Statistik im Psychologie-Studium


 

Was ist Statistik im Psychologie-Studium?

Beschäftigt man sich ein bisschen mit dem Studiengang Psychologie oder hört sich im Umfeld um, kommt man schnell auf ein Thema bei dem die Meinungen auseinandergehen: Statistik
Für die Einen ist es der Grund, die Wahl des Studiums zu hinterfragen, für Andere nur ein langweiliges Modul und für eine kleine Gruppe das beste Fach der Welt. Doch warum gibt es das Fach im Studium? Wozu brauchen Psycholog*innen Statistik überhaupt? Wozu muss man sich mit Kennzahlen, Verteilungen und Tests auseinandersetzen?

1. Statistik im Studium:

Das Fach Statistik wird an den meisten Universitäten sowohl im Bachelor als Grundlagenfach, wie auch im Master als Vertiefung angeboten. Die Methodenlehre dient dem Erlernen der kompetenten und kritischen Anwendung deskriptivstatistischer und inferenzstatistischer Verfahren und der Lösung empirischer Fragestellungen. Diese Themen werden im Studium meistens folgendermaßen schwerpunktmäßig behandelt:

  • uni- und bivariate Deskriptivstatistik
  • Grundlagen der Inferenzstatistik & ausgewählte inferenzstatistische Verfahren
  • Varianzanalysen & lineare Regression
  • nicht-parametrische Analyseverfahren
  • arbeiten mit den Statistiksoftwares R & SPSS
  • Strukturgleichungsanalysen & Mehrebenenanalysen (im Master)

2. Statistik als Teil der Psychologie

Gängige Definitionen der Psychologie treffen sich in dem Punkt, dass deren Gegenstand menschliches Erleben und Verhalten ist. Obwohl die Wurzeln der Psychologie bis in die Antike zurückverfolgt werden können hat die Psychologie „eine lange Vergangenheit, aber nur eine kurze Geschichte“, wie Hermann Ebbinghaus, der Pionier der Gedächtnisforschung schrieb. Er bezog sich damit auf die vorher meist fehlenden wissenschaftlichen Methoden der Disziplin. Eine anerkannte Wissenschaft ist die Psychologie nämlich erst seit dem 19. Jahrhundert.

Mit diesem neuen Verständnis entwickelten sich aus der experimentellen Psychologie die ersten empirisch- methodischen Ansätze und neuen Zugänge zu Fragen, die vorher vor allem philosophisch betrachtet wurden. Das Bestreben der Wissenschaft, Zusammenhänge zu entdecken, Wissen zu erweitern und dabei möglichst präzise und wenig fehlerbehaftet zu sein, erforderte neue Herangehensweisen.

Und hier wird die große Bedeutung der Statistik besonders deutlich:
Sie ist das Werkzeug, welches die Psychologie zur Wissenschaft macht. Das Ziel ist es, Fehlermöglichkeiten zu minimieren, um ein prüfbares Fundament an Wissen zu generieren. Dies wird in der Psychologie durch Quantifizierung erreicht. Um neue Erkenntnisse zu gewinnen, müssen Daten gesammelt werden. Hat man diese Daten, muss man mit ihnen umgehen können. Statistik wird benötigt, um sich nicht nur auf Einzelfälle, sondern auf Gesamtheiten beziehen zu können oder um Anhaltspunkte zu geben, ab wann eine Beobachtung überhaupt der Rede Wert ist.

Deskriptive Statistik

Die Methoden, die zur deskriptiven Statistik gehören, ermöglichen es, einen Überblick über die Daten zu erhalten. Dies erreicht man etwa durch Tabellen oder Grafiken. Aber auch beschreibende Kennzahlen sind hier wichtig: egal ob Mittelwert, Standardabweichung oder Ausreißer. Diese Kennwerte sind Voraussetzung, um im nächsten Schritt die eigentlichen Hypothesen zu prüfen. Dementsprechend brauchen Psycholog*innen deskriptive Statistiken, da sie den Anfang der empirischen Forschung bilden.

