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Pressemitteilung
Nr. 2 / 03
3. Februar 2003

Problematische Empfehlungen im ZDF

Gesundheitstipps sind gefragt, die entsprechenden Sendungen im TV haben gute Einschaltquoten. Vertrauensvoll folgen viele Zuschauer den Ratschlägen und Behandlungstipps der zitierten Fachleute. Umso schlimmer, wenn die Macher solcher Magazine sich so weit vom aktuellen Stand der psychologischen Diagnostik und medizinischen Forschung entfernen, wie das in der Sendung "praxis" des ZDF zu Depressionen dieser Tage geschehen ist.

Es stimmt einfach nicht, wie in "praxis" behauptet, dass der erste Weg bei einer Depression zum Hausarzt und über ihn zum Psychiater führt und die beste Behandlung durch Psychopharmaka erfolgt. Depressionen werden vom Hausarzt oft nicht erkannt, wie Studien immer wieder belegen. Die Chance, viele in der Vergangenheit nicht behandelte Patienten zu erreichen, ist gerade dadurch gewachsen, dass sich Patienten seit Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes 1999 direkt an einen Psychotherapeuten wenden können. Auf diese Möglichkeit, die im Alltag von Zehntausenden Patienten mit Erfolg genutzt wird, hätte unbedingt hingewiesen werden müssen.
Bedenklich ist darüber hinaus, wenn in dem Beitrag unreflektiert der begeisterte Bericht einer Patientin wiedergegeben wird, die über jahrelange Einnahme von Psychopharmaka berichtet, und wenn gleich mehrfach die Qualität neuer Medikamente nahezu frei von Nebenwirkungen angesprochen wird. Tatsache ist, dass diese nur bei bestimmten Formen der Depressionen wirken und in vielen anderen Fällen eben doch mit Benzodiazepinen gearbeitet wird. Weder die einen noch die anderen Antidepressiva lösen jedoch die lebensweltlichen und psychischen Zusammenhänge auf, die zur Depression geführt haben und sie erhalten, weshalb von wissenschaftlicher Seite seit längerem der kombinierte Ansatz (Medikamente + Psychotherapie) favorisiert wird.

Die Sendung wird "Mit freundlicher Unterstützung durch die Virtuelle-Apotheke.de" gemacht. Wenn aber Sponsoring zu einer solchen Verschiebung der Gewichte in einer Sendung führt, ist das insbesondere beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen fragwürdig. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen legt Wert auf die Feststellung, dass bei der Vielfalt der Symptome und dem differierenden Schweregrad von Depressionen am Anfang der Behandlung eine sorgfältige Diagnostik stehen sollte. Erst danach kann sachgerecht entschieden werden, ob ein medikamentöser Ansatz notwendig ist, um überhaupt eine Chance für eine Psychotherapie zu haben Dies ist dann angeraten, wenn Schlafstörungen und Grübelphasen überhand nehmen, Suizidgefahr besteht und die normalen Lebensfunktionen nicht mehr ausgeführt werden können. Oft wird ein kombinierter Ansatz von Psychotherapie plus medikamentöse Therapie von Anfang an möglich und sinnvoll.
Bei weniger schweren Symptomen ist, übrigens auch nach ärztlichem Standard, eine Psychotherapie ohne medikamentöse Begleitung angebracht. Ratsuchenden empfiehlt der BDP u.B. das Kompetenznetz Depression (www.kompetenznetz-depression.de), das vom Bundesgesundheitsministerium eingerichtet wurde.


Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5-7, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 20 91 49 59
Fax: (49) 30 - 20 91 49 66
e-Mail: presse@bdp-verband.org