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Gewinner-Essay des BDP Schreibwettbewerbs „Vision – Psychologie in der Zukunft“

   16.10.2019

Der Gleichbehandlungsausschuss des BDP veranstaltete im Frühjahr 2019 einen Schreibwettbewerb für Schülerinnen und Schüler zum Thema „Vision – Psychologie in der Zukunft“, der mit einem Preisgeld von 500 € dotiert war. Die im Wettbewerb eingegangenen Essays zeigten einen Grad an Reflektionsvermögen und Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und sich daraus ergebenden Potenzialen für die Psychologie, die für solch junge Leute beeindruckend ist.

Durch die differenzierte Betrachtungsweise wurden Perspektiven aufgezeigt, die über das hinausgehen, was in der Psychologie als Mainstream etabliert ist. Die Entscheidung für eine Gewinnerin bzw. einen Gewinner fiel daher besonders schwer. Auf dem Tag der Psychologie am 20. September 2019 in Berlin wurde Frau Esther Büscher für ihren herausragenden Essay mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Frau Senta Gehrig, die den 2. Platz belegte, konnte leider nicht an der Preisverleihung teilnehmen. Ebenfalls vor Ort geehrt wurde Frau Kimia Niazkar, die den 3. Platz erreichte.

 

Schon heute

 

von Esther Theresia Büscher

„Und wie kann ich die Zukunft erahnen? Durch die Zeichen der Gegenwart. In der Gegenwart liegt das Geheimnis; wenn du der Gegenwart Beachtung schenkst, dann kannst du sie verbessern. Und wenn du sie verbessert hast, dann wird das Nachfolgende auch besser sein.“ – „Der Alchimist“, Paulo Coelho

Die Zukunft – was zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts noch eine abstrakte Vision war, die wundersame Entwicklungen, wie fliegende Autos und Hotels auf dem Mars umfasste, so ist die Zukunft heute zu etwas Ungewissem geworden, zu einer Zeit, die, je näher sie rückt, immer größeres Unbehagen auslöst. Eine Frage, die sich Menschen in meinem Alter dabei oft stellen, ist, ob es überhaupt eine lebenswerte Zukunft für uns geben wird. Der Klimawandel scheint unaufhaltbar, die Frustration über die Untätigkeit der politischen Entscheidungsträger wächst, und die Angst vor den möglichen Konsequenzen für unseren Planeten ist allgegenwärtig.

Psychologie ist heute einer der beliebtesten Studiengänge. Angesichts der Tatsache, dass vermutlich viele der zukünftigen Studierenden auf den „Fridays For Future“ Demonstrationen anzutreffen sind, könnte man das fast schon verwunderlich finden. Warum studiert man nicht Physik? Welche Rolle kann die Psychologie in einer Zukunft mit „wichtigeren Problemen“ als dem menschlichen Denken und Verhalten, überhaupt noch spielen?

Eins ist klar: Die Psychologie wird nicht die Welt retten, egal welche technologischen Innovationen und wissenschaftliche Erkenntnisse noch auf uns zu kommen. Ihrem Anklang tut dies keinen Abbruch, denn die Motivation, Psychologie zu studieren, ergibt sich aus anderen Quellen. Der Wunsch, Menschen zu verstehen und ihnen helfen zu können, ist zeitlos – und vielleicht zukünftig von noch größerer, zentraler Wichtigkeit.

Denkt man an Forschung in der Zukunft, so zwingt sich einem förmlich der Drang nach großen, bahnbrechenden Erfindungen und Erkenntnissen auf. Das Problem dabei ist, dass diese oft so abstrakt imaginiert sind, dass ein konkretes Umsetzen im Hier und Jetzt praktisch unmöglich ist. Große Veränderungen müssen ihre Basis in der Gegenwart haben und die Psychologie hat die besten Voraussetzungen, um eine solche Basis zu schaffen.

Das soll nicht bedeuten, dass ein vorrausschauender Blick nicht lohnenswert wäre, ganz im Gegenteil, vielmehr geht es darum, schon heute anzufangen, etwas möglichst konkretes für morgen zu tun. Die Zukunft ist schon längst da, sie steht auf unserer Türschwelle und verlangt nach Aufmerksamkeit, nach aktivem Handeln. Die Stärke der Psychologie ist dabei, dass sie die einzige große Wissenschaft ist, in deren Fokus der Mensch als Individuum steht – und dieser bleibt bei all den großen Zukunftsplänen allzu oft auf der Strecke...

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