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Qualifikation und Berufschancen

Ein Überblick über die neuen Bachelor-Programme

Der Bachelor soll als »erster berufsqualifizierender Abschluss« (Kultusministerkonferenz 2008) den direkten Einstieg in den Beruf ermöglichen. Dieser in der Bologna-Erklärung eher allgemeiner als »employability « formulierte Anspruch muss hinsichtlich der Disziplinen und Berufe dekliniert werden und sorgt bisweilen für Verwirrung. In Disziplinen mit hoher Verantwortung wie Recht, Medizin und Psychologie ist für die eigenständige Berufsausübung europäisch und international ein mindestens fünf- bis sechsjähriges Niveau üblicher Standard, Tendenz steigend. Ähnlich wie bislang Vordiplomabsolventen in Deutschland werden im angelsächsischen Raum und international Absolventen des Bachelors in Psychologie nicht als professionelle Psychologen eingeordnet.
Der BDP tritt dafür ein, dass Absolventen eines Bachelor- Studiengangs in Psychologie bzw. einer ihrer Teildisziplinen nicht die mit dem professionellen Psychologen verbundene Berufsbezeichnung »Psychologin/Psychologe« führen.
In den vom BDP unterstützten Empfehlungen der DGPs wird für Bachelors eine Relevanz für den Arbeitsmarkt in der Qualifikation »für psychologische Routinetätigkeiten in der Regel unter der Verantwortung einer/eines Dipl.-Psych. oderM. Sc. in Psychologie« (2005, S. 6) beschrieben. Berufschancen für Bachelors liegen im Wesentlichen in Assistenztätigkeiten und selbstständigen Tätigkeiten unter Anleitung imRahmen der erworbenen spezifischen Kompetenzen. Mit der geringeren tariflichen Eingruppierung ergeben sich für Bachelor-Absolventen zudem Chancen in Bereichen, in denen Psychologen aus Kostengründen nicht oder selten tätig sind und psychologische Dienstleistungen in Delegation von anderen Berufsgruppen erbracht werden. Bachelors konkurrieren stärker mit Absolventen anderer Fachgruppen und besitzen imVergleich zu diesen ein höheres psychologisches und insbesonderemethodisches Kompetenzniveau. Man kann insofern von guten ersten Berufsaussichten für Bachelor der Psychologie ausgehen, unabhängig davon, dass mittelfristig der berufliche Aufstieg mit dem Master verbunden ist.

Aufbau des Studiums
Im Rahmen der KMK-Vorgaben ist der Spielraum der Universitäten bei der Gestaltung der gestuften Studiengänge hinsichtlich Fächer-Mix und Schwerpunktsetzung groß. Bei der Konzeption der Bachelor-Studiengänge berücksichtigt der Großteil der Universitäten die Empfehlungen der DGPs, die einen einheitlichen Bachelor- Studiengang ohne Spezialisierung vorsehen, der »eine breite Qualifikation für verschiedene Berufsfelder und eine maximale Flexibilität für ein nachfolgendes Studium »M. Sc. in Psychologie« ermöglicht« (DGPs, 2005, S. 6). Der Berufsorientierung des Bachelor-Studienganges soll durch Anwendungsfächer wie Klinische Psychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie oder Diagnostik Rechnung getragen werden. Die Konzentration auf die Sicherstellung einer soliden grundständigen Ausbildung löst den Zielkonflikt zwischen Vergleichbarkeit, Anschlussfähigkeit, Mobilität und Arbeitsmarktrelevanz am sinnvollsten.
Demgegenüber enthalten interdisziplinär und anwendungsorientierte Bachelor-Programme deutlich geringere Grundlagen in Psychologie, aber auch in den anderen Fächern. Sie sind damit nicht direkt anschlussfähig an disziplinär einschlägige Master-Programme oder an solche mit anderem Schwerpunkt (aufgrund des Umfangs auch meistens nicht mehr mit Brückenkursen).
Tragische Folgen entstehen, wenn die Vorstellungen zur Akzeptanz des neuen Profils am Arbeitsmarkt und dementsprechende Berufschancen nicht eintreffen. Eine Quotierung von Master-Studienplätzen in Psychologie würde sich zudem auf die Weiterbildungs- und Berufschancen stark interdiszipliär orientierter, aber auch eines Teils der vorgeschriebenen psychologischen Bachelors negativ auswirken.

