Der Verband
Politik
Publikationen
Profession
  Profession Psychologie
  Studium und Ausbildung
  Psychologensuche
  Rezensionen
  Preise & Auszeichnungen
  Links
  FAQ Titelanerkennung

Presse
Termine

Mitgliedschaft
Mitgliederbereich
Stellenbörse
Praktikumsbörse

Sektionen
Landesgruppen
BV Studierende
BV Studierende

Psychologenakademie
Verlag
Wirtschaftsdienst
Haus der Psychologie
Akademie




    Facebook Twitter
XING LinkedIn
      Kontakt
      Impressum
      Datenschutz
      Sitemap






Glossar

Prävention

Prävention stammt vom lateinischen"praevenire" und bedeutet bedeutet "vorher kommen", "früher ankommen". Der konkurrierende und oftmals gleichsinnig benutzte Begriff Prophylaxe hingegen stammt aus dem Griechischen und bedeutet "vorher kämpfen", "den Erstschlag führen". Nun mag es mehr als nur Geschmackssache sein, ob man den mehr sportlichen oder den eher kriegerischen Aspekt für das hervorheben will, was mit Vorbeugung gemeint ist. In jedem Falle gilt es, schneller sein als andere, der Gefahr und Gefährdung zuvorkommen. In jedem Fall geht es um die Verhinderung von (psychischem) Leid und Störungen.

Die Prävention im modernen Sinn ist keine Erfindung der Psychologie, der Pädagogik oder des Jugendschutzes. Prävention hat sich vielmehr zunächst im Bereich der Medizin durchsetzen können: In der Bekämpfung von Seuchen und Infektionskrankheiten haben im 19. und frühen 20. Jahrhundert die klassischen Instrumentarien der Kontrolle und Absonderung versagt. An ihre Stelle traten – zumindest solange kein wirksames medizinisches Therapeutikum oder kein Impfstoff gefunden war – massive Kampagnen für Verhaltensänderungen. Prominentes Beispiel dieser – erfolgreichen – Strategie ist die Bekämpfung der Tuberkulose durch die Einschränkung des öffentlichen Spuckens (was durch Verhaltensbeeinflussung und u.a. durch die Aufstellung von Spucknäpfen befördert wurde). Ein Beispiel aus der Gegenwart ist die weitgehende Eindämmung der HIV-Epidemie in Nordeuropa durch massive Verhaltensbeeinflussung und -änderung in den am stärksten risikobehafteten Gruppen.
Präventive Maßnahmen können sich dabei sowohl auf körperliche Erkrankungen wie psychische Störungen beziehen. Unterschieden werden primäre, sekundäre und tertiäre Prävention. Eng verbunden mit "Prävention" ist auch das Konzept der Salutogenese. Dabei sind Verwechslungen der Ebenen und Typen von Maßnahmen ausgesprochen häufig; und der Sprachgebrauch, auch in wissenschaftlichen Publikationen, ist nicht immer eindeutig und konsent. Es empfiehlt sich deshalb, die Unterscheidung an einfachen Beispielen zu verdeutlichen.

Präventionsprogramme und psychosoziale Versorgung
Präventive Konzepte wurden im Rahmen der Reform der psychosozialen Versorgung und der Etablierung gemeindepsychologischer Präventionsansätze bereits Anfang der 70er Jahre entwickelt. Im deutschen Gesundheitssystem spielt die Prävention jedoch nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle, da der Schwerpunkt der Versorgung auf der kurativen Einzelfallbetreuung liegt. Staatliche Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge sind daher primär regulativer Art (soziale Kontrolle). Aufgrund der stetig anwachsenden Zahl chronisch kranker Patienten und nicht zuletzt durch die damit verbundene starke finanzielle Belastung für das Gesundheitswesen hat jedoch in den letzten Jahren das Interesse zugenommen, Krankheiten vor ihrer Entstehung zu verhindern oder Langzeitfolgen der Erkrankungen zu minimieren. Hohe Kosten entstehen vor allem aufgrund anhaltender Funktionseinschränkung verbunden mit Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit, Inanspruchnahme von Gesundheitsversorgungsleistungen (Arztbesuche, anhaltender Medikamentenkonsum). Mit der Etablierung der Gesundheitspsychologie”-Sektionen in psychologischen Instituten und der Einführung des Studienganges ”Public Health” konnte die Präventionsforschung in den letzten Jahren an universitäre Einrichtungen angegliedert werden.

Viele der primären Präventionsprogramme wenden sich an Personengruppen, deren Risiko, eine bestimmte Krankheit auszubilden, erhöht ist. Über die Veränderung individueller Verhaltensweisen oder -möglichkeiten soll die Wahrscheinlichkeit manifester Störungen verringert werden. Eine der Aufgaben der Prävention ist damit, diese Risikogruppen zu definieren und Risikobedingungen zu identifizieren. Unter Verwendung psychologischer und psychophysiologischer Methoden können Risikofaktoren, die kausal mit einer bestimmten Erkrankung in Zusammenhang stehen, und Risikoprädiktoren ausfindig gemacht werden. Anders als bei den Risikofaktoren kann bei den Risikoprädiktoren lediglich ein statistischer, jedoch kein kausaler Zusammenhang beschrieben werden. Studien zu unterschiedlichen Erkrankungen und Störungen machen deutlich, dass monokausale Erklärungsansätze selten ausreichend sind. Vielmehr ist eine Kombination dieser Variablen an der Ausbildung und Aufrechterhaltung von Krankheiten beteiligt. In interaktionistischen Modellen, die biologische, psychologische und soziale Faktoren gleichermaßen berücksichtigen, kann dieses Zusammenwirken beschrieben werden. So werden beispielsweise für das Auftreten einer Phobie eine dispositionelle Komponente, aber auch eine lerngeschichtliche Entwicklung (z.B. Erfahrungen von Hilf- und Kontrollosigkeit) in einem definierten sozialen Umfeld (z.B. ängstliche Modellpersonen) angenommen.

Katja Wiech und Wolfgang Heckmann