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Call for papers: Gesellschaften im Wandel – Digitalisierung, Komplexität, Beschleunigung

   24.10.2019

Wissenschaftliche Fachtagung der Sektion Politische Psychologie des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in Hamm (Westfalen), 6. – 7. März 2020.

Digitalisierung, Globalisierung, Komplexität, Beschleunigung und Vernetzung – das sind sogenannte „Megatrends“, welche die tiefgreifenden Veränderungen in unseren heutigen Gesellschaften seit Beginn der 1990er Jahre beschreiben sollen. Welche Herausforderungen stellen sich dabei aus psychologischer Sicht? Welchen Beitrag leistet die Psychologie, um diese Herausforderungen als Individuum und als Gesellschaft bewältigen zu können?

Die Sektion Politische Psychologie lädt interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Psychologie sowie benachbarten Disziplinen sowie Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis ein, theoretische und empirische Beiträge zu den oben genannten Themenfeldern sowie zu allen weiteren Themen aus der Politischen Psychologie im Rahmen einer interdisziplinären Fachtagung vorzustellen und zu diskutieren.

Die Digitalisierung durchdringt mittlerweile unser Arbeits- und Privatleben; sie nimmt starken Einfluss auf unser Denken und Handeln, und auch auf politische Prozesse. In Millisekunden werden (weltweit) Daten übermittelt, verbreiten sich politische Botschaften mit und ohne Wahrheitsgehalt (Stichworte „Fake News“, „Verschwörungstheorien“). Online werden politische Debatten geführt; als Wahlurne dient in mehreren Ländern bereits der Computer. Über das Internet haben Menschen Zugang zu einer Vielzahl an Informationen, wodurch sie gezwungen sind zu selektieren. Dies verstärkt die Gefahr von Urteilsfehlern und Framing-Effekten. Massiv unterstützt wird diese Selektion durch Algorithmen im Netz, welche bewirken, dass Personen nur einstellungskongruente Informationen dargeboten werden. Die doppelte Selektion der zur Verfügung stehenden Informationen hat zur Folge, dass Personen Meinungen kaum mehr kritisch hinterfragen (können). Internet-Nutzer*innen wird eine Welt aufgezeigt, die Personengruppen immer auf bestimmte Weise darstellt, das Ingroup- und Outgroup-Denken wird verstärkt. Andererseits kann die „E-Demokratie“ neue Formen politischen Engagements fördern und sogar innovative Zugänge zu aktiver Beteiligung schaffen. Wie verändert der Einfluss der Digitalisierung die Politik, die Gesellschaft und die Menschen selbst? Welche Effekte hat digitale Kommunikation auf soziale Wahrnehmungs- und Interaktionsprozesse? Welche Chancen und welche Risiken liegen in diesem Megatrend?

Weiterhin schreitet die weltweite Vernetzung voran. Netzwerke gewinnen immer mehr an Bedeutung für die tägliche Kommunikation. Dies spiegelt sich auch in politischen Entwicklungen wider, die zunehmend globaler werden. So machen soziale Medien (z.B. facebook, twitter) es in einer globalisierten Welt möglich, dass Akteur*innen politischer Bewegungen in Sekunden miteinander Nachrichten austauschen. In kürzester Zeit können Anhänger*innen weltweit mobilisiert werden. Soziale (face-to-face) Interaktionen werden immer mehr durch Online-Kommunikation ersetzt. Dies bringt Vorteile, wie Schnelligkeit und Einfachheit der Kommunikation mit sich, kann aber auch Nachteile und Missverständnisse und zwischenmenschlichen Problemen mit sich bringen. Große Gruppen können einerseits schnell informiert und mobilisiert werden, sich für etwas einzusetzen, zu helfen, anderseits können Probleme wie Cybermobbing und Diskriminierung verstärkt werden. Wie verändern soziale Netzwerke und Medien unseren Austausch und Kommunikation? Welche Chancen und Risiken bergen diese? Welche Fähigkeiten benötigen Menschen, um den zusätzlichen Belastungen des ständigen Austausches standzuhalten?

