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Während du schliefst

21.06.2020


 

"Im Gehirn herrscht nachts reges Treiben. Zu keiner anderen Zeit im Leben wird in unserem Kopf mehr herumgeschraubt als im Schlaf."

Albrecht Vorster, Schlafforscher an der Universität Tübingen

 

Redewendungen wie „Schlafen kannst du noch, wenn du tot bist“ kennen wir alle. Gerade unter jungen Menschen wird regelrecht damit geprahlt, wie spät man doch ins Bett geht oder wie wenig Schlaf man doch benötige. Doch Schlafmangel führt zu schnell zu starken Defiziten. Viele Menschen haben schonmal erlebt, wie Schlafmangel zu schlechter Konzentration führt. Doch das ist nur der Anfang - Schlafmangel kann im Ernstfall sogar zu Persönlichkeitsstörungen und Störungen der Vitalfunktionen führen.

Was passiert in unserem Körper während wir schlafen?

Cortisol und Melatonin bestimmen einen Großteil des zirkadianen Rhythmus. Cortisol, das von der Nebennierenrinde produziert wird, hält uns tagsüber wach. Wird es dunkel, wird von der Zirbeldrüse Melatonin ausgeschüttet, das uns schläfrig macht. Der Schlaf ist unterteilt in mehrere Schlafphasen mit verschiedenen Aktivitäten, die einen etwa 90-minütigen Zyklus ergeben, den wir pro Nacht ca. 4-7mal durchlaufen. Bewusst nehmen wir das nicht wahr, im Körper herrscht nachts aber reges Treiben: Eine wichtige Funktion des Schlafens ist die systematische Umorganisation des neuronalen Netzwerks, wie Forschende des Max-Planck-Institutes herausfanden. Darunter zählt zum Beispiel das Transferieren von Gedächtnisinhalten in das Langzeitgedächtnis. Die neuen Verbindungen, die wir tagsüber zwischen den Nervenzellen aufbauen, werden nachts, während wir schlafen, umstrukturiert und verfestigt.

Gleichzeitig sind nachts auch das Immunsystem und der Stoffwechsel sehr aktiv. Krankheitserreger werden bekämpft und Stoffwechselprodukte abgebaut. Auch andere Hormone spielen im Schlaf eine Rolle. So werden nachts Wachstumshormone ausgeschüttet, die neben Wachstum auch die Zellregeneration unterstützen.

Schlaf bedeutet für den Körper eine Regenerationszeit. Bleibt diese aus, kann das psychische und physische Folgen haben. Viele Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Schlafmangel einen großen Einfluss auf kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen sowie Störungen des Immunsystems haben kann.
 

von Sina Weickgenannt, Psychologiestudentin aus Gießen

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