Inferenzstatistik

Die schließende Statistik (Inferenzstatistik) ist der zweite große Bereich der Statistik. Ihre Wichtigkeit erschließt sich, wenn man bedenkt wie der Erkenntnisgewinn in der Psychologie funktioniert: zum Beispiel über Experimente oder Studien. Die Inferenzstatistik bietet die Möglichkeit, das Problem der begrenzten Anzahl an Proband*innen dieser Untersuchungsarten zu beheben. Die Gesamtpopulation in die Datenerhebung einzubeziehen ist nämlich nicht möglich (oder äußerst Arbeitsintensiv). Somit steht einem in der Praxis nur ein Teil der Gesamtheit zur Verfügung (Stichprobe). Um trotzdem allgemeine Aussagen machen zu können, braucht man statistische Schätzverfahren, die von der Stichprobe mit einer relativen Sicherheit auf die gesamte Population schließen zu können.

3. Warum ist Statistik wichtig

Statistik ist für die psychologische Forschung unverzichtbar geworden. Sie ermöglicht die Bewertung und Analyse der erhobenen Daten und ist somit das Fundament des psychologischen Erkenntnisgewinns. Gäbe es keine Statistiken hätte man diese Sicherheit nicht, da man zum Beispiel nicht erkennen könnte, ab welchem Wert in einem Fragebögen eine Person von einer bestimmten Norm abweichen würde. Für Psychologiestudierende bedeutet dies, dass sie sich mit den grundlegenden Elementen der Statistik und ihren Methoden auseinandersetzen müssen, um ein Grundverständnis für die Methoden der statistischen Auswertung zu bekommen oder zum Beispiel selbst in der psychologischen Forschung tätig zu sein.

Das Fach Statistik im Psychologie-Studium ist kein Grund für Bauchschmerzen! Studierenden erlernen dabei die Wichtigkeit von wissenschaftlichen Methoden und prüfbaren Erkenntnissen und erlangen Kenntnisse im Umgang mit empirischen Daten und deren Auswertung. Somit ist Statistik auch der Schlüssel zur interpretation von neuen Forschungsergebnisse und wichtig, um dem Laufenden zu bleiben - egal in welchem Bereich der Psychologie man später arbeitet!

 


3. Statistik in der Anwendung:

Die statistischen Analyseverfahren sind in fast allen Berufsfeldern der Psychologie vertreten. Einen besonderen Stellenwert hat sie natürlich in der Forschung. Diese findet häufig an Universitäten statt, aber auch in Unternehmen (z.B. Marktforschung) oder in staatlichen Institutionen. Um eine Grundlage für spätere Handlungspraxis oder die Rechtfertigung von politischen Entscheidungen zu haben, werden belastbare Erkenntnisse benötigt. Dabei muss sichergestellt werden, dass die Untersuchungen Qualitätsstandards entsprechen und sich keine groben Fehler eingeschlichen haben. So suchen Forscher*innen systematisch nach neuen Erkenntnissen, dokumentieren ihr vorgehen und veröffentlichen die gewonnen Ergebnisse. Zu den Aufgaben eines Forschers gehören vorallem:

  • Planung und Durchführung von Untersuchungen
  • Erhebung von Rohdaten
  • Analyse der Rohdaten durch statistische Methoden
  • Interpretation der Ergebnisse
  • Diskussion und Bewertung der Qualität des Forschungsprozesses
  • Vermittlung der Befunde und Maßnahmen an die Öffentlichkeit
  • Koordination von Forschungseinheiten oder interdisziplinären Forschungteams

3. Voraussetzungen

Um in der Forschung tätig zu werden braucht man ein Diplom oder Master in Psychologie und sollte hohe Sachkenntnis im Forschungsbereich besitzen. Forschungspraktika oder Forschungstätigkeiten als Hilfskraft sind in diesem Feld von großem Vorteil. Eine Promotion weist hohe Kompetenz im Forschungsprozess aus und steigert die Berufsmöglichkeiten. Für eine Karriere im universitären Bereich wird sie oft vorausgesetzt.

 Das Feld der psychologischen Forschung stellt einen eher kleinen Arbeitsmarkt für Psychologen und Psychologinnen dar.
 

4. Wichtigste Kompetenzen

  • Ein sicherer Umgang mit Forschungsmethoden und statistischen Auswertungsmethoden
  • Kenntnisse zu dem aktuellen Wissensstand der jeweiligen Forschungsrichtung
  • Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken
  • Verständnis über die Wissenschaftstheorie