Der 
Verband
Politik
Publikationen
Profession

Presse
  Pressemitteilungen
  Expertenvermittlung
  Report Psychologie
  Publikationen
Termine

Mitgliedschaft
Mitgliederbereich
Stellenbörse
Praktikumsbörse

Sektionen
Landesgruppen
BV Studierende
BV Studierende

Psychologenakademie
Verlag
Wirtschaftsdienst
Haus der Psychologie
Akademie




    Facebook Twitter
XING LinkedIn
      Kontakt
      Impressum
      Datenschutz
      Sitemap




Pressemitteilung
Nr. 11/04
22. Juli 2004

BDP: Hamburger Senat verhindert Therapie für Folteropfer

Behandlungszentrum muss schließen
Entscheidung ohne Sachkenntnis über Psychotherapie

In Hamburg droht die Schließung des Behandlungszentrums "accept" der Gesellschaft zur Unterstützung von Gefolterten und Verfolgten. Die Behörde für Soziales und Familie hat die Streichung der Fördermittel für "accept" angeordnet. Da es sich um die einzige Anlaufstelle dieser Art für Kriegs- und Folteropfer in Hamburg handelt, muss eine drastische Verschlechterung der Situation von Betroffenen befürchtet werden.

Der BDP macht darauf aufmerksam, dass es heute schon viel zu wenig niedergelassene Psychotherapeuten in Hamburg gibt, traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer also nicht in den Bereich der psychotherapeutischen Versorgung vor Ort ausweichen können. Erschwerend kommt hinzu, dass Psychotherapie - anders als ein chirurgischer Eingriff - z.B. die Beherrschung der Sprache durch den Therapeuten voraussetzt oder mindestens der Mithilfe spezialisierter Dolmetscher bedarf. Die vom Hamburger Senat vorgeschlagene Lösung, Familienmitglieder als Dolmetscher einzusetzen, zeugt von völliger Unkenntnis psychotherapeutischer Arbeit, und könnte bei Umsetzung nachteilige Folgen für die Patienten und ggf. auch für die Angehörigen haben. "Erfahrungen mit Folter und Missbrauch sind extrem schambesetzt und traumatisierend. Sie werden auch nahestehenden Menschen selten vollständig offenbart - genau deshalb brauchen wir ja die Psychotherapie. Für Familienangehörige wäre die Konfrontation mit dem Leid der Verwandten selbst eine extreme Belastung und könnte eigene alte Wunden aufreißen. Familienmitglieder sind zudem nicht als Co-Therapeuten ausgebildet und könnten den Heilungsprozess durch unvorhergesehene Reaktionen noch schwieriger machen", sagt Thomas Kliche, Vorsitzender der Sektion Politischen Psychologie.

Nach den Forschungsergebnissen der Politischen Psychologie ist gerade die Versorgung von Folteropfern und Verfolgten langfristig von großer Wichtigkeit: Sie beeinflusst die Beziehungsqualität ganzer Familien und damit insbesondere die Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen. Der Umgang mit politisch traumatisierten Menschen hat eine weit reichende Signalfunktion für ihre Herkunftskulturen und -gruppen: Die Bereitschaft, für Opfer von Menschenrechtsverletzungen einzutreten, ist Teil der internationalen interkulturellen Kommunikation. Der BDP fordert den Hamburger Senat auf, die Mittelstreichung zu überprüfen, die nicht nur als Sparmaßnahme, sondern auch als politisches Signal verstanden werden muss.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 20 91 49 59
Fax: (49) 30 - 20 91 49 66
e-Mail: presse@bdp-verband.org