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Pressemitteilung
Nr. 3 / 03
28. März 2003

"Keine Diktatur des Sitzfleischs"

  • Podiumsdiskussion des BDP zur PISA-Studie am 25.3.2003

"Keine Diktatur des Sitzfleischs!" rief Harald Kuhn (Interessengemeinschaft Berliner Schulleitungen) auf dem Podium. Er unterstrich damit lebhaft seine Forderung nach verpflichtender Fortbildung für Lehrer und Schulleiter und einem Wandel von Schulverwaltern zu Schulgestaltern.

Dies war nur ein Aspekt einer spannenden Runde, an der neben Berlins Schulsenator Böger weitere Fachleute zum Thema "Die mündige Schule – PISA-Studie als Anstoß zur Selbstverantwortung" diskutierten. Eingeladen hatte der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen in die Anne-Frank-Grundschule in Berlin-Moabit. Rund 80 Lehrer, Eltern und Schüler waren der Einladung gefolgt. BDP-Präsidentin Gertraud Richardt unterstrich zu Beginn die Feld- und Präventionskompetenz der Psychologen, die von Schulen noch viel zu wenig abgefordert werde. Alle Podiumsteilnehmer waren sich darüber einig, dass Lernen nicht nur Schüler betrifft, sondern ebenso die Lehrer, Eltern und alle am Bildungsprozess Beteiligten.

"Wir brauchen einen langen Atem und stehen zugleich in einer gewissen Atemlosigkeit", sagte Senator Böger. Die interessierte Öffentlichkeit verlange einen großen Ruck, während die fachwissenschaftliche Öffentlichkeit einen langen Weg vor sich sehe. Böger setzte sich für mehr Autonomie von Schulen ein, was jedoch auch die Bereitschaft zur Rechenschaftslegung einschließe.
Ex-Schulsenatorin Sybille Volkholz (Heinrich-Böll-Stiftung) sprach von einer tief verankerten Misstrauenskultur im deutschen Schulwesen. Sie empfahl, dass Schule, Eltern und Schüler miteinander Verträge abschlössen.
Volkholz: "Dies wäre ein sinnvolles Instrument, damit sich jede Seite darüber klar wird: Was bringe ich in den Bildungsprozess ein?" So könnten Erziehungs- und Bildungspartnerschaften entstehen, bei dem gegenseitiger Respekt die bisherigen Obrigkeitsverhältnisse ablöste.
Gerrit Witschaß (Bundesverband Deutscher Arbeitgeber) beklagte, dass allein im letzten Jahr mehr als 200.000 Berufsausbildungen abgebrochen worden seien. Mehr als eine halbe Million junger Menschen unter 25 Jahren seien arbeitslos. Viele von ihnen könnten kaum lesen und schreiben. Sie forderte klare Leistungsstandards und eine zentrale Abschlussprüfung, um junge Menschen optimal auf das Berufsleben vorzubereiten.

Zur Lösung all dieser Probleme seien Schulpsychologen unverzichtbar, betonte Dr. Bernd Jötten vom BDP. Deutschland sei ein Entwicklungsland, was die Zahl der Schulpsychologen betrifft, ganz anders als die Länder, die in der PISA-Studie erfolgreich abgeschlossen haben. Jötten untermauerte diese These mit Zahlen: in Finnland gebe es für 800 Schüler einen Psychologen, in Schweden für 2000. In Deutschland hingegen sei ein Psychologe für 10.000 Schüler zuständig. Auch berichtete er, dass zwischen 1995 und 1999 das Bildungsbudget in allen europäischen Staaten um 3 - 30% erhöht worden sei, nur in Deutschland sei es um 1% verringert worden. Schüler und Lehrer benötigten Unterstützungssysteme und die Chance zu lernen, diese effektiv zu nutzen. Dazu gehörten ganz wesentlich die Angebote der Psychologen, die weit über ihre Feuerwehrfunktion in Konfliktsituationen hinausgehen. "Wenn Lehrer und Schüler in hohem Maße keinen Erfolg haben, muss am System etwas falsch sein." Unterstützung fanden Jöttens Vorschläge unter anderen durch Dr. Eva Maria Stange von der GEW. "Lehrer können nicht alle Probleme allein lösen", sagte sie und verwies auf die Finnen, die dies sehr wohl verstanden hätten.
Der BDP hat dazu bereits Konzepte erarbeitet und der Kultusministerkonferenz vorgelegt. Jötten setzte sich dafür ein, dass diese breit diskutiert und schrittweise umgesetzt werden.


Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5-7, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 20 91 49 59
Fax: (49) 30 - 20 91 49 66
e-Mail: presse@bdp-verband.org