Aufbau und Qualifikation des Masters
Vor der Wahl eines spezifischen Master-Programms ist eine Klärung der beruflichen Interessen sinnvoll, da im Unterschied zum Diplomstudium neben dem Hauptanwendungsfach andere Anwendungsfächer nicht als Vertiefung und z.T. auch nicht als Basisfach gelehrt werden.
Master-Programme haben in der Regel einen Schwerpunkt, der inhaltlich breiter und tiefer angelegt ist als die jeweilige Schwerpunktvertiefung im Diplom. Die Wahl des Master-Programms mündet in ein spezielles Arbeitsfeld; ein späterer Arbeitsfeldwechsel erfordert eventuell ein weiteres, aber kürzeres Weiterbildungsstudium oder einen zweiten Master.
Bezüglich Dauer und Kompetenzprofil können die Unterschiede zwischen denMaster-Abschlüssen sehr hoch ausfallen, da es der Universität überlassen ist, ob sie einen Master mit zwei, drei oder vier Semestern Regelstudienzeit anbietet und ob die vermittelte Methodenkompetenz eher wissenschaftlicher oder stärker anwendungsorientierter Natur ist.

Akkreditierung und Anerkennung der Programme
Die in den verschiedenen Akkreditierungsverfahren enthaltenen Qualitätssicherungsstrategien führen aufgrund des Gestaltungsspielraums der Universitäten nicht zwangsläufig zu einer Sicherstellung vergleichbarer Kompetenzprofile. Unabhängig von aktuellen Zulassungskriterien und Prozeduren bei neuen Studiengängen besteht jedoch ein prinzipieller Maßstab in der Vergleichbarkeit im europäischen und internationalen Raum und mit den traditionellen Studiengängen. Bei der Entscheidung über die Anerkennung eines neuen Studiengangs als Hauptfachstudium der Psychologie im Rahmen der BDP-Mitgliedschaftsprüfung und im Hinblick auf die spätere Anerkennungsfähigkeit als Euro-Psychologe legt der BDP die Kriterien des EuroPsy (europsy.de) zugrunde. Die Ausbildungsstandards im EuroPsy, getragen von der europäischen Psychologenvereinigung EFPA, enthalten Vorgaben zur ersten und zweiten akademischen Phase. Die Empfehlungen der DGPs stehen in Übereinstimmung mit dem EuroPsy, sodass die meisten neuen Programme anerkannt werden können. Die Bewertung von Anträgen auf Mitgliedschaft erfolgt durch den Verband nach den zwei Kriterien »Gesamtanteil in Psychologie« sowie »Ausmaß und Vollständigkeit in der Erfüllung des EuroPsy- Profils«. In der Detailprüfung wird der angegebene Studienworkload auch im Hinblick auf die Plausibilität der angegebenen Kalkulationsgrößen im Vergleich mit den allgemein üblichen Berechnungsgrößen betrachtet. Fernstudiengänge ohne Präsenzanteil werden aufgrund der fehlenden Persönlichkeitsbildung nicht anerkannt.
Die Nichtanerkennung von Studiengängen unterscheidet sich von der Akzeptanz individueller Bildungsprofile insofern, als durchWahlpflichtfächer, Brückenkurse beziehungsweise durch Master-Programme mit sehr hohem Psychologieanteil die Lücken von Bachelor-Programmen in der individuellen Bildungskarriere ggf. geschlossen werden können.
Mit neuen kreativen Studien- und Berufsprofilen sind sowohl Chancen als auch Risiken verbunden. Während die Chancen noch nicht eingeschätztwerden können,müssen Studieninteressenten über potenzielle Risiken im Sinne der Transparenz und informationsbasierten Entscheidungsfindung aufgeklärt werden. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, als die Bewerbung der ungewöhnlichen Studiengänge nicht selten mit rosigen Schilderungen zu Kompetenzen und Berufschancen versehen ist. Der BDP greift daher die Aufgabe auf, Listenmit anerkennungsfähigen undmit nicht als Hauptfachstudiumder Psychologie im Sinne des EuroPsy anerkannten Studiengängen vorzulegen. Während die längere Positivliste der vom BDP anerkannten Studiengänge imInternet veröffentlichtwird, sollen hier die vomBDP nicht als Psychologie-vollwertig anerkannten Studiengänge aufgeführtwerden. (s. auch Tabelle) Die Ablehnung erfolgt entweder auf Basis einer ausführlichen Bewertung öffentlich verfügbarer und angeforderter Materialien oder aufgrund der Tatsache, dass diese mangelhaft sind oder gänzlich fehlen. Aktuell noch imAufbau befindliche Studiengänge sind ausgenommen. Die folgenden Studiengänge werden in der aktuellen Fassung vom BDP nicht als Studium der Psychologie anerkannt.
Bachelor-Programme:
Jacobs Uni/Bremen, Fachhochschule für angewandtes Management/Erdingen, Uni Erfurt, FH Fresenius, SRH Hochschule/Heidelberg, BITS/Iserlohn, UMC/Potsdam, FH Harz/Wernigerode
Master-Programme:
Fachhochschule für angewandtesManagement/Erdingen, BITS/Iserlohn, SRH Hochschule/Heidelberg, LMU/München (Psychology of Excellence), Hochschule Vechta (Familienpsychologie). Ein im Hinblick auf werbliche Darstellung und Fächermischung beachtenswertes Konzept hat die Hochschule Vechta mit ihrem dreijährigen weiterbildenden »Master of Science« in Familienpsychologie vorgelegt. Der berufsbegleitende Studiengang richtet sich an »Psychologen, Pädagogen, Sozialarbeiter, Ärzte, Pastoren u.a« und wird simultan in Vechta und Seoul/Korea angeboten, wobei die Studierenden die Möglichkeit haben sollen, zwischen den Standorten zu wechseln. Trotz des berufsbegleitendem Teilzeitstudiums sollen statt 90 insgesamt 120 Leistungspunkte erworben werden können, was einem Arbeitsaufwand von 3 600 Stunden entspricht. Zudem soll im am Wochenende stattfindenden Studium eine »intensive praktische paar- und familientherapeutische Ausbildung« vermittelt werden. Der Abschluss soll »einen Zugang zu Approbationsweiterbildung, Staatsexamen und Kassenzulassung für psychologische Psychotherapeuten « ermöglichen. Dies spricht angesichts der Zielgruppe für die berufsrechtliche Inkompetenz der Verantwortlichen, da noch nicht einmal für die Psychologen die in der rechtlichen Interpretation des PsychThG gebotene Äquivalenz zum Diplom gewährleistet ist.

