Der 
Verband
Politik
Publikationen
Profession

Presse
  Pressemitteilungen
  Expertenvermittlung
  Report Psychologie
  Publikationen
Termine

Mitgliedschaft
Mitgliederbereich
Stellenbörse
Praktikumsbörse

Sektionen
Landesgruppen
BV Studierende
BV Studierende

Psychologenakademie
Verlag
Wirtschaftsdienst
Haus der Psychologie
Akademie




    Facebook Twitter
XING LinkedIn
      Kontakt
      Impressum
      Datenschutz
      Sitemap




Pressemitteilung
Nr. 12/07
27. Oktober 2007

Prof. Klaus Schneewind ausgezeichnet

Begründer der Familienpsychologie erhält Hugo-Münsterberg-Medaille des BDP

Für seine Verdienste um die Familien- und Erziehungspsychologie wurde am 27. Oktober im Münchner Literaturhaus Prof. Klaus Schneewind mit der Hugo-Münsterberg-Medaille des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) geehrt. Anlässlich der Preisverleihung fand ein Symposium zum Thema "Der Stellenwert der Familie und Partnerschaft in einer sich wandelnden Welt" statt, an dem namhafte Wissenschaftler, darunter Prof. Meinrad Perrez von der Universität Fribourg und Prof. Gil Noam von der Harvard Universität teilnahmen.
In seiner Laudation würdigte Prof. Leo Montada von der Universität Trier den Preisträger, als Begründer der Familienpsychologie als wissenschaftliche Disziplin. Dieser Disziplin habe Schneewind sich verschrieben und ungemein motivierend und befruchtend gewirkt durch seine eigenen Forschungen und Publikationen. "Er hat der Familienpsychologie auf hohem wissenschaftlichen Niveau in der Politikberatung Beachtung verschafft und die deutschen Forschungen auf diesem Gebiet international zur Geltung gebracht", sagte Montada.

Schon vor 25 Jahren habe er systemische Familienforschung betrieben. Mit Blick nicht zuletzt auf die aktuelle Debatte um Kinderkrippen und Kinderbetreuung erklärte er: "Ohne systemisches Wissen können die einen behaupten, die soziologisch und ökonomisch zu erfassenden außerfamilialen Kontextfaktoren seien entscheidend für eine gute Entwicklung. Andere können behaupten, Dispositionen und Kompetenzen der Eltern seien entscheidend, wieder andere, die Anlagen der Kinder seien entscheidend."
Mit solchen einseitigen Überzeugungen, kritisierte der Laudator, werde praktisch gehandelt - auf der politischen, den institutionellen und den privaten persönlichen Ebenen.
Große Anerkennung zollte Montada der langjährigen Tätigkeit Klaus Schneewinds im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesfamilienministeriums. Seit 1978 habe er sich in diesem Beirat engagiert, der sehr produktiv war, "auch wenn die Politik die erstellten Gutachten und erarbeiteten Optionen nur ausschnittweise aufgriffen hat".
Seine Arbeiten seien eine Demonstration des Mehrwertes durch Zusammenführen verschiedener Disziplinen, durch Aufzeigen, dass es unterschiedliche Sichten auf einen Gegenstand gibt, die durchaus unterschiedliche Erkenntnisse über den Gegenstand eröffnen und die alle praktische Relevanz haben können. Das gelte für die verschiedenen Teildisziplinen der Psychologie ebenso wie für die Sichten und Informationen aus anderen Disziplinen.

Prof. Klaus Schneewind bedankte sich mit einem Festvortrag für die hohe Auszeichnung. Darin ging er auf die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlich propagierten Bedeutung von "Familie" ein und der Akzeptanz bzw. Sichtbarkeit von Familienpsychologie. Kritisch schaute er auf die Gründe für das Stiefkind-Dasein der Familienpsychologie. Er machte anhand von Beispielen aus der eigenen Arbeit das Potenzial des Faches für die Anwendung in der Praxis in der Gestaltung von Paarbeziehungen und Eltern-Kind-Beziehungen deutlich.

***

Die Hugo-Münsterberg-Medaille wird seit 1981 alle zwei Jahre vergeben. Namhafte Preisträger waren u.a. Carl Graf Hoyos, Klaus Grawe, Jürgen Guthke, Erna Duhm und Reinhardt Tausch. Schneewind steht mit der Verbindung von psychologischer Grundlagen- und Anwendungsforschung klar in der Tradition Münsterbergs. 1939 in Nürnberg geboren, hat Klaus Schneewind an der Universität Erlangen Psychologie studiert, war dann zu einem längeren Forschungsaufenthalt an der University of Illinois und promovierte danach 1966 in Erlangen. 1970 wurde er auf eine der Gründungs-Professuren des Faches Psychologie an die Universität Trier berufen. 1975 wechselte er an die Ludwig-Maximilians-Universität München, an der er bis heute in den Bereichen der Persönlichkeitspsychologie, Psychologischen Diagnostik sowie Familienpsychologie und -therapie forscht und lehrt.
Neben grundlegenden Arbeiten zur Persönlichkeitspsychologie, zu denen etwa wichtige Veröffentlichungen zur Sozialen Lerntheorie der Persönlichkeit und zum Konzept der Kontrollüberzeugungen - beides hat Schneewind im deutschsprachigen Raum überhaupt erst bekannt gemacht - sowie sein zweibändiges Lehrbuch zu "Persönlichkeitstheorien" gehören, hat er sich bereits in den 70er Jahren der Erziehungsstil- und Familienforschung zugewandt und ist mit seinem Team im deutschsprachigen Raum auf diesem Gebiet wegweisend geworden.
Seine Forschungsarbeiten sind jedoch erheblich breiter angelegt: In Kooperation mit Medizinern hat er etwa psychologische Aspekte der Lebendnierenspende untersucht, zusammen mit Raymond B. Cattell, G. Schroeder und J. Graf zeichnet er für die deutsche Version des 16-Persönlichkeits-Faktorentests (16 PF) verantwortlich. Dass ihm dabei stets neben der persönlichkeits- und familienpsychologischen Grundlagenforschung die Anwendungspraxis der Psychologie besonders wichtig war, ist nicht nur an den zahlreichen psychodiagnostischen Verfahren zu erkennen, deren Entwicklung er vorangetrieben hat, sondern insbesondere auch an seinen Aktivitäten im Bereich von Ratgeber- und Trainingsmaterialien für Eltern, die auf Video und CD-ROM verfügbar sind.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5, 10117 Berlin
Tel. 030 - 209 149 59
Fax: 030 - 209 149 66
E-Mail: presse@bdp-verband.org