Der gesellschaftliche Wandel ist auch gekennzeichnet durch eine zunehmende Beschleunigung in allen Lebensbereichen. Arbeitsverdichtung und daraus resultierende psychische Belastungen und Stress gehören zum Alltag vieler abhängig, freiberuflich oder selbstständig Beschäftigten. Burnout und Überforderung sind längst Alltagsphänomene geworden, viele Arbeitnehmer*innen empfinden einen Overload und haben durch Spillover-Effekte Probleme, Berufliches und Privates zu trennen. Die Beschleunigung zeigt sich mit zunehmender Dichte in nahezu allen alltäglichen Lebensbereichen und nicht zuletzt auch in der Politik: Immer kleinere Entscheidungsfenster benötigen immer schneller getroffene Entscheidungen, die gleichzeitig langfristige und irreversible Auswirkungen haben können (Stichwort: „Klimawandel“). Welche Effekte hat eine zunehmende gesellschaftliche Beschleunigung auf die menschlichen Denk- und Entscheidungsmuster und damit sowohl auf politische wie auf persönliche Prozesse und Entscheidungen? Welche Chancen und Risiken liegen in diesen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen?

Gleichzeitig nimmt die Komplexität in der Gesellschaft zu. Im Politischen ist dies mit am deutlichsten erkennbar am Wandel der Parteiendemokratie. In den westlichen Ländern wurden in den letzten Jahren neue Parteien und politische Bewegungen gegründet, vorwiegend im rechtspopulistischen oder rechtsextremistischen Bereich. Etablierte Parteien und traditionelle Institutionen geraten zunehmend in die Defensive. Grenzen zwischen ideologischen Strömungen scheinen aufgehoben bzw. schwerer erkennbar. Durch die Migrationsbewegungen wird die Gesellschaft zunehmend diverser, was Herausforderungen für die Auseinandersetzung und den Umgang mit verschiedenen Kulturen und Menschengruppen nach sich zieht. Dies kann Gefühle von Unsicherheit und Unkontrollierbarkeit mit sich bringen. Welche Möglichkeiten des Umgangs gibt es mit der zunehmenden Komplexität? Wie können Diversität und Komplexität weniger als Bedrohung und mehr als Chance gesehen werden?
Die Sektion Politische Psychologie setzt mit dieser Tagung die seit 1980 bestehende Tradition regelmäßiger Workshop-Kongresse zur Politischen Psychologie fort. Es ist beabsichtigt, die Beiträge der Zeitschrift Politische Psychologie/Journal of Political Psychology (peer-reviewed) zur Veröffentlichung anzubieten.

Deadline für die Einsendung von Beiträgen ist der 20. Dezember 2019. Die Beiträge können als Vortrag oder als Poster angemeldet werden. Ein kurzes Abstract zur Anmeldung Ihres Beitrags (max. 300 Wörter) erbitten wir bis zu diesem Termin an die folgende E-Mail-Adresse: politische.psychologie@hshl.de. Bitte geben Sie bei der Einreichung die geplante Form der Präsentation an (Vortrag oder Posterpräsentation). Mitte Januar 2020 erhalten Referent*innen eine Rückmeldung über die Annahme ihres Beitrags. Nähere Informationen erhalten Sie ab Ende Oktober hier: www.bdp-politische.de

Organisationsteam (Kontakt: politische.psychologie@hshl.de):
Prof. Dr. Constanze Beierlein, Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL)
Prof. Dr. Petia Genkova, Hochschule Osnabrück
Prof. Dr. Siegfried Preiser, Psychologische Hochschule Berlin (PHB, Berlin)

Veranstaltungsort:
Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL)
Campus Hamm
Marker Allee 76-78
59063 Hamm/Westfalen


Kategorien

Politische Psychologie
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