Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie


 

Was ist Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie?

Die Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie (AOW-Psychologie) ist nach der Klinischen Psychologie das zweitgrößte Anwendungsfach der Psychologie. Die AOW-Psychologie untersucht das Erleben und Verhalten von Menschen im Kontext der Arbeit. Dabei werden viele Facetten der Arbeit analysiert, etwa, welche Facetten den Menschen auf der Arbeit stören und welche Faktoren zu höherer Zufriedenheit führen, wie ein Personalauswahlprozess gestaltet und verbessert werden kann, warum sich manche Menschen auf der Arbeit kontraproduktiv Verhalten, oder welchen Effekt hoher Stress auf die Arbeitsleistung hat.

Menschen verbringen einen großen Anteil ihrer Lebenszeit auf der Arbeit – und die Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Ort besser zu machen!

 

1. Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie im Studium:

Das Fach Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie wird an den meisten Universitäten im Bachelor und an vielen Unis im Master (als Vertiefungsfach) angeboten. Diese Inhalte werden in den Kursen schwerpunktmäßig gelehrt:

  • Bedeutung und Wirkung von Arbeit

  • psychologische Arbeitsanalyse und Arbeitsbedingungen

  • psychische Arbeitsbeanspruchung und Stress

  • Mensch-Arbeit-Beziehung

  • Führungs- und Interaktionsprozesse in Organisationen

  • Arbeitsgruppen und Interaktionen im Team

  • Eignungsdiagnostik und Personalauswahl

  • Personal- und Organisationsentwicklung

  • Führung von Mitarbeiter*innen

  • Arbeit in Gruppen

  • Markt-, Werbe- und Konsumentenpsychologie
     

2. Das Berufsbild der Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie:

Kernthema der angewandten Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie ist das Erleben und Verhalten des Menschen im Arbeitsumfeld. Ganz allgemein sind Psycholog*innen in Unternehmen oft beratend tätig.

Bezogen auf die Arbeitspsychologie gibt es hauptsächlich folgende anwendungskontexte:

  • Durchführung von psychologischer Arbeitsanalyse (Erhebung von Arbeitsbedingungen, -motivation und -zufriedenheit)

  • Beratung bei Umsetzung neuer Formen der Arbeit, z. B. in virtuellen Teams oder im Home Office

  • betriebliches Gesundheitsmanagement

  • Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen als Grundlage für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen

Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologen sind außerdem Experten für Personalauswahl und -entwicklung

  • erstellen von Anforderungsprofilen für bestimmte Stellen

  • Konzeption des Bewerbungsverfahrens (z.B. Assessment Center)

  • Erstellen von Stärken- und Schwächenprofil von Bewerber*innen oder Mitarbeiter*innen

  • Weiterbildung von Mitarbeitern

  • Headhunting, Laufbahn- und Karriereberatung

  • Training oder Coaching z.B. Führungskräfteentwicklung

Im Bereich der Organisationspsychologie unterstützen Psychologen Unternehmen besonders bei:

  • Beratung bezüglich der Verbesserung von Arbeitsabläufen

  • Durchführung von Change-Prozessen

  • Begleitung von Gruppenentwicklungsprozessen

  • Organisationsentwicklung

Daneben arbeiten Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsycholog*innen auch in anderen wirtschaftsbezogenen Themenfeldern wie Finanz-, Kommunikations- und Marktpsychologie.
 

3. Voraussetzungen

Um im Bereich der Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie zu arbeiten braucht man normalerweise einen Master in Psychologie. Manche Stellen setzen auch nur einen Bachelor voraus.
 

4. Wichtigste Kompetenzen

  • Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologisches Fachwissen, um z. B. in der Eignungsdiagnostik geeignete Verfahren auszuwählen und zu entwickeln oder Führungskräftetrainings mit Bezug zu aktueller Führungsforschung zu konzipieren

  • Didaktische Kompetenzen, um z. B. als Trainer Inhalte aufzubereiten und nutzbringend zu vermitteln oder als Moderator Prozesse zu steuern

  • Ausgeprägte Selbstorganisation, um z. B. als externer Unternehmensberater umfang-reiche Beratungsprojekte in hoher Eigenverantwortung zu bewältigen

  • Interesse an der Arbeit mit anderen (Beschäftigten, Führungskräften, Unternehmern ...), Kontaktstärke und Empathie, da soziale Interaktion wesentliches Arbeitsmerkmal ist
     

5. Arbeitsmarkt

Ausgebildeten Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsycholog*innen bietet sich ein großer Arbeitsmarkt: Sie arbeiten in Profit- und Nonprofit-Organisationen quer durch alle Branchen und Fachbereiche sowie in allen Organisationsgrößen. Durch das daraus resultierende breite Spektrum ergeben sich einerseits kaum eingrenzbare berufliche Perspektiven und andererseits sehr oft die Notwendigkeit, mit dem individuellen fachlichen und persönlichen Profil im Vergleich zu Bewerbern aus ganz anderen Fachbereichen zu überzeugen.