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Pressemitteilung
Nr. 09/08
9. September 2008
Ohne Lehrer keine Reformen
18. Bundeskongress für Schulpsychologie stellt Lehrergesundheit
in den Mittelpunkt
Schule kann krank machen. Immer mehr Schüler und Lehrer
halten dem wachsenden Druck und den steigenden Anforderungen nicht stand. "Gute
Schule - gesunde Schule" haben die Schulpsychologinnen und -psychologen
im BDP deshalb zum Thema ihres 18. Bundeskongresses gemacht. Zu dem vom 24.
bis 26. September in Stuttgart stattfindenden Kongress werden 300 Schulpsychologen
aus Deutschland sowie international renommierte Experten erwartet.
"Wer es ernst meint mit Reformen im Bildungssystem", so der Vorsitzende
der Sektion Schulpsychologie im BDP, Stefan Drewes, "muss sich um diejenigen
kümmern, die diese Reformen letztlich in der Praxis umsetzen sollen:
die Lehrer. Sie sind von enormer Bedeutung für die Bildung und Entwicklung
der Kinder und Jugendlichen und stehen bei diesem Kongress im Mittelpunkt." Ihre
Bedeutung wird aus Sicht des BDP noch wachsen, wird doch von den Lehrkräften
erwartet, dass sie noch stärker Erziehungsaufgaben übernehmen,
noch mehr Gespräche mit Schülern und Eltern führen, kollegiale
Absprachen treffen, kurz: noch mehr Präsenz in der Schule zeigen. Wie
sie das bewerkstelligen sollen, wird selten thematisiert. Stattdessen stehe
- so Drewes - kaum eine andere Berufsgruppe so oft in der öffentlichen
Kritik wie die Lehrer.
Durch wissenschaftliche Studien ist belegt, dass Vollzeitlehrer wöchentliche
Arbeitszeiten von 50 Stunden haben und steigenden Belastungen ausgesetzt
sind, die sich u.a. in einer erhöhten Zahl psychischer Erkrankungen
niederschlagen. Betriebliche Gesundheitsförderung ist in Schulen allerdings
noch selten anzutreffen. Weniger als 20% der Lehrer sind laut jüngsten
Untersuchungen in der Lage, mit den Anforderungen so umzugehen, dass ihre
Gesundheit erhalten bleibt. "Während in vielen Bereichen der Wirtschaft
bei vergleichbaren Belastungen Coaching als probates Mittel anerkannt ist,
wird von Lehrern erwartet, geborene Problemlöser zu sein, die ohne fremde
Hilfe immer neue Aufgaben begeistert angehen und aggressiven Anfeindungen
von Schülern, Kollegen und Eltern lächelnd begegnen."
Schulpsychologen kennen das Arbeitsumfeld; sie sind mit dem System Schule
vertraut und verfügen über die Kompetenz, belastende Arbeitsbedingungen
zu analysieren und an Veränderungen mitzuwirken. Durch individuelle
Beratung von Schulleitungen und Lehrern können sie darüber hinaus
Menschen so trainieren, dass sie mit Stress besser umgehen können. Durch
die - verglichen mit anderen Ländern Europas - beschämend niedrige
Zahl von Schulpsychologen in Deutschland konnte den Lehrern bisher jedoch
nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt werden. In Konkurrenz mit
hilfebedürftigen Schülern haben Letztere immer Priorität.
Solange im Bundesdurchschnitt ein Schulpsychologe für 14.500 Schüler
+ 1.600 Lehrer zuständig ist, sieht Drewes nur begrenzte Chancen dies
zu ändern.
Vier Themenkomplexe bestimmen des Kongressprogramm: "Schulentwicklung
und Gesundheit", "Coaching und Supervision", "Mobbing,
Stress und Burnout" sowie "Schulleitung und Personalführung".
Auf all diesen Gebieten wollen die Teilnehmer sich mit den Fakten beschäftigen,
auf aktuelle wissenschaftliche Studien schauen, aber auch Wege weisen, wie
Lehrer Belastungen reduzieren und mit den unvermeidbaren besser umgehen können. "Wir
wollen die anstehenden Reformen im deutschen Bildungswesen optimal unterstützen
und begleiten" betont Stefan Drewes, "und die Öffentlichkeit
stärker für die Problematik sensibilisieren."
Weitere Infos unter: www.psychologietagungen.de/buko2008
Ansprechpartner:
Stefan Drewes, Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie im BDP
Tel. 0211 - 89 95 340
E-Mail: stefan.drewes@bdp-schulpsychologie.de
Christa Schaffmann, Pressesprecherin
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