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Pressemitteilung
Nr. 5 / 02
26. April 2002

BDP bietet rasche Hilfe für Betroffene der Bluttat von Erfurt

Psychologen fürchten weitere Amokfälle

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, dessen Delegierte zur Zeit im hessischen Hohenroda tagen, hat im Zusammenhang mit dem Amoklauf in Erfurt sofortige Unterstützung angeboten. Vizepräsident Uwe Wetter unterstrich die Dringlichkeit, allen Betroffenen so rasch wie möglich notfallpsychologische Hilfe zukommen zu lassen. Das gelte für die Schüler, die die Tat miterlebt haben, genauso wie für Lehrer, Eltern, andere Angehörige sowie Polizei und Sanitäter. Vergleichbar mit einer Naturkatastrophe oder einem anderen traumatischen Erlebnis könne das Ereignis am Gutenberg-Gymnasium bei Beteiligten zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen. Wird das Geschehen nicht oder schlecht verarbeitet, müssen schwere psychische gesundheitliche Störungen befürchtet werden. Je später die Behandlung einsetze, umso länger und schwieriger gestalte sie sich erfahrungsgemäß.

Die Schule, so riet Dr. Bernd Jötten, Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie, müsse in den nächsten Tagen und Wochen eine intensive Betroffenheit und Trauerarbeit zulassen. Zugleich sei eine Bearbeitung der durch die Tat ausgelösten Ängste notwendig. Dabei solle man sich nicht von scheinbarer Robustheit einzelner Betroffener täuschen lassen. Bernd Jötten benannte als sofort zur Verfügung stehende Ansprechpartner die Landesbeauftragte der Sektion, Frau Susanne Fink (Tel. 0172-8892907), die stellvertretende Sektionsvorsitzende Christine Enders (Tel. 09131-54829) sowie den Vorsitzenden selbst (0172-5138804).

Ohne bereits im Detail etwas zu dem 19-jährigen Täter und den Gründen für seine Tat sagen zu können, zeigten die Fakten alle typischen Faktoren des Amok-Phänomens. Der junge Mann habe sich nach Verweis von der Schule in einer persönlich dramatischen Situation befunden. Der Ablauf seiner blutigen Gewalttat belegt eine intensive Vorbereitung einschließlich der Beschaffung von Waffen. Das Gefühl der Bedrohung, das stark beziehungsgeschädigte Amokläufer im Regelfall kennzeichnet, sei in Aggression und Gewalt umgeschlagen. Dafür habe er sich in der Schule eine Bühne verschafft und zuletzt jede Tötungshemmung verloren.

Amokläufe lassen sich nicht völlig verhindern, erklärte Uwe Wetter. Es sei jedoch bekannt, dass Gewalt in der Gesellschaft die Hemmschwelle von Tätern senkt. Entsprechende Erkenntnisse sind nach dem Krieg in Deutschland und nach dem Vietnamkrieg in den USA gesammelt worden. Die Zunahme von Gewaltpräsentation im Fernsehen und in Videos führt zu einer Konditionierung potenzieller Täter, die die auf dem Bildschirm gesehene und virtuell erlebte Gewalt zu übertreffen versuchen. Das Training durch interaktive Videospiele, so Bernd Jötten, schaffe zusätzliche Schießkompetenz. Es muss befürchtet werden, dass es weitere Taten dieser Art mit ebenso vielen oder noch mehr Toten geben wird. Es sei denn, es gelingt endlich, die Diskussion über das Thema Gewalt in Gesellschaft und Medien aktiv und professionell - sprich: mit Hilfe von Psychologen - zu führen. Das Phänomen gehört in den Mittelpunkt des Unterrichts. Helga Halbensteiner aus der Gruppe der Notfallpsychologen appellierte an die politisch Verantwortlichen und die Medien selbst, ihre große Chance, auf die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft Einfluss zu nehmen, besser zu nutzen.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Tel. 030-20 91 49 59
e-Mail: presse@bdp-verband.org