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Pressemitteilung
Nr. 18/03
5. Oktober 2003

Anti-Aging-Konzepte unterstützen falsches Altersbild

Ursula Lehr erhält Großen Georg-Gottlob-Preis

Nach viertägigen Beratungen geht heute in Bonn der 22. Kongress für Angewandte Psychologie mit Diskussionen rund um die Psychotherapie nach der Gesundheitsreform und einer Veranstaltung zum Thema "Gewalt in den Medien" zu Ende. Am Samstag Abend wurde der mit 10.000 Euro dotierte Große Georg-Gottlob-Preis der gleichnamigen Stiftung an die Gerontopsychologin und ehemalige Bundesgesundheitsministerin Prof. Dr. Ursula Lehr verliehen. BDP-Präsidentin Gertraud Richardt würdigte Ursula Lehr als eine aktive, engagierte, international bekannte und anerkannte Wissenschaftlerin, die auf dem Gebiet der Alternsforschung und zur Korrektur des Altersbildes Hervorragendes geleistet habe. Die Grüße der Landesregierung überbrachte Referatsleiter Heiner Bongard. Er fand anerkennende Worte für den von privaten Stiftungen wie der Gottlob-Stiftung geleisteten Beitrag zur Lösung von Problemen in der Gesellschaft.

Hildegard Gottlob appellierte an Politik, Wissenschaft und Medien, sich stärker mit dem Thema Alter zu beschäftigen. Die Gesellschaft sei völlig unzureichend vorbereitet auf die vorhersehbare Bevölkerungsentwicklung. Im Interesse des einzelnen alten Menschen aber auch der Gesellschaft gelte es, Möglichkeiten sinnvollen Tuns weit über die bisherige Altersgrenze für das Berufsleben hinaus zu eröffnen. Zudem seien individuelle Angebote von Wohnformen erforderlich, die eine bezahlbare Geborgenheit bieten.

In seiner Laudatio hob Dr. Andreas Kruse, Leiter des Gerontologischen Instituts der Universität Heidelberg, unter anderem Ursula Lehrs Kreativität und nie abhanden gekommene Fähigkeit zum Staunen hervor, wie sie bedeutende Wissenschaftler auszeichnet. Sie habe einen großen Beitrag zur Etablierung der Gerontologie in Deutschland geleistet und einen wichtigen Anstoß zur neuen kulturellen Interpretation der späten Lebensphase gegeben.
In einem begeistert aufgenommenen Festvortrag machte Ursula Lehr deutlich, wie die deutsche Bevölkerung sich entwickeln wird und welche Anforderungen sich dadurch an den Einzelnen, die Gesellschaft und ganz speziell die Psychologen ergeben. 2040 werden auf einen 75-jährigen nur noch 6,2 Menschen unter 75 Jahre kommen. Der 3-Generationen-Vertrag wird abgelöst vom 4-5-Generationen-Vertrag. Schon 2025 wird es über 44.000 Menschen geben, die mehr als 100 Jahre alt sind, 2050 schon 117.000. Ein Drittel von ihnen wird voraussichtlich noch sehr selbständig sein, ein weiteres auf Teilgebieten Hilfe benötigen und nur ein Drittel wird dem falschen Bild des Hochbetagten und damit automatisch Pflegebedürftigen entsprechen.
Ursula Lehr forderte, hinter alle fixen Altersgrenzen ein Fragezeichen zu setzen. Sie kritisierte entschieden die sogenannten Anti-Aging-Konzepte, weil sie schon vom Begriff her ein falsches Altersbild unterstützen. Es gehe nicht darum, das Altern zu verhindern, das ein natürlicher Prozess mit vielen positiven Elementen sei. Vielmehr komme es darauf an, in allen Bereichen - bei der Städteplanung, im Verkehrswesen, in Wirtschaft und Kultur - Bedingungen zu schaffen, unter denen bis ins hohe Alter leistungsfähige Menschen ihren Alltag aktiv und in Würde gestalten können.

[ Weitere Informationen unter psychologenkongress.de ]



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 20 91 49 59
Fax: (49) 30 - 20 91 49 66
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