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Auswahlverfahren statt ZVS: neue Regelungen zum Hochschulzugang

In Deutschland hält die Bildungsexpansion unvermindert an. Im Wintersemester 2003/2004 schrieben sich erstmals mehr als zwei Millionen Studierende ein. Mit den "Empfehlungen zur Reform des Hochschulzugangs" hat nun der Wissenschaftsrat weit reichende Veränderungen für die Zulassung von Studienplatzbewerbern vorgeschlagen, die in einigen Bundesländern bereits in die Tat umgesetzt wurden. Ziel der Veränderungen sind eine weitere Erhöhung der Studienanfänger-Quoten, die Förderung der Profilbildung und des Wettbewerbs unter den Hochschulen und eine Verringerung der Studiendauer sowie der Studienabbrecher-Quoten. Gegenwärtig brechen fast ein Viertel der Studierenden an den Hochschulen ihr Studium ab. Eine Verbesserung der Situation erhofft man sich dadurch, dass die Universitäten sich ihre Studierenden zum Teil selbst auswählen und zwar vor einer Entscheidung durch die ZVS. Das Abitur ist bald – möglicherweise in Folge der durch die PISA genährten Zweifel an der Qualität der Zeugnisse – vielleicht keine Eintrittskarte mehr zur Universität, sondern nur noch eine Eintrittskarte für die Hochschuleingangsprüfung. Dafür werden den Hochschulen in Deutschland hinsichtlich der Feststellung der Studieneignung ähnliche Rechte eingeräumt wie in den USA und Großbritannien. Während diese Ländern allerdings auf eine lange Tradition im Bereich der Auswahl von Studierenden zurück blicken, sind die deutschen Hochschulen überwiegend ahnungslos und überfordert hinsichtlich der Frage, wie die Eignung von Bewerber(innen)n für ein Studium praktikabel und sicher festgestellt werden kann. Hinsichtlich der Eignungsfeststellung werden den Ländern künftig keine Vorgaben mehr gemacht – allerdings werden für diese zusätzliche Aufgabe den Universitäten in der Regel auch keine (hinreichenden) finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt. Während die Zahl der Studierenden sich seit Ende der 1970er Jahre fast verdoppelt hat, stieg die Anzahl der Stellen für wissenschaftliches Personal nur um ca. 10%; der Anteil der Hochschulausgaben am Bruttosozialprodukt reduzierte sich um ein Drittel.

Durch diese Situation stellen sich die folgenden Fragen:

  • Welche Anforderungen werden in den unterschiedlichen Studiengängen überhaupt an die Studierenden gestellt?
  • Unterscheiden sich die Anforderungen innerhalb eines Studiengangs an verschiedenen Universitäten (Stichwort Profilbildung der Universitäten)?
  • Welche Verfahren sind zur Eignungsfeststellung geeignet?
  • An welchen Kriterien kann das Auswahlverfahren evaluiert werden? (Zeitnahe Kriterien sind die Studienleistungen oder der Studienabbruch, eigentlich geht es aber auch um die Vorhersage des zukünftigen Berufserfolgs)
  • Wie kann man die sogenannte Selbstselektion der Studierenden unterstützen? (Stichwort: freiwillige und anonyme Testung zu Zwecken der Studienberatung)
  • Wie können die Verfahren der Eignungsfeststellung zuverlässig, effizient, fälschungssicher und kostengünstig durchgeführt werden?
  • Wer kann die Durchführung dieser Auswahlverfahren übernehmen?

Die Hochschulen sollten es vermeiden, bei der Auswahl ihrer Studierenden allzu dilettantisch vorzugehen – denn die Qualität dieser Auswahlentscheidungen ist mitbestimmend für die Qualität der Universität. Außerdem trägt das Auswahlverfahren mit zum Image der Universität bei - und nicht nur die Universitäten können auswählen: auch die Abiturbesten sollen zwischen den Hochschulen auswählen können. Daher darf und muss auch die Frage gestellt werden, ob die Professor(inn)en, die an diesen Auswahlverfahren beteiligt sind, überhaupt für diese Aufgabe qualifiziert / geeignet sind? Ohne Zweifel handelt es sich um Kapazitäten für ihr Fach – aber erkennt jeder Chemiker, ob die Chemie zwischen Fach und (zukünftigem) Student stimmt? Gegen die Praxis, die Abiturdurchschnittsnote als Zulassungskriterium für alle Hochschulstudiengänge zu verwenden wurde immer wieder eingewandt, dass das Abitur über die Bundesländer hinweg (z.B. zwischen Bayern und Bremen) nicht vergleichbar sei. Wenn die Auswahlverfahren der Universitäten nun die Rolle der Abiturprüfungen einnehmen, sollten diese Auswahlverfahren transparent gestaltet werden und über verschiedene Universitäten hinweg zu vergleichbaren Ergebnissen führen.

Es ist ein glücklich zu nennender Zufall, dass mehr oder minder zeitgleich zu den neuen Regelungen der Studierendenauswahl die DIN 33430 veröffentlicht wurde, in der "Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen" formuliert sind. Diese Norm beantwortet die zentralen Fragen, wie das Vorgehen der Studierendenauswahl von der Anforderungsanalyse über die eingesetzten Verfahren bis hin zum abschließenden Eignungsurteil qualitätsgerecht gestaltet werden kann. Mit der DIN 33430 werden fachlich fundierten Informationen über Vorgehensweisen und Verfahren zur Eignungsbeurteilung (z.B. Tests, Einstellungsinterviews, Assessment-Center) verbreitet. Die DIN 33430 stellt nicht nur Anforderungen an die Verfahren, sondern auch an die Personen, die den Einsatz der Verfahren planen, die Verfahren durchführen und die Ergebnisse auswerten und interpretieren. Begleitend zur DIN wurde ein Fortbildungskonzept sowie eine Lizenzprüfung für Auftragnehmer und Mitwirkende bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen eingerichtet.

Dr. Martin Kersting

Weitere Informationen / Ansprechpartner:

Dr. Martin Kersting
Martin@Kersting-internet.de
www: Kersting-internet.de

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