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Pressemitteilung
Nr. 06/09
17. Mai 2009
Menschenversuche sind mit unserer Ethik unvereinbar
Berufsverband Deutscher
Psychologen fordert Absetzung der RTL-Serie "Erwachsen
auf Probe"
Empört haben Psychologinnen und Psychologen aus der gesamten Bundesrepublik
am Wochenende bei der Delegiertenkonferenz ihres Berufsverbandes - des BDP
- auf die von RTL angekündigte Serie "Erwachsen auf Probe" reagiert.
Aus kommerziellem Interesse werden hier Menschenversuche unternommen, deren
psychische Folgen für die Beteiligten nicht absehbar sind, kritisiert
der BDP und fragt: "Sind wir schon wieder so weit, dass Experimente
mit Menschen von der Gesellschaft akzeptiert werden?"
Wenn Säuglinge und Kleinkinder für mehrere Tage aus ihrer vertrauten
Umgebung gerissen, von ihren Eltern getrennt und stattdessen Teenagern anvertraut
werden, die sich in der Elternrolle ausprobieren wollen, so ist das mit den
ethischen Grundsätzen von Psychologinnen und Psychologen des BDP absolut
unvereinbar und verstößt zudem gegen Wertvorstellungen, wie sie lange
Zeit in Deutschland Konsens waren. Verschärfend komme in diesem Fall
dazu, dass es sich um Kinder handelt, die sich diesen Experimenten nicht
widersetzen können und die sich in einer sehr sensiblen Lebensphase
befinden. In diesem Frühstadium der Entwicklung werde die Trennung von
den wichtigsten Bezugspersonen rund um die Uhr als extrem bedrohlich empfunden
und könne zu Traumatisierungen und Bindungsstörungen führen.
Die möglichen Langzeitfolgen solcher Experimente - evtl. Traumata, lebenslange
Verlustängste, Depressionen oder Hyperaktivität - zeigten sich
erst mit großer Verzögerung.
Der BDP fordert RTL auf, die Arbeiten an der Sendereihe sofort einzustellen
und die beabsichtigten Sendetermine zu streichen.
Welcher Schaden bereits angerichtet worden ist, kann der Verband aus Mangel
an detaillierten Informationen nicht einschätzen, setzt sich aber dafür
ein, dass involvierte Kinder und Eltern in jedem Fall die Möglichkeit
erhalten, sich professionell beraten zu lassen.
Aus Sicht des BDP mildert die Anwesenheit von Psychologinnen in keiner Weise
die Einordnung der TV- Sendung als Missbrauch von Kindern aus kommerziellen
Erwägungen. Auch die beteiligten Jugendlichen blieben nicht unversehrt,
wenn man sie in voyeuristischer Absicht einem eklatanten Scheitern im Umgang
mit einem hilflosen Wesen aussetzt und damit womöglich ihre Entscheidung
für oder gegen Kinder im weiteren Leben negativ beeinflusst.
Das Argument, die Eltern hätten sich und ihre Kinder freiwillig für
die Sendereihe zur Verfügung gestellt, weist der Verband als nicht stichhaltig
zurück. Ganz offensichtlich waren sich die Eltern der möglichen
Spätfolgen für die Gesundheit ihrer Kinder nicht bewusst. Diese
Unkenntnis ausgenutzt zu haben, ist RTL ebenfalls vorzuwerfen. Dass der Sender
davon ausgehen konnte, sich im Rahmen geltender Mediengesetze zu bewegen,
sollte den Gesetzgeber auf den Plan rufen.
Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Tel. 030 - 209 166 620
Fax: 030 - 209 166 680
E-Mail: presse@bdp-verband.de
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