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Film-Tipp: Stiller Kamerad

Pferdegestützte Therapie kann traumatisierten Bundeswehrsoldaten im Umgang mit ihrer Erkrankung helfen, wo diverse Klinikaufenthalte und übliche Therapieformen an ihre Grenzen stoßen. Dieser Dokumentarfilm begleitet zwei Soldaten und eine Soldatin auf eine sehr persönliche und einfühlsame Weise auf ihrem Weg aus der Krankheit mit ihrem Therapiepartner Pferd.

Wir befinden uns auf einer Straße und schauen aus einem fahrenden Panzer, am Straßenrand stehen Kinder, die Sonne scheint. Alles erscheint friedlich, bis wir von einer Explosion direkt vor uns erschüttert werden. Mit dieser Szene zu Beginn des Films werden wir in die Gefühlswelt der Soldaten versetzt.  

Mandy, Oliver und Roman sind Bundeswehrsoldaten, die Auslandseinsätze in Afghanistan und im Kosovo erlebt haben. Seit ihrer Rückkehr aus den Kriegsgebieten leiden sie unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die sie enorm in ihrer Arbeit und ihrem Alltag einschränkt. Mandy muss immer wieder an ein kleines Mädchen am Straßenrand denken, welches sie nicht retten konnte, ohne ihre Kameraden und sich in Gefahr zu bringen.

 Alle Drei haben ihre ganz eigenen Gründe, wieso sie Klinikaufenthalte oder ambulante Therapien für sich nicht wirksam finden: Für den einen ist es die Furcht vor der Couch und sich einem fremden Menschen öffnen zu müssen, für den anderen ist es das sterile Setting des Bundeswehrkrankenhauses, das Eingesperrt sein.

Zusammen mit ihren Pferden bietet ihnen Claudia Swierczek (Traumatherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie/systemische Therapie) einen neuen Zugang zur Arbeit mit ihrer Krankheit. Trotz anfänglicher Zweifel berichten die Soldaten über wertvolle und wirksame Arbeit mit den Pferden. Besonders Mandy hilft das Setting in der freien Natur, um sich öffnen und mit Hilfe des Pferdes als ihren „Kameraden“ die eigenen Probleme überwinden zu können.

Besonders bemerkenswert ist die hohe Sensibilität der Pferde., welche die Unsicherheiten der Soldaten nach außen hin greifbar macht. Laut Claudia Swierczek spiegeln Pferde das Innere des Menschen. So weiß der Soldat Roman nicht um seine persönliche Grenze, wenn ihn Bekannte nach dem Grund für seine Krankheit oder seinen Erlebnissen während des Einsatzes fragen. Durch diese berichteten Erlebnisse werden wieder Ängste und Panik in ihm ausgelöst. In einer Übung mit seinem Therapiepartner Pferd lernt er diese Grenze kennen: das Pferd zeigt ihm seine eigene Grenze auf, die es nicht überschreiten möchte. Diese symbolische Übung mit dem Pferd erlaubt Roman einen Zugang zu seiner eigenen Gefühlswelt und macht ihm deutlich, dass es okay ist, seine eigene Grenze zu haben und diese auch zu vertreten.

Die Interviews im Film wechseln sich mit Einblicken aus den Therapieeinheiten mit dem Pferd und Informationen der Therapeutin über die Pferde und die Arbeit mit ihnen ab.

Weiterhin berichtet der Film über die Finanzierungsproblematik der pferdegestützten Therapie, die nicht von den Krankenkassen übernommen wird und selbst finanziert werden muss. Die Bundeswehr führt jedoch unter anderem Studien zur Therapieunterstützung mit Pferden und Hunden in einem stationären, klinischen Umfeld durch, um einen wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit zu erbringen. Eine Studie des Psychotraumazentrums am Bundeswehrkrankenhaus in Berlin zur pferdegestützten Therapie konnte die Abmilderung von negativen sozialen Folgen einer PTBS im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigen. Die Ergebnisse der Therapiegruppe ergaben weniger Probleme in der Partnerschaft und geringere Depressionswerte.

Interessant ist der Film für Studierende, die sich für die klinische Psychologie interessieren und offen für alternative Therapieformen sind, die in der Uni gar nicht oder nur kaum behandelt werden.

„Stiller Kamerad“ gibt einige Einblicke in die spezifische Arbeit mit Pferden in der Therapie bei PTBS-Patienten und richtet die Aufmerksamkeit dabei auch auf die persönlichen Erlebnisse und Emotionen der Patienten. Abschließend zeigt der Film eben auch auf, wie vielfältig die Arbeit als Psychotherapeut/- in sein kann und welche Möglichkeiten sich einem eröffnen.

 

Autorin: Rebecca Woelke, Psychologiestudentin aus Mainz