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Pressemitteilung
Nr. 24/05
11. November 2005

Psychologentag benennt Defizite und arbeitet an Konzepten für eine sich verändernde Gesellschaft

Herausforderungen am Beginn einer neuen Legislaturperiode

In Potsdam begann am Donnerstag der 23. Kongress für Angewandte Psychologie. Daran nehmen 650 Psychologen aus dem deutschsprachigen Raum teil. Besonders herzlich begrüßten die Teilnehmer eine Abordnung des Berufsverbandes afghanischer Psychologen – Präsident Azzizudin Hemat und Suhaila Sadat. Präsident Hemat, der im Verlauf des Kongresses noch über die psychischen Folgen des Krieges in Afghanistan sprechen wird, rief zu einer engen Zusammenarbeit europäischer Psychologen bei der Hilfe für sein Land auf. Angesichts der verheerenden Auswirkungen von Gewalt und Zerstörung für die Psyche der Menschen fürchte er eine Katastrophe, wenn internationale Hilfe auf diesem Gebiet ausbleibe. Das gleiche gelte für Regionen wie Irak und Palästina.
Knapp 60 Jahre nach Gründung des Verbandes erinnerte BDP-Präsidentin Carola Brücher-Albers bei der Eröffnung des Kongresses an die Anfänge des BDP nach dem Krieg, als es nur eine kleine Zahl von Psychologen gab und das Land darnieder lag, ähnlich der Situation in Afghanistan heute. In wenigen Jahrzehnten seien die Deutschen wieder zu Wohlstand gelangt. Allein zwischen 1960 und 2000 sei die Zahl der Psychologen von 2000 auf 48.000 angewachsen, eine Entwicklung, die man den afghanischen Kollegen ebenso wünsche.
Carola Brücher-Albers wandte sich dann kritisch dem Abbau von  Schulpsychologen-Stellen in Deutschland zu. In den vergangenen fünf Jahren sind in Berlin 40% der Stellen gestrichen worden, ein Trend, der im gesamten Bundesgebiet zu beobachten ist. Dass hierzulande auf 12.000 Kinder nur ein Schulpsychologe kommt, sei ein gesellschaftlicher Skandal. Die Bildungspolitik stehe am Beginn einer neuen Legislaturperiode vor der Entscheidung, psychologische Fachkenntnisse zu berücksichtigen oder auszugrenzen. Wie es aussieht, soll die Berufsgruppe aus den öffentlich zu verantwortenden politischen Sektoren ausgemustert werden, beklagte die BDP-Präsidentin. Mit Blick auf die Probleme in der Schule, aber durchaus nicht nur dort, sei dies genau das falsche Signal.
Kritisch schätzte Brücher-Albers auch die Versorgungslage in der Psychotherapie ein. Wartezeiten von sechs Monaten und mehr seien bei psychischen Verhaltens- und Erlebensauffälligkeiten unzumutbar. Den Versorgungsgrad von etwa 46% bezeichnete sie als einen weiteren Skandal.

Staatssekretär Winfrid Alber vom brandenburgischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie überbrachte die Grüße von Ministerpräsident Matthias Platzeck und Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler.
Die Gesellschaft altere zusehens, und der wachsende Anteil älterer und alter Menschen werde zur Bewährungsprobe für die sozialen und gesundheitlichen Versorgungsstrukturen. „Wir müssen aufpassen, dass dies nicht zur Zerreißprobe wird und die absehbaren Entwicklungen deshalb heute in die notwendigen Bahnen lenken,“ sagte er. Umso wichtiger sei die Prävention. Alber ging auf Risikofaktoren für die körperliche und seelische Gesundheit junger Menschen ebenso ein wie auf die Zunahme psychischer Erkrankungen unter Erwachsenen als Folge z.B. der Hektik des Alltags und der für viele Menschen ausweglosen Lage auf dem Arbeitsmarkt. Brandenburg wolle Familien und Kindern helfen und habe deshalb aber auch mit Blick auf die niedrigen Geburtenraten vor wenigen Tagen ein umfangreiches Programm mit Leitlinien für eine familien- und kinderfreundliche Politik beschlossen.

Ilona Müller, Vertreterin des Potsdamer Oberbürgermeisters Jann Jakobs, überbrachte dessen Grüße an den Kongress. Sie plädierte vor allem für die frühzeitige Einbindung von Psychologen in Problemlösungen. Ob in Kindereinrichtungen, Schulen oder in der Justiz, sollten die Signale erkannt und über Berufsgrenzen hinweg die Zusammenarbeit gesucht werden. Die aktuellen Ereignisse in Frankreich zeigten, wohin es führt, wenn zu lange geredet statt konkret gehandelt werde.

Prof. Dr. Ursula Lehr von der Universität Heidelberg beschrieb das sich verändernde Verhältnis zwischen den Generationen mit eindrucksvollen Zahlen. Standen vor 100 Jahren einem 75-Jährigen noch 79 jüngere Personen gegenüber, so sind es heute nur noch 12,4. Im Jahr 2040 werden es voraussichtlich nur noch 6,2 sein. Diese Entwicklung vor Augen brauche es sowohl seitens der Gesellschaft, der Städte und Kommunen, aber auch der Wirtschaft und Industrie neue Konzepte – von der Stadtentwicklung über die Verkehrsführung bis hin zu Sportstätten und Freizeitmöglichkeiten. Die Forderung nach Generationengerechtigkeit, so Lehr, erheben Jung und Alt. Generationengerechtigkeit bedeute gleiche Entwicklungschancen für alle Generationen. In der Debatte um dieses Thema werde oft vergessen, was heutige Rentner geleistet haben – im Berufsleben und bei der Erziehung mehrerer Kinder. „Wir brauchen ein Miteinander der Generationen und nicht ein Schüren des Generationskonfliktes“, betonte die ehemalige Gesundheitsministerin.
Dr. Heike Kahl, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung setzte sich dafür ein, bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen von der Defizitorientierung zur Stärkeorientierung überzugehen und eine Kultur des Vertrauens zu entwickeln. Zu selten werde gefragt, was Kinder können, welche Potenziale sie haben, zu oft, was sie nicht wissen. Das Primat der Bewertung statt der Entwicklung führe dazu, dass in Deutschland weit mehr Kinder als in Finnland in der Schule zurückbleiben.
Der Deutsche Psychologentag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Jung sein – Alt werden“ steht, wird morgen unter anderem mit der Verleihung des Großen Georg Gottlob-Preises an den in diesem Jahr verstorbenen Psychotherapieforscher Prof. Klaus Grawe fortgesetzt.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 209 149 59
Fax: (49) 30 - 209 149 66
E-Mail: presse@bdp-verband.org