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Neuer BDP-Arbeitskreis: Gesellschaftlicher Zusammenhalt

   30.04.2020

Carola Brücher-Albers

Mit einem neu gegründeten Präsidiums-Arbeitskreis „Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Antworten der Psychologenschaft auf Extremismus, Rassismus, Antisemitismus“ engagiert sich der BDP gegen Gewalt in unserer Gesellschaft. Dies steht ganz im Einklang mit dem vom Vorstand und Präsidium beschlossenen Leitthema für den Verband im Jahr 2020: „Heterogenität verbindet“.

Spätestens die jüngste Welle rechtsterroristischer Anschläge in Deutschland verdeutlicht die massive Bedrohung, die von rassistischem und antisemitischem Hass ausgeht. Zielgerichtet wurden von den Tätern, ihrer rechtsextremen Ideologie folgend, muslimische und jüdische Personen als Opfer markiert und kaltblütig ermordet. Diese Anschläge sind jedoch nicht im luftleeren Raum entstanden, sondern lassen sich nur vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Radikalisierungstendenzen begreifen.

 

Widerstand stärken
Zugleich zeigen die Repräsentativbefragungen jedoch auch, dass in der Mehrheitsgesellschaft die Identifikation mit freiheitlich-demokratischen Grundwerten in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Es gilt es also, den Widerstand gegen rassistische, extremistische und antisemitische Überzeugungen zu stärken und gleichzeitig das schlummernde Potenzial demokratischer Grundüberzeugungen aktiv zu mobilisieren.

 

Verantwortung als Psychologinnen und Psychologen
Hierbei haben wir als Psychologinnen und Psychologen eine entscheidende Mitverantwortung zu tragen. Nicht nur sind wir in unserer täglichen Arbeit mit unterschiedlichen Patientinnen und Patienten, Klientinnen und Klienten damit konfrontiert, einen angemessenen Umgang mit subtilen bis aggressiven Äußerungen antidemokratischer Vorurteile finden zu müssen. Darüber hinaus braucht es für einen Schutz des demokratischen Zusammenhalts insgesamt den umfassenden Einbezug psychologischer Erkenntnisse, um die Entstehungsbedingungen der aktuellen Radikalisierung zu verstehen und darauf aufbauend gesamtgesellschaftliche Präventions- und Interventionsansätze entwickeln zu können.

 

Zukunftsweisender Umgang mit Heterogenität
Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat sich deshalb in den zurückliegenden Jahren mehrfach mit der Notwendigkeit zum Widerstand gegen rechtsextremistische, rassistische und antisemitische Ideologien mittels Veranstaltungen und Positionspapieren hör- und sichtbar befasst.

Die neue BDP-Präsidentin Dr. Meltem Avci-Werning wies zum Antritt ihrer Amtsperiode im Januar 2020 explizit auf diese Mitverantwortung hin. Als einen zentralen thematischen Schwerpunkt ihrer Amtsperiode benannte Dr. Avci-Werning deshalb „den zukunftsweisenden Umgang mit Heterogenität und den Abbau von Diskriminierung von Minderheiten“.

 

Ziele des Arbeitskreises
Im Zuge dieser Fokussierung haben wir aktuell den Arbeitskreis „Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Antworten der Psychologenschaft zu Rassismus, Extremismus, Antisemitismus“ gegründet. Mit dessen Arbeit werden drei übergreifende Ziele verfolgt:

  1. Es sollen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu psychologischen Entstehungsbedingungen von Rassismus, Extremismus und Antisemitismus unter Berücksichtigung ihres gesellschaftlichen und historischen Hintergrunds zusammengetragen werden, um geeignete Präventions- und Interventionsansätze zu entwickeln.
  2. Auf dieser Grundlage werden zentrale Inhalte in einfach verständlichen Zusammenfassungen über verschiedene Kanäle, wie beispielsweise die BDP-Homepage oder andere digitale Medien, zur Verfügung gestellt. Sie sollen nach „innen“ als Leitfaden für das Erkennen von und den Umgang mit antidemokratischen Tendenzen in der alltäglichen Arbeit von Psychologinnen und Psychologen dienen. Nach „außen“ soll einer Vielzahl von gesellschaftlichen Akteuren ein niedrigschwelliger Zugang zu zentralen psychologischen Erkenntnissen zu antidemokratischen Vorurteilen ermöglicht werden.
  3. Darüber hinaus wird die Vertiefung und gegebenenfalls Neuschaffung aktiver Kommunikationswege zwischen Psychologenschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen angestrebt. Insbesondere sollen Wege der Unterstützung von Personengruppen, die von der aktuellen Radikalisierung besonders betroffen sind, ausgebaut werden, beispielsweise zu islamischen Verbänden und der jüdischen Gemeinde.

 

Aktuell entwickelt der Arbeitskreis erste Ansätze, um die übergeordneten Ziele in konkrete Handlungsschritte zu übersetzen. Für ihre Umsetzung werden wir auf die aktive Mitarbeit von einer Vielzahl von Psychologinnen und Psychologen angewiesen sein. Wir hoffen, in der gemeinsamen Zusammenarbeit den Widerstand gegenüber den antidemokratischen Tendenzen fördern zu können und damit der gesellschaftlichen Verantwortung der Psychologenschaft Rechnung zu tragen.

 

Kontakt zum Präsidiums-Arbeitskreis:
Carola Brücher-Albers, Schriftführung, dpcba@gmx.de