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Pressemitteilung
Nr. 27/11
8. Dezember 2011

SOS – Helfer in Not

Schluss mit der Ausbeutung der Psychotherapeuten in Ausbildung

Honorierung und Status der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) müssen endlich geklärt werden. Das fordern die PiA jetzt bundesweit bei einer Aktionswoche, die sich gegen die unhaltbaren Zustände wendet. „Wir PiA haben ein fundiertes wissenschaftliches Studium der Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik abgeschlossen und erhalten während der praktischen Tätigkeit im Rahmen der Ausbildung zum Psychotherapeuten sehr wenig oder gar keine Entlohnung. Dabei leisten wir vollwertige und qualifizierte Arbeit. Das ist unwürdig und unhaltbar“, sagte in Berlin der Sprecher der Bundeskonferenz PiA Dipl.-Psych. Robin Siegel. Unterstützung bei der bundesweiten Aktion erhalten die PiA von der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), dem Verband Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im BDP e.V. (VPP) und der Gewerkschaft ver.di.

Gerade auch angesichts des zunehmenden Bedarfs psychotherapeutischer Versorgung der Bevölkerung „ist es völlig unverständlich, dass von Seiten der Politik hier keine verbindlichen und angemessenen Regelungen geschaffen werden“, sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende der DPtV, Dipl.-Psych. Barbara Lubisch, anlässlich des Protestes. „Die PiA verdienen in dieser Situation unsere Solidarität“, bekräftigte die Bundesvorsitzende des VPP, Dipl.-Psych. Eva Schweitzer-Köhn. „Ohne angemessene Vergütung können sich die PiA ihrer verantwortungsvollen Arbeit nicht vollständig widmen, sondern müssen mit anderer Erwerbstätigkeit ihren Unterhalt sichern, das ist unhaltbar“, sagte Gerd Dielmann von ver.di.

Der Gesetzgeber hat mit dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG) 1999 die Berufsbezeichnung gesetzlich geschützt und die Einbeziehung der Psychotherapie in das System der gesetzlichen Krankenversicherung geregelt. Hinsichtlich der Ausbildung wurden aber viele Dinge nicht eindeutig festgelegt, sondern in einer ‚Grauzone‘ belassen. „Das wird von Kliniken und Ausbildungsinstituten ausgenützt und missbraucht“, verdeutlichte Lubisch. Die gesetzlichen Regelungen ermöglichen den Einsatz der angehenden Psychotherapeuten als eine Art Praktikanten, obwohl alle PiA vor Beginn ihrer Psychotherapie-Ausbildung schon einen akademischen Abschluss erworben haben. Eingesetzt werden die PiA zu hochspezialisierten Aufgaben wie Befunderhebung, Indikationsstellung, Therapieplanung, eigenständige Durchführung von Einzel- und Gruppentherapien. Die Tätigkeit von PiA ist mit der von Assistenzärzten in der Weiterbildungszeit vergleichbar. „Eine angemessene Vergütung wie im Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst in Entgeltgruppe 13 TVöD festgelegt, sollte selbstverständlich sein“ forderte PiA-Sprecher Siegel. „Um die Unschärfen in den gesetzlichen Bestimmungen zu verbessern braucht es eine Reform des Psychotherapeutengesetzes. Darin sollte die Erteilung einer Behandlungserlaubnis vorgesehen werden, die der tatsächlichen Tätigkeit Rechnung trägt und einen Rechtsanspruch auf eine angemessene Vergütung begründet“, verdeutlichte Lubisch.

VPP-Vorsitzende Schweitzer-Köhn betonte: „Was als Ausbildung am Patienten konzipiert war, ist in der Praxis oft die Ausbeutung von zukünftigen Psychotherapeuten ohne Bezahlung durch Kliniken, oft bleiben dabei sogar die fachliche Betreuung und Supervision auf der Strecke“.

Lubisch und Schweitzer-Köhn verdeutlichten nachdrücklich, wie wichtig es für die Versorgung der Bevölkerung ist, dass gut ausgebildeter Psychotherapeuten-Nachwuchs heranwächst und nicht durch unsinnige Hürden behindert wird. Dies ist ein Anliegen des gesamten Berufsstandes des Psychotherapeuten, nicht nur der PiA .

Dielmann bekräftigte ausdrücklich die Unterstützung bei den aktuellen Aktionen durch ver.di. Es sei wichtig für die praktische Tätigkeit zu tariflichen Regelungen zu kommen.

Der Protest der PiA findet in Berlin, Frankfurt/Main, Hannover und Köln statt. Gefordert werden deutliche Veränderungen und eindeutige rechtliche Regelungen für Status und Vergütung. Die Ausbildung zum Psychotherapeuten dauert nach abgeschlossenem Studium drei bis fünf Jahre und erfolgt postgradual an privaten Instituten. Dabei entstehen Kosten von 22.000 bis 50.000 Euro, die selber getragen werden müssen. Die Ausbildung beinhaltet neben einem theoretischen Teil auch 1.800 Stunden praktische Tätigkeit, die an psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken absolviert werden müssen. Diese praktische Arbeit wird schlecht oder gar nicht vergütet. Gängige Unterstützungstöpfe wie BAföG und Berufsausbildungsbeihilfe wurden gesetzlich ausgeschlossen. Am Ende der Ausbildung steht die Approbation, die die selbständige psychotherapeutische Tätigkeit erlaubt und z.B. unter der Voraussetzung, dass ein "Kassensitz" frei ist und erstanden werden kann, eine Niederlassung in eigener Praxis erlaubt.

Insgesamt befinden sich derzeit rund 13.000 PiAs in der Ausbildung.


Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Tel. 030 - 209 166 620
Fax: 030 - 209 166 680
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