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Pressemitteilung
Nr. 6/05
27. Februar 2005

Gute Insellösungen - keine einheitlichen Standards

  • Leistungen und Defizite im deutschen Katastrophenschutz
  • Notfallpsychologen tagten in Berlin

Notfallpsychologen, Psychologen und Psychotherapeuten sowie Vertreter von Hilfsorganisationen berieten am Wochenende in Berlin über Probleme und Lösungswege im deutschen Katastrophenschutz. Dabei ging es ebenso um Großschadensereignisse wie um die rund 1000 Selbstmorde auf dem deutschen Schienennetz und die etwa 900 Banküberfälle im Jahr. Die Teilnehmer der Tagung, zu der der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) eingeladen hatte, werteten auch die Flutkatastrophe in Südostasien unter dem Aspekt aus, wie gut koordiniert, wie schnell und wie qualifiziert Betroffenen Hilfe zu Teil wurde und wird. Wichtige Erkenntnisse für künftige Ereignisse lieferten die Daten über die Inanspruchnahme von Nothilfe zu bestimmten Zeiten und Fragestellungen. Es zeigte sich, dass psychologische Akuthilfe nur schwach in den jeweiligen Strukturen verankert ist und Gruppenangebote zur Verarbeitung eines erlittenen Traumas fehlen. Clivia Langer, Leiterin der Fachgruppe Notfallpsychologie im BDP fasste die Ergebnisse mit den Worten zusammen: Es gibt einige gute Insellösungen, aber noch keine einheitlichen Standards. Die Bundesländer wehrten sich dagegen, sich diese überstülpen zu lassen. Unter Hinweis auf die bei vielen Ereignissen deutlich gewordene Notwendigkeit einer Rettungskette würdigte Langer die gute Zusammenarbeit von Diplom-Psychologen mit speziell ausgebildeten Laien, Notfallseelsorgern und anderen Rettungskräften.

Aufmerksamkeit widmeten die Teilnehmer sowohl den Katastrophen- bzw. Schadensopfern als auch den zahlreichen professionellen und ehrenamtlichen Helfern. Als positive Beispiele wurden in diesem Kontext Bundeswehr und Polizei genannt. Herausragend für die Sorge um Mitarbeiter und Passagiere gleichermaßen - so zeigte sich während der Tagung - ist die Deutsche Bahn, die sich Krisenintervention und psychologische Betreuung einiges kosten lässt. Zunehmend entscheiden sich auch andere Unternehmen, z.B. Banken und chemische Industrie, ihren Mitarbeitern systematisch, d.h. nicht nur nach Schadensereignissen, psychologische Beratung und Trainings anzubieten. Der Erfolg dieser Maßnahmen durch niedrigere Ausfallzeiten bei Mitarbeitern und eine geringere Zahl von Frühberentungen ist nachweisbar. Berufsgenossenschaften, die ein psychologisches Unfallmanagement systematisch betreiben, konnten laut Prof. Echterhoff von der Universität Wuppertal binnen drei Jahren eine Kostensenkung von 50 Prozent nachweisen. Diese hohe Einsparungsrate erwuchs vor allem daraus, dass Langzeiterkrankungen ausblieben bzw. stark reduziert werden konnten.
Ganz anders die Lage bei einigen Rettungsdiensten und verschiedenen Flughafenbetreibern. Aus Kostengründen wird häufig auf den Einsatz von Psychologen verzichtet und ausschließlich auf Notfallseelsorger zurückgegriffen. Demgegenüber betonten die Tagungsteilnehmer, dass es ein naiver Glaube sei, in einer Person seelischen Beistand, Trost und fachmännische Begleitung von Traumatisierten gleich gut und qualifiziert leisten zu können. Für unterschiedliche Aufgaben müssten spezifisch ausgebildete Kräfte zur Verfügung stehen.

Der Appell an die Psychologen, sich doch ehrenamtlich bei den Rettungsdiensten zu engagieren, wurde von den meisten Tagungsteilnehmern als Lösungsweg zurückgewiesen. Es könne nicht sein, so Fredi Lang, Referent für Fachpolitik des BDP, dass wichtige Aufgaben, für die sich in der Gesellschaft niemand zuständig fühlt, vollständig ins Ehrenamt verlagert werden. Schließlich habe der Einsatz von Psychologen an der richtigen Stelle eine starke präventive Wirkung, durch die dem Kranken- und Versicherungssystem Geld gespart und psychisches Leid minimiert werde. Wieso sollten Psychologen ihre Arbeit kostenlos zur Verfügung stellen, um öffentliche Kostenträger aus der Verantwortung zu entlassen? Bei anderen notwendigen Versorgungsleistungen käme auch niemand auf die Idee einer Delegation ins Ehrenamt.

Eine weitere Erkenntnis bezieht sich auf die Zuständigkeit der Länder für den Katastrophenschutz, die insbesondere bei überregionalen Problemlagen zu Schwierigkeiten führt. Anders als bei der Deutschen Bahn, die aus guten Gründen bundesweit einheitliche Standards hat, gelten ansonsten weder für die Ausbildung noch für Einsätze und Begrifflichkeiten gleiche Regeln. Das erschwert die Koordination und Zusammenarbeit. Solange die Zuständigkeit jedoch bei den Ländern liege, sei es ihre Aufgabe, für die genannten Problemlagen qualitätsgesicherte Systeme vorzuhalten, für die Vernetzung zu sorgen und eine Angleichung der Qualitätsstandards in Ausbildung und Versorgung aller Hilfskräfte anzustreben.


Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 209 149 59
Fax: (49) 30 - 209 149 66
e-Mail: presse@bdp-verband.org