BDP-Gütesiegel für psychologische Gesundheitsangebote im Internet - 21.05.2017

Auf Initiative von Julia Scharnhorst, der Leiterin des Fachbereichs Gesundheitspsychologie, beantragte die Sektion GUS bei der Delegiertenkonferenz des BDP am 21.05.2017 erfolgreich, ein Gütesiegels bzw. Qualitätssiegel für psychologische Gesundheitsangebote im Internet zu entwickeln und einzuführen.

Der BDP veröffentlichte dazu die Pressemitteilung:

Auf der Delegiertenkonferenz des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) in Hamm wurde am 21.5.2017 die Einführung eines Qualitätssiegels für Apps und andere automatisierte psychologische Unterstützungsformen verabschiedet.

Fünfzehn Jahre nach der Einführung von Qualitätskriterien für psychologische Online-Beratung reagiert der BDP auf die ansteigende Zahl automatisierter psychologischer Interventionsangebote durch wirtschaftlich orientierte Startups. „Zum Schutz der Ratsuchenden sehen wir es als besonders wichtig an, die Qualität und den Datenschutz bei psychologischen Angeboten zu gewährleisten“, erklärt BDP-Präsident Prof. Dr. Michael Krämer.

In den vergangenen Jahren hat die Zahl an Startups mit automatisierten psychologischen und sogar psychotherapeutischen Angeboten im Internet deutlich zugenommen. Mit Sorge beobachtet der BDP, dass bei dieser Entwicklung die Qualität häufig nicht gewährleistet ist. Bei der Übertragung psychologischer Konzepte in standardisierte Formen spielt nicht nur die Evaluation der Qualität der programmierten Algorithmen, der Lücken, Fehler und Nebeneffekte eine große Rolle, sondern auch deren diagnostische Angemessenheit. Problematische Konzepte zur Selbstdiagnostik und der Einsatz gering qualifizierter Berater, die während der Entwicklung der Programmierung Probleme per Mail und Telefonberatung auffangen sollen, prägen häufig die Angebote auf diesen wachsenden elektronischen Markt.

Viele Gründer nehmen Konzepte aus anderen Kontexten, lassen diese programmieren und überprüfen die konkreten Wirkungen der Programme im Rahmen der Erstanwendung. „Ratsuchende werde dabei unwissentlich zu Versuchskaninchen und bezahlen auch dafür mit ihrem Geld und persönlichen Daten“ erklärt Krämer. Datenschutzbestimmungen sind oft schwer verständlich, nicht leicht zu finden und erlauben häufig die Nutzung persönlicher Daten durch Kooperationspartner. Bezahlsysteme und Internetdienstleister sammeln so Gesundheitsdaten, ohne dass die Ratsuchenden sich darüber und über mögliche Folgen der anwachsenden Zahl der elektronischen Personenprofile im Klaren sind.

„Wir, als Profis, müssen zur Orientierung für die Ratsuchenden ein Qualitätssiegel anbieten“, sagt die Vorsitzende der Sektion Gesundheitspsychologie Julia Scharnhorst, die das Konzept mit entwickelt hat. „Besonders bedenklich ist es, wenn sich Angebote zweifelhafter Qualität an Menschen mit psychischen Erkrankungen richten und dabei eine zügige Inanspruchnahme geprüfter wirksamer Therapien verzögern oder diese sogar verhindern“, ergänzt Scharnhorst. Die elektronischen Unterstützungswege sind für Jung und Alt eine wichtige Ergänzung der bestehenden Interventionsformen und dürfen nicht durch Geschäftemacherei in Verruf geraten.

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