Aktuelle Situation
Im Wintersemester 2006/2007 wurden an deutschen Hochschulen 45% des gesamten Studienangebots bei knapp 20% Studierendenanteil in Form von Bachelor- und Master-Studiengängen angeboten. Bei den psychologischen Studiengängen bieten aktuell über zwei Drittel der psychologischen Institute in Deutschland Studienanfängern nur noch das gestufte System an (siehe Grafik).
Die mit dem gestuften System erhoffte Reduzierung der Studienabbrecher bei den ersten Kohorten 2001 bis 2004 konnte nicht beobachtet werden. Die Hochschul- Informations-System GmbH (HIS) kommt in einer aktuellen Studie (2008) zu dem Ergebnis, dass die Studienabbruchquote bei den Bachelor-Studiengängen 2006 mit 30% (UNI 25%, FH 39%) im Vergleich zur Abbruchquote aller Studiengänge (21%) stark erhöht war. Die Betrachtung einzelner Fachrichtungen ergibt jedoch ein heterogenes Bild. So ist die Quote der Studienabbrecher beispielsweise in den Sozialwissenschaften deutlich gesunken. Für die erst später umgestellten Psychologiestudiengänge liegen noch keine Daten vor.
Die gleichzeitige Organisation von zwei Studiengängen verlangt einen erheblichen Mehraufwand von Verwaltung und Lehrenden, was zu einer Reduktion der Lehrveranstaltungen im Diplomstudiengang führt. Zudem ist der Betreuungsaufwand im Bachelor-Studiengang höher, da im Vergleich zum Diplomstudium ein Vielfaches an Prüfungen und Klausuren abgenommen wird. Die prinzipiell begrüßenswerte Erhöhung der Betreuungskapazitäten verstärkt allerdings potenzielle Spannungen unter den Diplom- bzw. Bachelor-/Master-Studenten und belastet damit auch die gegenseitige Akzeptanz. Bei der Aufgabe der Integration der zukünftig stärkeren Vielfalt im Berufsbild sind nicht nur Fairness und Respekt der Berufsangehörigen erforderlich, sondern auch eine moderierende Funktion der Psychologenvereinigungen und der Lehrstühle.

Marten Knoch und Fredi Lang

Aus: Report Psychologie 7-8/2008