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Pressemitteilung
Nr. 4/03
4. Juni 2003

Traumata lassen sich nicht weglächeln

BDP warnt vor falscher Darstellung von Traumatherapie

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat binnen der vergangenen zwei Wochen mit Sorge Veröffentlichungen in deutschen Zeitungen registriert, die den Sinn von Psychotherapie für Traumaopfer nicht nur anzweifeln, sondern als Geschäftemacherei diskreditieren. Dies ist aus Sicht des BDP nicht nur wissenschaftlich bedenklich, sondern gefährlich für Betroffene. Als Zeuge für die angeblich neuen Erkenntnisse wurde wiederholt der US-amerikanische Psychologe George Bonanno genannt.

Bonanno ist Dozent am Columbia University Teachers College und langjähriger Psychotherapeut. Er wirft Vertretern seiner Berufsgruppe vor, "Menschen immer wieder an den Abgrund" zu führen und damit letztlich dafür zu sorgen, dass sie hineinstürzen. In den USA seien Traumaforschung und -behandlung längst zu einem "furchtbaren Selbstläufer" verkommen, bei dem Therapeuten ihre Patienten durch endlose "Verbal-Aufbereitung" in ihrer alten Stress-Situation festhalten und damit Geld machen. In mehreren Studien hat er nach eigenen Angaben herausgefunden, dass diejenigen, die die tragischen Momente ihres Lebens munter ignorieren, unverzagt hinter sich lassen, schweigen statt zu reden, verdrängen statt zu bearbeiten, langfristig die besseren Karten haben.

Die unkritische Verbreitung solcher Theorien in Deutschland, wo die Traumatologie zum Nutzen vieler Patienten erst Fuß zu fassen beginnt, hält der BDP für geradezu gefährlich. Traumatisierte brauchen Hilfe und nicht die Aufforderung, zu lächeln und Abstand zu nehmen. Das Beispiel Amoklauf in Erfurt hat gezeigt, wie mächtig und vielschichtig die Informationen sind, die bei einer Extremerfahrung auf Menschen einwirken. Betroffene können sie in der Regel nicht allein und auf einmal verarbeiten, bedürfen des Austauschs und des Anstoßes. Durch professionelle Hilfe, bei der am Anfang die Informationsverarbeitung im Vordergrund steht, kann ihnen geholfen werden. Nur ein Teil der Betroffenen bedarf danach einer Therapie, bei Vergewaltigungen sind dies über 50 Prozent. Unterbleibt der frühe Einsatz von ausgebildeten Traumafachleuten, so BDP-Experte Georg Pieper, bleiben Knoten, die später im Leben als Schwierigkeiten erlebt werden. Den Vorwurf, bei einer Therapie werde jahrelang in der Trauer herumgerührt, weist Pieper entschieden zurück. Therapie heiße vielmehr bewältigen, Abstand nehmen und irgendwann wieder lächeln können. Aber Lächeln und Abstand nehmen als Ersatz für Therapie – das sei absolut lächerlich und für die Betroffenen auch gefährlich.

Wenn durch Veröffentlichungen wie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 18. Mai Traumatherapie pauschal diskreditiert wird, fürchtet er eine wachsende Zahl von Chronifizierungen. Die ohnehin bei Traumatisierten vorhandene Tendenz zum sozialen Rückzug, zur Vermeidung der Auseinandersetzung mit Ängsten, könne sich verstärken. Das beraube Menschen der Chance, aus der Vereinzelung heraus zu kommen, Solidarität mit anderen zufinden, so wie es in Erfurt durch den Einsatz von Traumatologen gut gelungen ist.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5-7, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 20 91 49 59
Fax: (49) 30 - 20 91 49 66
e-Mail: presse@bdp-verband.org