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Pressemitteilung
Nr. 23/03
27. November 2003

Hoch gestartet - tief gelandet

Europäische Regelungen gefährden Qualität der Psychotherapie in Deutschland

Jeder EU-Bürger, der in einem Mitgliedsland eine Berufsausbildung absolviert und zwei bzw. drei Jahre in seinem Beruf gearbeitet hat, wird diesen Beruf in naher Zukunft in allen anderen europäischen Ländern ausüben dürfen. Das ist zumindest in dem zur Zeit in den Ausschüssen des Europa-Parlaments diskutierten Richtlinienentwurf so vorgesehen. Der Richtlinienentwurf soll dazu dienen, nationale Barrieren bei Berufen mit unterschiedlichem Regelungsstatus weiter zu erleichtern. Für einzelne staatlich geregelte Berufsausbildungen wie der des Psychotherapeuten in der Bundesrepublik ist eine Erleichterung von Bundestag und Bundesrat bereits im Mai diesen Jahres verabschiedet worden. Die Novellierung des Psychotherapeutengesetz, mit der das deutsche Recht an die bisherige europäische Richtlinien angepasst wurde, tritt ab nächstem Jahr in Kraft. Mit dieser Änderung sind erste Möglichkeiten der Anerkennung von geringer qualifizierten Therapeuten aus den EU-Ländern in Deutschland geschaffen worden.

Die Autoren des neuen Richtlinien-Entwurfs setzen nun auf noch größere Niederlassungs- und Berufsausübungsfreiheit. Der Abbau von Barrieren und Hürden ist von allen Seiten gewollt. Die Konsequenzen, so fürchtet der Verband Psychologischer Psychotherapeuten (VPP) im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), werden dabei jedoch nicht in vollem Umfang vorhergesehen. Der VPP/BDP macht darauf aufmerksam, dass Psychotherapie künftig ohne das in Deutschland vorausgesetzte Psychologie- oder Medizin-Studium nach einem beliebigen Hochschulstudium mit entsprechender Ausbildung und Berufserfahrung von jedem anderen Europäer auch in Deutschland ausgeübt werden kann. Dies auch in Psychotherapieverfahren, die in Deutschland gar nicht zugelassen sind. Damit könnte auch ein Bergbau-Ingenieur, der eine Ausbildung in Kurzzeittherapie absolviert hat, in Deutschland als Psychotherapeut arbeiten.

Das zugrunde liegende Problem resultiert aus einem – wie der VPP/BDP meint - Fehler in der Gesetzeskonstruktion des Psychotherapeutengesetzes. Das Gesetz hat die Psychotherapie als Ausbildungsberuf konstruiert, nicht als Weiterbildung in Psychologie oder Medizin. Wenn nun unterschiedliche europäische Ausbildungswege zum Psychotherapeuten verglichen werden, fällt das in Deutschland notwendige vorgeschaltete Studium der Psychologie oder Medizin ganz weg. Solche wesentlichen Unterschiede nicht zu berücksichtigen, nur weil jemand praktische Erfahrung im Beruf nachweisen kann, birgt erhebliche Risiken.

Bei der Währungsunion haben die Hüter der Stabilität viel Wert auf hohe Standards gelegt. Soll für die Psychotherapie nicht ein adäquater Maßstab gelten? Soll das Qualitätsniveau, das der Gesetzgeber in Deutschland mit dem Psychotherapeutengesetz festgeschrieben hat, auf dem europäischen Altar geopfert werden?

Heinrich Bertram, Europa-Beauftragter des BDP für Psychotherapie und stellvertretender Vorsitzender des VPP, verneint dies ausdrücklich. "Wir sind nicht so hoch gestartet, um künftig ganz tief zu landen". Sinkende Qualität in einem so sensiblen Bereich wie der Psychotherapie wäre ein zu hoher Preis für die Niederlassungsfreiheit.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 20 91 49 59
Fax: (49) 30 - 20 91 49 66
e-Mail: presse@bdp-verband.org