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Pressemitteilung
Nr. 11/09
21. September 2009

Psychedelische Drogen zu nehmen ist keine Psychotherapie!

BDP zum Berliner Drogen-Arzt und zum Amokläufer in Ansbach

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen weist darauf hin, dass die "Behandlungen", von denen in den letzten Tagen die Rede im Umfeld des Berliner Arztes und auch des Amokläufers aus Ansbach war, in keiner Weise etwas mit "Psychotherapie" zu tun haben, und er fordert die Medien auf, sorgsamer mit den Begrifflichkeiten umzugehen.

Laszlo A. Pota, Vizepräsident des BDP und selbst Psychotherapeut und Suchttherapeut: "In der Psychotherapie geht es im Kern um Beziehungsarbeit. Es geht darum, dass Menschen in einem Zeitraum von mehreren Wochen, Monaten oder Jahren eine hilfreiche Beziehung zum Psychotherapeuten aufbauen und diese als heilsam erleben können. In den psychotherapeutischen Gesprächen geht es um das Reflektieren des eigenen Erlebens und Verhaltens. Dabei ist das Gespräch, die Reflektion ein wesentliches Merkmal, auf das nicht verzichtet werden kann, wenn man Menschen zu Veränderungen bringen will. Psychopharmaka z.B. gegen Depressionen zu nehmen, kann Psychotherapie unterstützen, aber sie ersetzen das Gespräch nicht.

In den Medien wird derzeit berichtet, dass der Ansbacher Amokläufer "in psychotherapeutischer Behandlung" war. Offensichtlich hat er aber nur Medikamente gegen seelische Beschwerden oder gegen eine seelische Erkrankung erhalten (sogenannte Psychopharmaka). Die Behandlung mit Psychopharmaka wird im Gegensatz zu einer psychotherapeutischen Behandlung als psychiatrische Behandlung bezeichnet. Sie setzt auf neurologische Veränderungen im Gehirn durch die Substanzgabe.

Durch die Psychopharmaka, die eine Dämpfung psychischen Leidens bewirken können, können krisenhaften Reaktionen oder Planungen von Rache- und Gewalttaten aber nicht vorgebeugt werden.

Pota: "Psychotherapie funktioniert genau umgekehrt: Ich baue eine Beziehung zum Patienten auf und begleite ihn bei seinem Entwicklungsprozess." Die Neurologie hat mittlerweile nachweisen können, dass sich solche Veränderungen auch in der Veränderung neuronaler Strukturen im Gehirn nachvollziehen lassen. "Es ist aber ein viel zu einfaches Bild vom Gehirn und von menschlichen Prozessen, wenn man annimmt, durch die recht primitive Art der Medikamentengabe so komplexe Strukturen wie die im Gehirn zu verändern, vor allem Strukturen, die sich während mehrerer Jahrzehnte durch Erfahrungen entwickelt haben."

Pota weiter: "Vor Ort seien in Ansbach jetzt vor allem Notfallpsychologen notwendig, die die Menschen auffangen und unterstützen. Ein Team von rund zehn Notfallpsychologen ist bereits in Ansbach tätig."

Völlig abwegig ist es, im Falle der Berliner Gruppe von Patienten, die am Wochenende bei einem Allgemeinarzt zu Tode gekommen oder schwere Schäden erlitten haben, von einer "Psychotherapie-Gruppe" zu sprechen. Pota: "Die wissenschaftliche Psychotherapie, wie sie von den deutschen Krankenkassen erstattet wird, hat mit all dem rein gar nichts zu tun. Nichts rechtfertigt es, diese obskure und gefährliche ‚Behandlung’ mit dem klar definierten Begriff Psychotherapie in Zusammenhang zu bringen." Pota spricht hier von "einem experimentellen und höchst gefährlichen Vorgehen mit hohem Risiken bei völlig unklarem Nutzen.

Der BDP warnt vor den Folgen der sogenannten psycholytischen Behandlung: "Psychoaktive Substanzen könnten dabei helfen, sich die Welt schöner zu malen, aber sie helfen kein einziges Problem zu lösen - auch dann nicht, wenn sie vom Fachmann verordnet werden würden," so Pota. "Ich rate von einer solchen, im übrigen verbotenen Therapieform dringend ab. Denn es wird mit nicht verschreibungsfähigen Methoden und Substanzen operiert und in einem solchen Fall sollte die Arztzulassung entzogen werden."

Um nicht an ein schwarzes Schaf unter den vielen Behandlern zu geraten, rät der BDP, dass Menschen mit psychischen Schwierigkeiten genau auf den Titel achten sollten; der Berliner Arzt war lediglich als Allgemeinarzt zugelassen. "Menschen mit psychotherapeutischer Thematik gehören zu einem psychologischen oder einem ärztlichen Psychotherapeuten", so Pota.

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen
Fredi Lang, Referent für Fachpolitik
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Tel. 030 - 209 166 630
E-Mail: f.lang@bdp-verband.de
Tel. 030 - 209 166 630
Laszlo Pota: Tel. 0173 - 260 17 75