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Pressemitteilung
Nr. 8/03
4. Juli 2003

An welcher Schule wird das nächste Mal geschossen?

Psychologen drängen auf Umsetzung von Konzepten zur Gewaltprävention

Wieder sind Psychologen an einer deutschen Schule damit befasst, Schülern und Lehrern dabei zu helfen, ein traumatisches Erlebnis zu verarbeiten. Der Selbstmord eines Schülers in Coburg nach dem Schuss auf eine Lehrerin hat den 32 Mitschülern schwere Schocks versetzt. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) appelliert an die Verantwortlichen, in den nächsten Tagen Betroffenheit zuzulassen und den Beteiligten Zeit zur Verarbeitung des Erlebten zu geben. Anderenfalls könnten schwere gesundheitliche Störungen die Folge sein.
Die Erinnerung an Erfurt drängt sich auf, auch wenn es sich in Coburg um keinen Amoklauf handelte. Wieder aber hat ein bisher "unauffälliger" Schüler eine Gewalttat begangen, wieder sind Waffen zum Einsatz gekommen.

Nach der Bluttat am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt gab es einen breiten Konsens, bundesweit Schlussfolgerungen auf verschiedenen Gebieten zu ziehen. Erinnert sei nur an den Vorschlag von Bundesminister Schily, in jeder Schule einen Schulpsychologen zu beschäftigen. Thüringen hat in der Tat einige zusätzliche Stellen für Schulpsychologen geschaffen, in anderen Bundesländern wurden dagegen sogar Stellen gestrichen. Insgesamt hat Deutschland nach wie vor eine viel zu geringe Zahl von Schulpsychologen, um bestimmte Entwicklungen vorhersehen und verhindern zu können.
Dass aber auch Schulpsychologen nicht in jedem Fall Gewalttaten verhindern, ja, sogar Opfer solcher Taten sein können, hat Coburg gezeigt, wo eine Schulpsychologin angeschossen wurde.
Auch die Änderung des Waffengesetzes, vom BDP gefordert und mit auf den Weg gebracht, wird den missbräuchlichen Waffengebrauch nicht völlig ausschließen.

Die Präsidentin des BDP, Gertraud Richardt, rät, das ganze Spektrum der Gründe für Gewalttaten zu betrachten. Dazu gehörten die Gewaltanwendung in der Gesellschaft ebenso wie die anhaltende Gewaltpräsentation im Fernsehen sowie in Videos und Videospielen. Sie senken, so Gertraud Richardt, die Hemmschwelle und führen zu einer Konditionierung potentieller Täter. Der Konsum von Gewalt in den Medien, insbesondere bei Jungen, gehe häufig einher mit sinkenden Leistungen in der Schule. Diese Zusammenhänge und Gefahren werden nach den Worten der BDP-Präsidentin zum Teil noch immer negiert oder heruntergespielt. Konzepte zur Gewaltprävention an Schulen, wie sie u.a. von Schulpsychologen erarbeitet wurden, würden nicht systematisch umgesetzt.

Nach Erfurt hatte der Vorsitzende der Sektion Schulpsychologie des BDP, Dr. Bernd Jötten darauf hingewiesen, es werde weitere Taten dieser Art geben, wenn es nicht endlich gelingt, die Diskussion über das Thema Gewalt in Gesellschaft und Medien aktiv und professionell zu führen. Genau dies ist eingetreten. Der BDP erneuert daher den Appell an die politisch Verantwortlichen und die Medien, ihre große Chance, auf die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft Einfluss zu nehmen, besser zu nutzen. Beim Deutschen Psychologentag im Oktober wird Gewaltprävention eines der Hauptthemen sein. Der BDP erhofft sich ein reges Interesse von Politik und Medien, aber auch seitens der Öffentlichkeit an den Analysen und Konzepten von Psychologen zu dieser Problematik.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5-7, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 20 91 49 59
Fax: (49) 30 - 20 91 49 66
e-Mail: presse@bdp-verband.org