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Grußwort zum Bundeskongress für Schulpsychologie

   20.09.2021

Dr. Meltem Avci-Werning, BDP-Präsidentin

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Foto: Thomas Rosenthal

ich freue mich sehr, zur Eröffnung des Bundeskongresses für Schulpsychologie an Sie ein Grußwort zu richten.

Herzlich willkommen zu unserem diesjährigen Kongress!

Wie einige von Ihnen sicher wissen, bin ich meiner - ich möchte sagen - Heimatsektion eng verbunden und bedaure sehr, heute nicht persönlich teilnehmen zu können.

Lassen sie mich zu Beginn meinen herzlichen Dank an alle Organisatorinnen und Organisatoren des Kongresses aussprechen, insbesondere danke ich meiner Sektion. Sie haben für uns dieses vielfältige und spannende Angebot an Veranstaltungen im diesjährigen Bundeskongress für Schulpsychologie zusammengestellt. Dankeschön!

Aktuell gibt es im BDP Einiges zu feiern: Der BDP begeht sein 75-jähriges Bestehen und der Arbeitsbereich Schulpsychologie kann im kommenden Jahr sogar auf 100 Jahre schulpsychologische Arbeit zurückblicken!

Einhergehend mit der stetigen Veränderung des gesellschaftlichen Lebens und der Arbeitswelt, wandeln und erweitern sich die Aufgaben für Schulen und die Ausbildung. Und die Ansprüche an die Sozialisations-Instanz Schule steigen weiter. Ungleichheiten, Gewalt, Klimawandel und Digitalisierung, geringere familiäre Ressourcen, Stress und Arbeitsverdichtung sind nur einige der aktuell brennenden Themen. Also auch künftig gibt es in der Schule viel zu tun.

Deshalb daher haben wir die Historie 100 Jahre Schulpsychologie im Motto des diesjährigen Kongresses mit der Forderung verbunden: Mehr Psychologie in die Schulen.

Man könnte auch sagen: Endlich mehr Psychologie in die Schulen, da die Forderung nach dem bedarfsgerechten Ausbau der Schulpsychologie in Deutschlands nicht neu ist.

Heute ist der Weltkindertag. Dieser steht unter dem Motto: Kinderrechte jetzt.

Mit der Unterstützung des Anliegens der Stärkung der Kinderrechte im Grundgesetz setzt sich der BDP für die Stärkung der Stellung von Kindern und Jugendlichen ein. Kinderrechte und Chancengleichheit stehen in enger Verbindung. Dem System Schule kommt hier eine besondere Förderaufgabe zu und dies auch im Sinne eines Ausgleiches von Ungleichheiten und gezielter Förderung von ungenutzten Potenzialen.

Schulpsychologinnen und Schulpsychologen verfügen über umfangreiche fachliche Expertise in Beratung und Lernförderung, Konfliktbearbeitung und Krisenintervention, Gewaltprävention, Schulentwicklung, Supervision und Coaching, Weiterbildung von Schulpersonal - und vielem mehr. Ein Ausbau dieser Unterstützung ist nicht nur für das gesamte System Schule, einschließlich der Lehrkräfte und Familien, sinnvoll und erforderlich. Auch - und insbesondere ein Teil von - Schülerinnen und Schülern benötigen zusätzliche und spezifische Förderung. Die Rechte von Kindern auf gute Bildung und gesundes Aufwachsen, und neuerdings grundgesetzlich auch auf den Erhalt der natürlichen Rahmen-bedingungen, gelten für alle Kinder und Jugendlichen überall in Deutschland.

In der vergangenen Woche hat ein OECD-Bericht erneut aufgezeigt, dass Deutschland beim Thema Bildung nur im Mittelfeld liegt, dass ein wesentlicher Teil der Heranwachsenden ohne Abschluss oder berufliche Qualifikation startet und dass insofern vorhandene Potenziale nicht ausreichend gefördert und gehoben werden.

Die aktuelle Erhöhung der Stellen für Schulpsychologinnen und Schulpsychologen in Niedersachsen ist ein guter und wichtiger Schritt in diese Richtung, darüber freuen wir uns sehr!

Der BDP fordert den bundesweiten bedarfsgerechten Ausbau der Versorgung mit Schulpsychologinnen und Schulpsychologen und eine angemessene Ausstattung schulpsychologischer Dienste. Gleichzeitig setzt sich der Verband für mehr psychologische Bildung und Ausbildung an Schulen ein, um Kompetenzen und Ressourcen bspw. im Gesundheitsverhalten und Krisenmanagement zu stärken.

Die Psychologie bildet in vieler Hinsicht ein zentrales Element der Professionalisierung und Qualitätsentwicklung für eine gute gesunde Schule.

Im kommenden Jahr wird sich daher der BDP mit seinem Schwerpunktthema verstärkt der Forderung „Mehr Psychologie in die Schulen“ widmen. Dies schließt auch Initiativen zur Förderung des psychologischen Wissens über Erleben und Verhalten im Sinne der Ermächtigung und Kompetenzerweiterungen im Rahmen eines Schulfaches, sowie die Unterstützung vom System Schule durch Fortbildung, Beratung und Krisenintervention, mit ein. Im Rahmen eines Schulfaches könnte u.a. ein relevanter Beitrag zu kritischem Denken, Selbstreflexivität und eine Erhöhung der Selbstwirksamkeitserwartung angestrebt werden. Die Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen, also der BDP gemeinsam mit der DGPs, verfolgen ebenfalls dieses Thema in einer Expert*innen-Kommission von Wissenschaftler*innen und Schulpsycholog*innen.

Im Zusammenhang mit Corona bestehen besondere Belastungen und Lernrückstände. Das bietet einen aktuellen und weiteren Anlass zur Verstärkung der Förderung von Bildung und Gesundheit in der Schule.

Zu diesen und vielen anderen Themen werden wir auf dem Kongress einen weiten Bogen schlagen. 16 verschiedene Themenstränge laden Sie zum Erfahrungsaustausch ein und natürlich auch zur Diskussion und Weiterentwicklung von konzeptionellen Herausforderungen einer guten, gesunden Schule.

Die langjährige, gesellschaftlich bedeutsame Arbeit unserer Disziplin macht ein Rückblick auf „100 Jahre Schulpsychologie“ deutlich. Beim Symposium „100 Jahre Schulpsychologie“ wird auf die Historie der vielfältigen schulpsychologischen Arbeit zurückgeblickt und deren große soziale Relevanz gebührend gewürdigt.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Woche und einen sehr intensiven und konstruktiven Austausch.

Schön, dass sie da sind und herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Ihre Dr. Meltem Avci-Werning

BDP-Präsidentin und Schulpsychologische Dezernentin am Regionalen Landesamt für Schule und Bildung, Hannover