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100 Tage psychologische Unterstützung: BDP-Corona-Hotline zieht positive Bilanz

   01.07.2020

Nach intensiver Nutzung mit über 12.000 Anrufen allein im April und Mai wird die prominente BDP-Corona-Hotline nunmehr am Freitag, den 3. Juli 2020 um 20:00 Uhr geschlossen.

Zu Beginn der Quarantänemaßnahmen hatte der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) die BDP-Corona-Hotline zur psychologischen Unterstützung der Bevölkerung gestartet. Vom ersten Tag an war die Nachfrage mit bis zu 400 Anrufen pro Tag sehr groß, erst seit den Lockerungsmaßnahmen der letzten Wochen ging die Anzahl der Anrufe zurück.

Von Anfang an war ein sehr großer Bedarf vorhanden: Themen wie Ängste, Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit sowie ein hohes Stressniveau bestimmten die Gespräche. Viele Beratungen wurden von den Anrufenden eingeleitet mit: "Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll." Die Angst, sich mit dem Virus anzustecken, der zeitweilige Lockdown, geschlossene Schulen und Kindergärten, Homeoffice oder der Verlust der Arbeit – die Pandemie führte bei vielen Menschen zu hohen psychischen Belastungen. Zeitgleich entfielen in der Krise zahlreiche soziale Ressourcen und Unterstützungsmaßnahmen, wie etwa enge Kontakte mit Freunden und Verwandten, Fördermaßnahmen und Trainings in Schulen, am Arbeitsplatz oder in der Gesundheitsversorgung.

In dieser Situation leistete das kostenlose – täglich von 8:00 bis 20:00 Uhr gewährleistete – professionelle Beratungsangebot des Berufsverbandes eine wertvolle und effektive Unterstützung. Zahlreiche Berichte der beratenden Psychologinnen und Psychologen über die hohe Dankbarkeit der Anrufenden und allein die Zahl von ca. 6.000 monatlichen Anrufen jeweils im April und Mai belegen dies eindrücklich.

In einer ersten Rückschau ist hervorzuheben, dass sich viele Menschen in komplexen Problemlagen und sozialen Konstellationen befinden, zu deren Bewältigung sie zusätzliche Kompetenzen oder Unterstützung benötigen, erklärt BDP-Präsidentin Dr. Meltem Avci-Werning: „In den Beratungsgesprächen wurde deutlich, dass Wissen über Angst und Stress, psychosoziale Dynamiken und Beziehungsaspekte in der Bevölkerung eher wenig vorhanden ist. Zudem fällt es vielen schwer, das Geschehen und die gesundheitspolitischen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie richtig einzuordnen.“

„Ein niedrigschwelliges psychologisches Beratungsangebot ist wünschenswert, kann jedoch in der notwendigen Qualität und Menge nicht allein durch ehrenamtliches Engagement geleistet werden“, so Avci-Werning weiter. „Wir benötigen daher langfristig mehr Bildung und Training persönlicher Kompetenzen, auch bereits im Frühförderbereich, in Schulen, aber auch im Arbeitsleben.“ Weitere niedrigschwellige psychologische Beratungsangebote in Bildung, Gesundheit, Pflege, Arbeitsschutz etc. müssen entwickelt werden. Insbesondere für Gruppen mit besonderem Bedarf wie z.B. Alleinerziehende, pflegende Angehörige und andere psychisch belastete Menschen muss eine hohe präventive Wirkung hinsichtlich der Erhaltung und Förderung von besseren Gesundheits- und Bildungschancen erreicht werden.

Der BDP hat Informationen und Materialien zum Umgang mit der Corona-Krise erstellt. Er hat verschiedene Aktivitäten der politisch Verantwortlichen (BMG, BZgA) unterstützt und wurde mit der BDP-Corona-Hotline auf der Webseite der Bundesregierung aufgeführt. Zum Ende des Jahres wird eine Auswertung der BDP-Corona-Hotline gemeinsam mit der BZgA erscheinen. Der BDP wird die Hotline erneut aktivieren, sollte der Bedarf in der Bevölkerung wieder erforderlich werden.