Der 
Verband
Politik
Publikationen
Profession

Presse
  Pressemitteilungen
  Expertenvermittlung
  Report Psychologie
  Publikationen
Termine

Mitgliedschaft
Mitgliederbereich
Stellenbörse
Praktikumsbörse

Sektionen
Landesgruppen
BV Studierende
BV Studierende

Psychologenakademie
Verlag
Wirtschaftsdienst
Haus der Psychologie
Akademie




    Facebook Twitter
XING LinkedIn
      Kontakt
      Impressum
      Datenschutz
      Sitemap




Pressemitteilung
Nr. 24/06
21. November 2006

Investieren statt verbieten

Psychologen warnen nach dem Amoklauf von Emsdetten vor Nachahmungstätern

Nach Meinung des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP) gibt es mehr potenzielle Amokläufer an deutschen Schulen, als die Öffentlichkeit wahrhaben wolle. Vor allem aber gebe es viel mehr Ausgegrenzte, viel mehr Jugendliche, die sich als Verlierer begreifen bzw. zu Verlierern werden durch die Schule. Einer Untersuchung der Universität München zufolge hat jede Schulklasse ein bis zwei Mobbing-Opfer - Jugendliche, die sich als Ausgestoßene fühlen. Es sind nach den Worten der Vorsitzenden der Sektion Schulpsychologie, Elfriede Mittag, seelisch Verletzte, deren "Wunden" immer wieder aufgerissen werden durch Zurückweisungen und Abwertungen, die sie zu Hause und/oder in der Schule erleben. Sie brauchten dringend psychologische Hilfe. Diese könne ihnen aber nur dort zuteil werden kann, wo Schulpsychologen präsent sind.
Nach dem Amoklauf in Erfurt 2002 hatten Politiker für jede Schule einen Schulpsychologen gefordert. Aber die wenigen in Thüringen zusätzlich eingestellten Kolleginnen und Kollegen wurden nach 18 Monaten wieder entlassen. Der BDP ist sich einig mit dem Lehrerverband, dass die Politik es nach Erfurt bei schönen Absichtserklärungen belassen hat und Forderungen nach mehr Schulpsychologen nicht nur zur Krisenbewältigung, sondern zur täglichen Verbesserung des Schulklimas, zur Moderation von Prozessen und zur Entwicklung einer Förderkultur ungehört verhallten. "Nirgendwo in Deutschland gab es einen Ausbau der Schulpsychologie als Stützsystem für Schulen. Im Gegenteil: Freiwerdende Stellen werden oft nicht wieder besetzt. Deutschlands als eines der reichsten Länder leistet sich hier im europäischen Vergleich den letzten Platz", stellt Elfriede Mittag fest.
Mit Blick auf eine ganze Reihe suizidgefährdeter Jugendlicher warnt der BDP vor Nachahmungstätern. Ohne eine gewisse Medienverwahrlosung negieren zu wollen, sieht der Verband die Lösung nicht vordergründig im Verbot von Handys und MP3-Playern auf dem Schulgelände und auch nicht in der Präsenz von Polizei in Schulen, wie zum Teil in den USA. Richtige Prävention koste leider etwas mehr Geld und verlange gut ausgebildete Fachkräfte. Sie könnten zum Beispiel Ausgrenzung erkennen und rechtzeitig gegensteuern.
Auch wenn Länder und Kommunen sparen müssen, so sollten sie dies nicht am falschen Ende tun. Investitionen in das Schulsystem und die Schulpsychologie bringen nach den Worten von Elfriede Mittag hohe Renditen: Sie sparen die Kosten für die "Reparatur" von Schulversagen, ermöglichen erfolgreiche Berufskarrieren und damit Steuereinnahmen und - sie können Leben retten.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 209 149 59
Fax: (49) 30 - 209 149 66
E-Mail: presse@bdp-verband.org