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Die Bachelor-Master-Umstellung

Noch klaffen Ziele und Realität ein Stück weit auseinander

Die Umstellung der traditionellen Studiengänge auf das zweistufige Bachelor-Master-System ist ein zentrales Programmziel des »Bologna-Prozesses«. In Bologna verabschiedeten 1999 die europäischen Bildungsminister eine Erklärung, wonach bis zum Jahre 2010 ein gemeinsamer europäischer Hochschulraum geschaffen werden soll. Ziele des politischen Programms sind: ein System leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse, das zweistufige Studiensystem und ein Leistungspunktesystem zur Bewertung des Arbeitsaufwandes der Studierenden europaweit. Die europaweite Mobilität von Studierenden und Lehrenden und die Verzahnung der europäischen Universitäten sollen durch weitere Maßnahmen gefördert werden. Deutschland strebt darüber hinaus die Senkung der Studienabbrecherquote und eine Verkürzung der Studiendauer an. Der Bologna-Prozess betrifft alle Disziplinen, und so werden seit 2004 immer mehr Studiengänge der Psychologie vom Diplom auf Bachelor/Master umgestellt.

Leistungspunkte vs. SWS
Im Unterschied zur Semesterwochenstunde (SWS) als zeitlicher Angabe der direkten Wissensvermittlung durch Lehrende beziehen sich Leistungspunkte nach dem European-Credit-Transfer-System (ECTS) auf den gesamten Arbeitsaufwand der Lernenden, einschließlich Vor- und Nachbereitung, Literaturstudium und Prüfungsleistung. Ein Leistungspunkt soll europaweit einem Arbeitsaufwand von 25 bis 30 Zeitstunden entsprechen. 60 Credits entsprechen demnach jährlich 1500 bis 1800 Stunden. Die Kultusministerkonferenz (KMK) empfiehlt einen Workload von 30 Stunden je Credit. In Berechnungen und Empfehlungen in Gremien der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen wurde der Arbeitsaufwand in Diplomstudiengängen der Psychologie zwischen 28 Stunden und 30,67 Stunden diskutiert; bei einer mittleren Variante wurden 44 Wochen x 40 h = 1760 h, 1 ECTS-Credit = 29,33 h berechnet.

Was unterscheidet das zweistufige Studiensystem vom Diplomstudiengang?
Beide Systeme führen auf fünfjährigemNiveau imHauptfachstudium zu gleichen Berufsrechten und enthalten den gleichenWorkload, unterscheiden sich aber imstrukturellen Aufbau, dem potenziellen Ausmaß kompetenzspezifischer Varianz und in der Außendarstellung deutlich.
Während Aufbau und Darstellung des Diplomstudiums ein fächerorientiertes Gesamtangebot mit Angaben zur Lehrzeit und zu den in fächerbezogenen kumulativen Prüfungen erzielten Noten bietet, werden im gestuften System die Inhalte der Fächer modulartig dargestellt und geprüft. Zusammen mit Wissen, Vermittlungsform, Prüfungsleistungsart und Workload werden die erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen idealiter, zu den Modulen zusammengefasst, im »diploma supplement « beschrieben.Mit der Umstellung findet nicht nur ein Paradigmenwechsel in der Steuerung der Hochschulbildung von einer Input- zu einer Output-Orientierung statt, sondern auch die Abkehr von weiten Teilen des Bildungsideals humboldtscher Prägung. Der kumulierte Anteil an praktischer Tätigkeit in den bisherigen fünfjährigen Bachelor- und Master-Programmen entspricht mit sechs Monaten dem der fünfjährigen Diplomstudiengänge. Eine stärkere Praxisorientierung analog zu angelsächsischenModellen kann mit der Umstellung auf das gestufte System zurzeit nicht beobachtet werden.
In Bachelor-Master-Studiengängen gehören eine klar gegliederte Ablaufstruktur, ein hohes Betreuungsangebot und Prüfungsleistungen in jedem Semester zum Studienalltag, in Diplomstudiengängen besteht hier ein Freiraum bzw. die Notwendigkeit zur selbstständigen Planung des Ablaufs und der Organisation der Lernzyklen. Mittelfristig bleibt das Diplom der häufigste Abschluss in Psychologie am Arbeitsmarkt. Erst in etwa 20 Jahren werden sich Psychologieabsolventen mitMasterund Diplomabschluss die Waage halten.
Im Unterschied zum Bachelor in Psychologie ist Neugier und Interesse der Arbeitgeber an den neuen Master- Abschlüssen deutlich zu vernehmen, aber bei beiden Niveaus stehen belastbare Erkenntnisse hinsichtlich der Attraktivität dieser Abschlüsse für die Psychologie noch aus, sodass die Akzeptanz noch nicht eingeschätzt werden kann.
Ob und wie sich im Vergleich der Systeme die Ausbildungsstruktur auf die realen Kompetenzen und ihre Passung auf (zukünftige) Arbeitsplatzanforderungen in den diversen psychologischen Arbeitsfeldern auswirkt, wird erst nach dem weitgehenden Abschluss des laufenden politischen Prozesses empirisch geklärt werden können.

Marten Knoch und Fredi Lang

Aus: Report Psychologie 7-8/2008