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Insight Into: Verkehrspsychologie

   30.05.2022

 

Verkehrspsychologie - mehr als nur die Vorbereitung auf den Idiotentest!

Am Montag 23.05.2022 nahm uns Herr Dipl. Psych. Jürgen Walter mit in die Welt der Verkehrspsychologie. Doch was ist das überhaupt? Die üblichen Verdächtigen wie Arbeit- und Organisations-, Klinische, Pädagogische, Rechts- und vielleicht noch die Gesundheitspsychologie kennen die meisten. Das es auch Psychologen in Bereichen gibt wie z. B. in der Auswertung der Sichtbarkeit eines Allwetterlichts in der Fahrzeug-Licht-Industrie oder aber in der Verkehrspsychologie ist dagegen weniger bekannt. Deshalb freuen wir uns darüber, dass wir nun einen weiteren Aspekt der Psychologie kennenlernen konnten.

Herr Walter zeigte uns während des Insight Into's einen Überblick über die erschreckend hohe Anzahl tödlicher und auch vermeidbarer Verkehrsunfälle, die nach seiner Aussage seit 1950 bis heute ungefähr einmal die Einwohnerzahl der Stadt Frankfurt am Main an Leben darstellt. Hinzu kommen entsprechend noch all die Unfälle, die nicht tödlich endeten. Eines haben sie dennoch oft gemeinsam, ihr Ursprung basiert oft auf Fahrlässigkeit, einer überhöhten Selbstüberschätzung und der Illusion der eigenen Unverletzbarkeit. Zusammengefasst einem Fehlverhalten – und das ist genau das Thema, dass uns angehende Psychologen brennend interessiert, denn das hat wieder sehr viel mit Einstellung, Motivation, Persönlichkeit und Erwartung zu tun! Herr Walter hat dies für uns in drei Komponenten zusammengefasst: Sicherheitsfähigkeit, -bereitschaft und -philosophie, mit den Kombinationskonstellationen Nicht-Wissen, Nicht-Können, Nicht-Wollen, Nicht-Dürfen, Nicht-Müssen als die Ursache von Fehlverhalten und dies anhand eines Beispiels "Warum fahre ich NICHT 50 km/h trotz Vorgabe?" in gemeinsamer Diskussion erläutert und so auch direkt auf die Tätigkeit als Verkehrspsychologie verwiesen.
 

Verkehrspsycholog*innen - die Einstellungsverändernden?

Verkehrpsycholog*innen dürfen auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU; Fahreignungstest) im Sinne der Fahreignungsberatung vorbereiten und gelten nach der Qualitätssicherung des BASt als seriöse Anbieter, da sie über eine verkehrspsychologische Ausbildung und größtenteils oft zusätzliche Weiterbildungen verfügen.

Doch wie läuft denn nun so eine MPU Vorbereitung ab? In dieser Insight Info, konnten wir erfahren, dass die Fragestellungen sehr viel mit der Einstellungsveränderung zu tun haben. Denn nach Abfragen zum Kenntnisstand (was ist ein Ortseingangsschild?) über die Sicht- (ist das Schild, der Tacho lesbar?) und Koordinationsfähigkeit (Gas/Bremse werden nicht verwechselt?) bis zur Regelabfrage (darf hier schneller als 50 km/h gefahren werden?) lautet die Frage wieso trotz Negation dennoch ein Fehlverhalten stattfand "wollen Sie am Ortseingang schneller als 50km/h fahren?". Dies zeigt wiederum den wichtigen Punkt, dass es auch hier immer eine Frage der Einstellung der jeweiligen Person ist und dies auch an Verhaltensmodellen erklärt werden kann.

Verkehrspsycholog*innen beschäftigen sich somit mit dem Ergründen der Ursache des Fehlverhaltens und fragen, ab, was das Erklärungsmodell ihres Gegenübers ist, wie es dazu kam und welche weiteren Komponenten eine Rolle spielen könnten, z. B. substanzgebundene Süchte.

Dass es auch in weiteren Aspekten der Arbeitssicherheit und Verkehrspsychologie um intrinsische Motivationsveränderungen gehen kann, erklärte uns Herr Walter anhand des "Helmtragens" beim Fahrradfahren auf dem Betriebsgelände und dem dadurch senkbaren Unfallrisiko. Ein weiterer möglicher Aspekt dieses Berufszweigs sind Schulungen, Kurse und Gutachten (z. B. über die Qualifikation für die Fahreignungsberatung der DPA), die diesen Beruf zu einem sinnvollen und sicheren Berufsfeld machen, denn Unfälle und Menschen, die sich fehlerhaft verhalten (wollen) wird es auch in Zukunft geben.
 

Wie werden wir nun Verkehrspsycholog*innen?

Das Schöne an den Insight-Into's ist, dass wir von echten Menschen reale Berufswege und Tipps erhalten. Das macht die Themen sehr viel greifbarer. Die Internet- und Universitätsrecherche führt natürlich auch zu ersten Informationen: ja, man kann Verkehrspsychologie (als Schwerpunkt) studieren – muss man aber nicht zwingend. Denn auch der Einstieg über entsprechende Praktika um den Bereich kennenzulernen, die Bachelorthesis um die Kenntnisse zu vertiefen und später über das Geben von Vorbereitungskursen sind eine gute Einstiegsmöglichkeit. Spannend ist in diesem Zusammenhang auch das "Curriculum Verkehrspsychologie" des BDP zur Weiterbildung zum/zur Fachpsychologen/in für Verkehrspsychologie - es gibt einen Mitgliederrabatt! Dieses ist entsprechend durch den BDP zertifiziert und in verschiedene Module aufgeteilt und darf bereits gegen Ende des Masterstudiums begonnen werden.

Nochmals herzlichen Dank an Herrn Walter für diese spannenden Einblicke in die doch viel buntere und facettenreiche Welt der Verkehrspsychologie! Wir freuen uns auf weitere Insight-Into's :)

 

Dieser Beitrag wurde erstellt von Sara Lina Treptow

 

Literaturquellen & Links:

- Präsentation durch Dipl. Psych. Jürgen Walter
- Curriculum Verkehrspsychologie BDP
- QS des BASt
- Foto: Jack Alexander