erzählt.