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Pressemitteilung
Nr. 1 / 03
31. Januar 2003

Härtere Bestrafung allein lässt viele Probleme mit Sexualstraftätern ungelöst

Die Verabschiedung eines Aktionsplanes der Bundesregierung, zum besseren Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt und Missbrauch wird vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) begrüßt. Vizepräsident und Rechtspsychologe Uwe Wetter macht jedoch darauf aufmerksam, dass die Probleme, die in allen Parteien die Aufgeschlossenheit für schärfere Maßnahmen haben wachsen lassen, nicht durch härtere Bestrafung allein gelöst werden können. Mindestens ebenso wichtig sei es, bei der Therapie und Begutachtung von Straftätern den Stand wissenschaftlicher Erkenntnis zu nutzen und klare Qualitätsmaßstäbe festzulegen.

Nach Ansicht des BDP ist nur ein sehr kleiner im Mittelpunkt des Medieninteresses stehender Teil der Sexualstraftäter nach heutigem Kenntnisstand nicht therapierbar. Bei der übergroßen Mehrheit, die durch gewalttätige Erziehung oder andere Umstände vorgeprägt ist, greift Therapie sehr wohl oder würde greifen. Unseres Erachtens werden Sexualstraftäter in deutschen Strafanstalten jedoch noch immer zu sehr verwahrt und zu wenig therapiert.

Bei vielen wird gar keine Therapie angewandt oder erst nach 10 Jahren Gefängnis begonnen. In einigen Fällen wird mit der Behandlung durch einen Psychiater eine falsche Richtung eingeschlagen, denn durch eine vorwiegend medikamentöse Therapie sind viele Sexualstraftäter wirklich nicht erfolgreich behandelbar.

Obwohl seit langem eine Beschlusslage des Bundes zum Ausbau der therapeutischen Angebote im Maßregelvollzug vorliegt, geschieht auf der zuständigen Länderebene aus Geldmangel zu wenig in dieser Richtung. Die Mittel wurden im Gegenteil so stark reduziert, dass die zum Teil von Sozialpädagogen durchgeführten Maßnahmen nicht viel mehr als eine Alibi-Funktion haben. Solange Meinungsträger in der Gesellschaft auf dem Standpunkt stehen, Strafanstalten seien billiger als Therapieeinrichtungen, solange wird zwar eine bestimmte Stammtischmentalität bedient, die Lage aber nicht verbessert.

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen plädiert entschieden für eine sachbezogene Behandlung dieses Themas. Diese verbietet es, die Illusion zu nähren, dass durch härtere Bestrafung Gefahren generell gebannt werden können. Sie verlangt einen unverstellten Blick auf die Fakten. Zu diesen gehört auch die Tatsache, dass bereits eine bedeutende Verbesserung für die Sicherheit der Öffentlichkeit erreicht worden ist. Entgegen medial vermittelten Eindrücken ist die Fallzahl sexuell motivierter Tötungen von Kindern in den vergangenen Jahren rückläufig. Auch die Rückfälligkeit ist mit etwa einem Fünftel der verurteilten Täter niedriger als in der Öffentlichkeit vermutet.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Glinkastr. 5-7, 10117 Berlin
Tel. (49) 30 - 20 91 49 59
Fax: (49) 30 - 20 91 49 66
e-Mail: presse@bdp-verband.org