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Pressemitteilung
Nr. 01/06
9. Januar 2006

Früh erkennen ist gut, aber was kommt danach?

Psychologen unterstützen Vorschlag von Ursula von der Leyen
BDP fordert solide Konzeptentwicklung

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) unterstützt den Vorschlag von Bundesministerin Ursula von der Leyen zur Einrichtung eines "Frühwarnsystems" gegen Kindesmisshandlungen. Es müssen Lehren aus den zahlreichen Fällen von Vernachlässigung und Misshandlung gezogen werden, so der Präsidiumsbeauftragte für Kindeswohl und Kinderrechte des BDP, Dr. Klaus Neumann. Der Verband sieht nach seinen Worten in den angedachten Vorsorgeuntersuchungen keinen Eingriff in das verfassungsmäßig garantierte Elternrecht. Die Gesundheitsfürsorge für Kinder hat aus Sicht des BDP Vorrang vor dem Sorgerecht der Eltern, wenn die Eltern selbst ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Kindern ohne Hilfe von Dritten nicht nachkommen können.
Bei der Gestaltung eines effektiven "Frühwarnsystems" fordert der BDP Sorgfalt. Die Schätzung von Unicef, wonach in Deutschland jede Woche zwei Kinder infolge von Misshandlung oder Vernachlässigung sterben, dürfe ebenso wenig wie die jüngsten dicht aufeinander folgenden Nachrichten über drastische Fälle von Verwahrlosung zum Verzicht auf eine solide Konzeptentwicklung verleiten. Der BDP ist überzeugt, dass dieses komplizierte Thema psychologische Kompetenz erfordert und ist deshalb bereit, sich an der Ausarbeitung von Strategien und ihrer Umsetzung zu beteiligen.
Es genüge nicht, so Neumann, durch Einführung einer Pflicht zu Vorsorgeuntersuchungen bei Kinderärzten Indizien für Misshandlung oder Vernachlässigung zu ermitteln, solange nicht klar sei, welche Schritte danach effektiv sind, von wem sie durchzuführen und wie sie zu finanzieren sind. Nach jahrelangen Einsparungen im öffentlichen Gesundheitsdienst und bei der Jugendhilfe werde das Problem durch die einmalige Bereitstellung von zehn Millionen Euro nicht gelöst.

Das finnische Modell, das eine Betreuung aller Eltern von der Schwangerschaft bis zur Einschulung des Kindes vorsieht, ist in Deutschland gegenwärtig nicht durchsetzbar. Was wir brauchen und leisten können, sind Unterstützungsangebote an überforderte Eltern zur Prävention von Aggressivität und Gewalt sowie zur Entwicklungsförderung. Wichtig ist aus Sicht des BDP ein geschützter, professioneller Raum, in dem Betroffene sich öffnen können und zunächst sanktionsfrei eine Problemerörterung stattfinden kann. Psychologen könnten dabei die Rolle eines professionellen Fallmanagers oder Coaches übernehmen, an den Kinderarztpraxen und Öffentlicher Gesundheitsdienst verweisen und der ein Bindeglied zum Jugendamt und anderen involvierten Akteuren darstellt. "Hier ist auch an die Beratungsstellen des Deutschen Kinderschutzbundes, speziell die Kinderschutzzentren zu denken, die problemnah und niedrigschwellig seit langem spezielle Angebote für Eltern in schwierigen Lebenslagen entwickelt haben", erklärte Neumann.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 209 149 59
Fax: (49) 30 - 209 149 66
E-Mail: presse@bdp-verband.org