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Alles im Gleichgewicht?

14.03.2021

 

Was ist Work-Life-Balance?

Work-Life-Balance – ein Gleichgewicht aus Arbeit und Leben, wenn man es

wörtlich übersetzt. Aber was steckt dahinter? Was bedeutet Arbeit für dich? Die Ausübung deines Berufes? Dein Studium? Oder doch die Kinderbetreuung und der Haushalt? Jede Person hat ein anderes Verständnis von Arbeit sowie auch von einer erfüllten Freizeit. Willst du in deiner Freizeit Familie und Freunde sehen? Dich sozial engagieren? Wie du siehst, umfasst der Begriff Work-Life-Balance also ein ganzes Themengebiet und lässt sich nicht so einfach definieren. In der Regel ist damit ein ausgeglichenes Zusammenspiel zwischen Berufs- und Familienleben gemeint.

Die Bezeichnung Work-Life-Balance kam erst in den 1990er Jahren auf. Früher war es fast undenkbar, die Worte „Arbeit“ und „Familie“ in einem Begriff zu vereinen. Die beiden Komponenten standen immer im Konflikt zueinander, da das Arbeitsleben streng vom Privatleben getrennt wurde. Seitdem sich jedoch die Geschlechterrollen und Demographie verändert haben, wird deutlich, wie stark die Arbeitswelt durch das familiäre Leben geprägt wird und auch umgekehrt:

Mehr Menschen wollen Zeit mit der Familie verbringen, auch Männer wollen ihre Vaterschaft in vollen Zügen genießen und familiäre Belastungen wirken sich auf die Arbeitsleistung aus. Es zeichnet sich eine deutliche Wechselwirkung zwischen den beiden Komponenten Berufserfolg und Lebensqualität ab.

 

Work-Life-Balance aus Sicht der Unternehmen

Vor allem für die Unternehmen birgt diese Entwicklung in Zukunft eine große Herausforderung:

Sie müssen die Life-Komponente auch im Betrieb berücksichtigen und innerbetriebliche Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie entwickeln.

Viele Firmen veranstalten zu diesem Zweck Entspannungsseminare oder Informationstage mit Workshops zum Thema Work-Life-Balance. Flexible Arbeitszeiten, freiwillige Teilzeitarbeit, Freistellung oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder Altenpflege sind weitere Beispiele, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen entlasten wollen. Aber auch Themen wie Gesundheit und Fitness oder die Zufriedenheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sind wesentliche Stellschrauben, um die Work-Life-Balance zu beeinflussen. Diese Maßnahmen sind jedoch nicht uneigennützig: Zum einen sollen dadurch Krankheits- und Fluktuationsraten gesenkt und zum anderen die Produktivität der Mitarbeiter*innen gesteigert werden. Auch für potenzielle Bewerber*innen kann das Angebot der Betriebe ein ausschlaggebendes Auswahlkriterium sein. Unternehmen sollten respektieren, dass die Mitarbeiter*innen zusätzlich zu ihren beruflichen Verpflichtungen auch Verantwortung für die Familie und ihre seelische Gesundheit übernehmen.

 

5 Tipps für eine bessere Work-Life-Balance

Doch was tun, wenn die Work-Life-Balance einmal aus dem Gleichgewicht gerät, vor allem inmitten einer Pandemie?

Die letzten Monate haben uns alle dazu gezwungen, unsere Freizeitaktivitäten und sozialen Beziehungen einzuschränken. Arbeit im Home-Office oder Homeschooling sind nun die Regel. Das hat zur Folge, dass Arbeit und Freizeit kaum noch zu differenzieren sind und viele Personen das Gefühl haben, in Arbeit zu ertrinken. Die beiden Komponenten im Gleichgewicht zu halten erscheint nun schwieriger denn je. Doch eine niedrige Work-Life-Balance geht mit einer geringeren Lebenszufriedenheit einher.

Deshalb haben wir für dich fünf Tipps zusammengestellt, wie du deine Work-Life- Balance wieder ins Gleichgewicht bringen kannst:

 

1. Ernährung und Sport

Bevor du versuchst, dich um deine seelische Gesundheit zu kümmern, solltest du dich auch mit deiner physischen Gesundheit beschäftigen2.Viel zu trinken und sich gesund und ausgewogen zu ernähren sind wichtige erste Schritte. Versuche, wenig Fett und wenig Zucker zu dir zu nehmen sowie mindestens 2,5 Liter Wasser am Tag zu trinken. Feste Mahlzeiten, die du in Ruhe zubereitest, können dir sogar dabei helfen, Struktur in deinen Alltag zu bringen.

 

2. Sag deinen Freunden mal wieder Hallo

Verbringe Zeit mit deinen Freunden, deiner Familie, deinem Partner oder deiner Partnerin und tu das, was dir Spaß macht. Dabei solltest du versuchen, die Arbeit komplett liegen zu lassen und nicht daran zu denken, was noch am Schreibtisch auf dich wartet. Tanke Energie bei Spaziergängen oder auch bei Videoanrufen1.

 

3. Lehn dich zurück und entspanne

Egal ob Yoga, Autogenes Training oder Musik hören – nimm dir aktiv Zeit für dich, um runter zu kommen und baue dies fest in deinen Alltag ein. Durch Meditation kannst du deinen Kopf so richtig frei bekommen und steigerst deine Achtsamkeit für die alltäglichen Dinge. So kannst du einen guten Ausgleich zwischen belastenden und erholsamen Tätigkeiten erreichen1. Achtung bei Netflix und Co.: Es passiert sehr schnell, dass wir es uns am Abend bei einer Serie gemütlich machen. Nach dem Effort-Recovery-Modell ist es bei Erholungsaktivitäten jedoch wichtig, nicht die gleichen Funktionssysteme zu aktivieren, die schon während der Arbeit beansprucht wurden. Das heißt: sitzt du den ganzen Tag vor dem Laptop, solltest du in deiner Freizeit versuchen, etwas ganz anders zu tun. Denn erst wenn unser Körper keinen Belastungen mehr ausgesetzt ist, kann der Erholungsprozess einsetzen1.

 

4. Plane deinen Tag

Auch eine mangelnde Tagesstruktur könnte Grund dafür sein, dass deine Work-Life-Balance unausgeglichen ist. Verschiedene Zeitmanagementstrategien können dir dabei helfen, deinen Tag ausführlich zu planen2. Trenne dabei strikt Arbeit und Freizeit. Am besten ist es, wenn du deine Vorhaben in „Wenn-Dann- Plänen“ formulierst, die so konkret wie möglich ausgearbeitet sind. So ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass du deinen Plan auch wirklich in die Tat umsetzt3. Wichtig ist auch dabei: Priorisiere deine Aufgaben und versuche nicht, alles zeitgleich zu erledigen1.

 

5. Trenne Arbeit und Freizeit

Nicht nur zeitlich kannst du Arbeit und Privates trennen – versuche im Home-Office auch eine räumliche Trennung umzusetzen. Dein Laptop gehört nicht ins Bett und deine Arbeit solltest du, falls möglich, an einem Ort erledigen, den du nach getaner Arbeit verlassen kannst. Bei der Arbeit wiederum solltest du dein Privathandy weglegen oder dein Haustelefon ausstecken. So kannst du mögliche Ablenkungen im Home-Office vermeiden1.

 

 

 

1Moser, K. (2014). Wirtschaftspsychologie (2. Aufl.). Springer.

2Weinert, A. B. (2004). Organisations- und Personalpsychologie (5. Aufl.). Beltz.

3Faude-Koivisto, T., & Gollwitzer, P. (2010). Wenn-Dann Pläne: eine effektive

Planungsstrategie aus der Motivationspsychologie. In B. Birgmeier (Hrsg.),

Coachingwissen (S. 207–225). VS Verlag für Sozialwissenschaften.

 

 

 

                                   Von Isabell Biebl, Psychologiestudentin aus Regensburg